Hauptamtliche auf der Suche nach dem Glauben

Kategorie: Allgemeines
Hauptamtliche auf der Suche nach dem Glauben

Alle drei Jahre sind alle Pastoren und Pastorinnen, Diakone und Diakoninnen eingeladen, sich zu einer gemeinsamen Fortbildung zu treffen. Dieses Jahr waren es 500 Teilnehmende, darunter ungefähr 30 Diakone und Diakoninnen, die sich unter dem Motto „Vom Suchen und Finden des Glaubens“ mit einem sehr persönlichen Thema – das zugleich einen theologischen Kernbegriff darstellt –  erfolgreich auseinander gesetzt haben. Pastor Christoph Schirrmacher war einer von ihnen. Lesen Sie hier seinen Bericht.
Um zehn vor sechs stehe ich an jenem Montagmorgen auf – ungefähr siebeneinhalb Stunden später bin ich am Ziel, dank des öffentlichen Nahverkehrs und eines Kollegen, der seinen Bus mit Pastoren vollgepackt ins Sauerland gefahren hatte. Endlich! Ich will mich entspannt zurücklehnen, aber schon direkt am Anfang wird deutlich, dass es um das Unterwegssein gehen wird – eben um das Suchen und Finden. Dafür steht auch der in der Halle aufgebaute Kreuzweg. In dessen acht Abteilen kann ich das Leiden Christi bis zur Kreuzigung nachvollziehen. Bei einer letzten Station bin ich eingeladen, Abendmahl zu feiern.
Zu Anfang teilen die Mitglieder des AK Fortbildung ihr persönliches Suchen und Finden mit uns. Ich bin sofort angerührt, als eine Kollegin offen von einer tiefen Glaubenskrise spricht und ihren Weg der Bewältigung. Damit ist für mich ein Vorzeichen gesetzt. Auch alle anderen Berichte kommen mir nahe. Überall scheint ein Glaube durch, der kein einmal bezogener Standpunkt ist, sondern der immer wieder neu gelebt wird. Das wird auch in der Reihenfolge der vier Hauptreferate deutlich, in denen der Weg des Glaubens abgebildet wird.
Dr. Max Zimmermann spricht über „Glaube am Anfang“. Er begeistert uns als Zuhörer mit dem Bild einer Herzenswaage. Er lädt uns ein, den Menschen um uns herum im übertragenen Sinn kleine „Jesus-Gewichte“ zu überreichen, in dem wir im Alltag unseren Glauben leben und davon reden. Auf diese Weise würde die Waagschale in Richtung „Glauben“ gedrückt, bis dann eines Tages „Jesus so relevant wird, dass das ganze Leben hin zu Christus umschlägt.“ In der anschließenden Aussprache würdigt Zimmermann Impulse, die dieses Bild weiterdenken und bestätigt so den am Anfang geäußerten Wunsch, miteinander ins Gespräch kommen zu wollen.
Im Vortrag von Prof. Dr. Sabine Bobert geht es um „Glaube als Beziehung“. Zuerst spricht sie über ihre Bekehrung, Taufe und das Theologie-Studium in Buckow zu DDR-Zeiten, aber auch ihren Weg aus dem Baptismus heraus in eine theologische Weite hinein, die mich als Zuhörer zugegebenermaßen irritiert, auch wenn ich aus dem Vortrag viele Denkanstöße mitnehme. Ich merke, dass die baptistische Prägung ihr nach wie vor wichtig ist, zum Beispiel wenn sie erzählt, wie ihr gerade während einer Tai-Chi-Übung ein früher auswendig gelernter Vers aus Galater 3,1 in den Sinn kam und sie so angeregt wurde, nach spezifisch christlicher Spiritualität zu fragen. Sie beschäftigte sich daraufhin mit dem Mönchstum, um Übungen aus den Anfängen christlicher Mystik (zum Beispiel das Herzensgebet) „straßenmissionarisch“ tauglich zu machen. Mystik ist für sie eine Wahrnehmungsschulung der Gegenwart Gottes, denn wenn wir Gott nicht wahrnähmen, liege das nicht an seiner Abwesenheit sondern an der „Zumüllung“ unserer Aufmerksamkeit. In den Seminaren, die sie anbietet, bekennt sich Bobert zum Christentum, übersetzt ihre Übungen aber auch in andere religiöse Hintergründe. Sie sieht das als einen diakonischen Dienst an, der außerhalb des Christentums auf Interesse stoße.
Das Thema „Glaube in Beziehung“ wird von Prof. Dr. Peter Zimmerling vorgestellt, indem er über das Potential gemeinschaftlich gelebten Glaubens spricht. Einen starken Akzent legt er auf die Gemeinde als sichtbares Zeichen des Reiches Gottes, nämlich als Chance, schon heute die Erneuerung der Schöpfung mitzubekommen. Trotz aller Hindernisse werde erlebt, dass der Glauben an Jesus Christus immer mehr Gestalt annimmt. Das wird nachfolgend weiter konkretisiert, in dem er beispielsweise die christliche Gemeinde als Schule der Beziehungsfähigkeit vorstellt, als Raum des Vertrauens und der Persönlichkeitsentwicklung. Zuletzt spricht er noch über Gefahren für die christliche Gemeinschaft. So darf dürfe der Glaube der Gemeinschaft nicht zum Ersatz für den eigenen Glauben werden. Auch dürften die Mitglieder ihre Identität nicht zuerst über die Gemeinschaft definieren und so emotional abhängig werden. Außerdem sieht er es als Problem an, wenn nicht „der auferstandene Christus zwischen den Mitgliedern steht“ (Bonhoeffer), sondern deren seelische Übereinstimmung die Grundlage der Gemeinschaft bilde. Menschen, die nicht mit der Mehrheit übereinstimmen, würden dann schnell „herauseitern.“
Dr. Johannes Hartl vom Gebetshaus Augsburg ist für den Abschlussvortrag „Glaube in Anfechtung“ zuständig. Er wählt dafür nach meiner Einschätzung die Form der Predigt. Er definiert Anfechtung vor allem als Entmutigung. Anhand von Elias Flucht in die Wüste identifiziert er Einzelkämpfertum und ein zu hohes Maß an Eifer ohne konkreten Auftrag Gottes als Ursache. Bei Nehemia findet er dann Strategien der Entmutigung. Anschließend zeigt er dann anhand von Nehemia und Elia Möglichkeiten der Reaktion auf: „Den Feind beim Namen nennen“, „sich in Lobpreis flüchten“, „eine neue Begegnung mit Gott suchen“ und „nicht alleine zu kämpfen“. Die Predigt ermutigt mich und andere Kollegen. Ich höre aber auch Kritik, zum Beispiel wird die fehlende Möglichkeit zur Aussprache moniert, denn man hätte gerne nachgefragt, wo nach Ansicht von Hartl die Linie zwischen entmutigender Anfechtung und berechtigter Kritik verlaufen würde.
Die Predigt des Abschlussgottesdienstes hält Friedbert Neese. Er spricht anhand von Micha 6,8 über Glaube in Bewegung. Mit dem zentralen Begriffs dieses Verses, der z.B. mit Güte, Treue oder Gnade übersetzt werden kann, beschreibt er den Wunsch Gottes nach ganzer Hingabe, weil Gott „nicht nur ein Thema für den Sonntag, sondern unser Alltag sein will.“ Im Rahmen des Konvents, sozusagen seiner „Gemeinde“, wird er Friedbert Neese auch feierlich in den Ruhestand verabschiedet und entpflichtet. In den Würdigungen wird deutlich, wie sehr er nach seinem Dienstantritt 2006 das neue Aufgabengebiet geprägt und gute Rahmenbedingungen gesetzt habe. Nachfolger als Leiter des Dienstbereichs ist bereits Udo Hermann. Aber nicht nur für diese beiden Brüder ist der Konvent eine entscheidende Marke auf dem Weg. Neben Hermann scheiden auch Petra Reinecke und Manuel Lüdin aus der Leitung der Pastorenschaft aus. Ihre Aufgaben übernehmen Harald Kufner, Volker Schmitt und Dr. Matthias Walter. Auch auf Seite der Diakoninnen und Diakone gibt es Veränderung. Nach jeweils acht Jahren Amtszeit scheiden Michael Job und Damaris Werner aus, die neue Konventleitung besteht aus Melanie Bergerhoff, Agatha Dziuk, Petra Klatt, Jörg Nebe und Sven Schneider.
Es ist nach 2015 der zweite gemeinsame Konvent von Diakonen und Pastoren und inzwischen schon eine Selbstverständlichkeit. Man kann also von guten Aussichten auf den nächsten Konvent sprechen. Ich persönlich mache mich mit einem Kopf voller Anregungen wieder auf den Rückweg und freue mich auf den Alltag, der im Gemeindeleben auf mich wartet. Dieses Gefühl der Zufriedenheit bestätigen mir auch andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer. So sind wir weiter unterwegs beim Suchen und Finden des Glaubens und freuen uns schon auf den nächsten Konvent.

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