Etwas verändern, statt nur auf die große Politik zu warten

Kategorie: Allgemeines
Etwas verändern, statt nur auf die große Politik zu warten

Am Martin Luther King Day, der in den USA ein nationaler Feiertag ist, wurde auch in der Berliner Sophienkirche des berühmten amerikanischen Bürgerrechtlers und Baptistenpastors gedacht. Hier hatte King 1964 mit seiner Botschaft des gewaltfreien Einsatzes für Freiheit und Gleichbehandlung die Zuhörerinnen und Zuhörer begeistert. Unter den Rednern am 15. Januar in Berlin waren der Außenminister der ersten frei gewählten DDR-Regierung, Markus Meckel, und der Präsident des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, Michael Noss.
 
Weil es auch heute noch viel Hass in der Welt gebe, könne eine Rückbesinnung auf Martin Luther Kings Wirken Orientierung geben und Wandel bewirken, so Noss. „Es gilt, Andersartigkeit nicht als Bedrohung zu sehen, sondern als bereichernde Vielfalt zu würdigen.“ Von King zu lernen bedeute, das eigene Umfeld zu verändern, statt nur auf die große Politik zu warten. King sei ein großes Vorbild darin gewesen, enormen Widrigkeiten zum Trotz Dinge zu bewirken, die das Leben von Menschen zum Guten veränderten: „Wenn ich etwas von Martin Luther King lerne, dann ist es das ‚Dennoch‘ – ich kann mein Umfeld verändern.“
 
Auch Markus Meckel, der Kings Rede in der nahen Marienkirche 1964 als Zwölfjähriger miterlebt hatte, machte deutlich, dass die Botschaft des US-Amerikaners 50 Jahre nach dessen Ermordung  nichts von ihrer Aktualität verloren habe. Meckel, DDR-Außenminister von April bis August 1990 und langjähriger Bundestagsabgeordneter, zog in seinem Grußwort einen Bogen von 1964 über die Wendezeit bis heute. Bei seinem Berlinbesuch habe King bereits die Botschaft der Friedlichen Revolution vertreten. 25 Jahre später sei Meckel bestürzt gewesen, als ihm berichtet wurde, dass mehrere Mosambikaner bei den friedlichen Demonstrationen 1989 wegen ihrer Hautfarbe massiv ausgegrenzt wurden: „Im Aufbruch der Freiheit gleichzeitig die Erfahrung von Diskriminierung machen, das muss uns natürlich nachdenklich stimmen.“ Auch heute erlebe man diese Tendenz immer wieder, beispielsweise in der Pegida-Bewegung, so Meckel: „Wir müssen diese Menschen abholen auf dem Weg der Freiheit, zu dem immer auch die Freiheit der Andersdenkenden gehört und die Freiheit derer, die anders aussehen.“ Es gelte, Menschen zusammenzubringen, indem man sie in ihrer Würde und ihrer Freiheit ernstnehme, „wer auch immer sie sind: Es ist eine bleibende Botschaft von aktueller Relevanz.“
 
Frank Williams, Pastor der afroamerikanischen PFF Pentecostal Church of Berlin, bezeichnete den Einsatz gegen Rassismus und Diskriminierung als konfessionsübergreifende Aufgabe aller Kirchen: „Es kommt nicht darauf an, ob ich katholisch oder evangelisch bin, sondern darauf, ein Herz für Menschen zu haben.“ Martin Luther King selbst habe mit vielen Kirchen weltweit gearbeitet. Zentraler Kern seiner Botschaft sei dabei stets die Menschenwürde gewesen: „King glaubte, dass jeder Mensch ganz besonders ist. Der Schlüssel ist, die besondere Gabe jedes Einzelnen hervorzuholen und für andere wirksam werden zu lassen. Das geht nur durch die Liebe Gottes.“
 
Veranstaltet wurde die Gedenkfeier vom „Martin Luther King Memorial – SCLC-Komitee“ unter Leitung von Michael Markus Schulz, der ein Zeitzeuge des Berlinbesuchs Martin Luther Kings ist.

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