Neuigkeiten vom Bund - Allgemeines

Evangelium weitergeben, Orientierung in Lebensfragen

Evangelium weitergeben, Orientierung in Lebensfragen

„Die Zukunft der Kirche hängt entscheidend von unserer Bereitschaft und Fähigkeit ab, den Glauben weiterzugeben.“ Mit diesem Appell hat der Theologe, Autor und Bibelübersetzer Prof. Dr. Dr. Roland Werner in der Mitgliederversammlung der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) dafür geworben, in den Kirchen ganz neu eine „Theologie und Praxis der Evangelisation“ umzusetzen. Bei der Tagung im brandenburgischen Elstal befassten sich die Delegierten aus den VEF-Kirchen zudem mit dem Lebensschutz, mit Asylverfahren von Konvertiten und mit den Vorbereitungen auf einen historischen Jahrestag.
„Hierzulande haben wir den Glauben privatisiert und sind deshalb als Christen in der Öffentlichkeit und im Alltag nicht sichtbar“, so die Analyse von Roland Werner. Darum sei die Evangelisation in einer Krise: „Bevor wir wieder stärker evangelistisch aktiv werden, müssen wir mit unserem Glauben aus der Privatsphäre heraustreten. Denn der Glaube ist zwar persönlich, aber nicht privat!“ Wenn man dann über den Glauben ins Gespräch komme, sei es wichtig, Evangelisation nicht isoliert zu sehen: „Soziale Verantwortung und Evangelisation gehören zusammen. Wenn wir sie gegeneinander ausspielen, lähmen und schwächen wir uns selbst.“
Der Glaube dürfe nicht nur unter Gleichaltrigen geteilt werden, sondern müsse auch an jüngere Generationen weitergegeben werden: „Sonst stirbt der Glaube aus“, so Roland Werner. Kirchen hätten nun die Aufgabe, das Anliegen der Evangelisation auf allen Ebenen der kirchlichen Arbeit zu verankern und evangelistisch begabte Frauen und Männer zu fördern und auszubilden. Die Weitergabe der frohen Botschaft müsse in einer Weise geschehen, die Menschen ganz unabhängig von ihrem Milieu oder ihrem kulturellen Background verstehen: „Wir wollen kulturell flexibel und in großer Vielfalt predigen, dabei jedoch stets Christus im Blick haben, unser Zentrum.“###3_IMAGES###Die Delegierten waren sich einig in dem Anliegen, die Evangelisation auf VEF-Ebene weiter zu stärken. „Dafür wollen wir zunächst vorhandene Netzwerke nutzen, denn nicht jeder muss das Rad neu erfinden“, so VEF-Präsident Christoph Stiba. Deshalb werde man künftig enger mit der von Roland Werner geleiteten „Koalition für Evangelisation“ zusammenarbeiten: „Eine gute Gelegenheit ist die Teilnahme am Runden Tisch der Koalition am 3. und 4. Juni 2019 im Kloster Volkenroda.“

Lebensschutz

„Das Leben und die einzigartige Würde des Menschen als unantastbare Gabe Gottes sind von Anfang an und bis zu dessen Ende zu schützen und zu respektieren.“ Mit diesem Motto gibt die Stiftung ProVita Orientierungshilfe in medizinethischen Fragen, die den Anfang und das Ende des Lebens betreffen – von vorgeburtlicher Diagnostik über Schwangerschaftskonfliktberatung bis hin zu Sterbebegleitung und Palliativmedizin. Dr. Detlev Katzwinkel und Dr. Heike Fischer vom ProVita-Vorstand stellten der Mitgliederversammlung die Arbeit der „Stiftung für Lebensethik“ vor. „Es ist uns wichtig, keine einfachen Antworten zu geben, sondern differenziert hinzuschauen“, betonte Heike Fischer. Denn, so Detlev Katzwinkel, man wolle mit Menschen ins Gespräch über Lebensthemen kommen: „Wir suchen den Diskurs und begegnen anderen Meinungen nicht mit Verurteilung.“
VEF-Politikbeauftragter Peter Jörgensen, Christoph Stiba und andere VEF-Delegierte zeigten sich dankbar für das Angebot der Stiftung, der VEF beratend zur Seite zu stehen. „Für die Positionierung der VEF in diesen schwierigen ethischen Fragen ist es gut, vom Knowhow von Fachleuten profitieren zu können, die sich auf der gleichen Wertebasis für den Lebensschutz einsetzen, der uns sehr wichtig ist“, so Stiba. Der VEF-Präsident äußerte auch seine Wertschätzung für die differenzierte Herangehensweise der Stiftung: „Plakative Aussagen helfen bei diesen fundamentalen Fragen des Lebens, bei denen es um persönliche Schicksale geht, niemandem weiter.“

Ablehnung christlicher Asylbewerber

Asylanträge christlicher Konvertiten werden oftmals dann abgelehnt, wenn es den Bewerbern in den Verfahren nicht gelingt, über die persönliche Dimension ihres Glaubens Auskunft zu geben. Diese Beobachtung und seine Vorschläge, wie damit umzugehen ist, erläuterte der VEF-Kirchenasylbeauftragte, Rechtsanwalt Andreas Hantschel aus Frankfurt.###3_IMAGES###Hantschel führte in der Mitgliederversammlung aus, dass Bewerber, die aufgrund ihrer Konversion zum christlichen Glauben Asyl in Deutschland beantragen, laut einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts nachweisen müssen, dass sich bei ihnen eine feste religiöse Überzeugung gebildet hat und eine Prägung der religiösen Identität erfolgt ist. Um dies darzulegen, reiche es nicht aus, so Hantschel, dass der Bewerber von außen sichtbare Aktivitäten aufzähle, etwa die Teilnahme am Gottesdienst oder die Mitarbeit im Kirchencafé. Vielmehr sei es unerlässlich, vom inneren Glaubensprozess zu berichten und die Entscheider so ins eigene Herz blicken zu lassen. „Wo Glaubensgeschwister dies tun und die Tiefe ihres persönlichen Glaubens nachvollziehbar beschreiben, stehen die Chancen für ihr Asylverfahren gut.“
Gemeinden werden gebeten, sich mit Fragen zum Thema Asyl an die Migrationsbeauftragten ihrer Freikirchen zu wenden.

500 Jahre Täuferbewegung

Mit fünf Themenjahren ab 2020 und einem großen Abschluss zu Himmelfahrt 2025 will eine überkonfessionelle Initiative an 500 Jahre Täuferbewegung erinnern. Reinhard Assmann vom Trägerverein nahm die VEF-Mitgliederversammlung mit hinein in die Geschichte und stellte den aktuellen Stand der Planungen vor.
Der 21. Januar 1525 gilt als Beginn der Täuferbewegung. Nach einer „heftigen öffentlichen Diskussion über die Kindertaufe fand an diesem Tag die erste sogenannte Gläubigentaufe statt“, so Assmann. „Die Täufer verstanden sich stets als Teil der Reformation, wollten weiterführen, was sie in den frühen Jahren Luthers und Zwinglis verstanden hatten.“ Die Mennoniten verstünden sich als direkte Nachfahren der Täufer, doch „auch einige andere heutige Freikirchen sehen sich theologisch in der Tradition der Täuferbewegung.“
Dem Gründerverein gehören Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden (AMG), des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG), des Bibelseminars Bonn und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) an. Ihr Ziel sei es, „an die Täuferbewegung zu erinnern, den Jahrestag 2025 gemeinsam zu begehen und dabei viele miteinzubeziehen“, wie der pensionierte Baptistenpastor Assmann hervorhob. Die vorgeschalteten Themenjahre werden sich mit den fünf Schwerpunkten „mündig, gemeinsam, konsequent, gewaltlos und Hoffnung leben“ befassen. Es sollen Begleitmaterialien und Veranstaltungen angeboten werden. „Wir freuen uns, wenn sich viele Menschen an den Vorbereitungen beteiligen“, so Reinhard Assmann. Interessierte können sich in der Ökumenischen Centrale der ACK melden.###3_IMAGES###

Theologischer Grund- und Aufbaukurs

Dr. Oliver Pilnei vom BEFG und Jürgen Stolze von der Evangelisch-methodistischen Kirche stellten den Delegierten den Theologischen Grund- und Aufbaukurs der VEF vor. Seit über 40 Jahren bietet der Kurs eine theologische Fortbildung. Allein in den letzten zehn Jahren gab es über 400 Absolventinnen und Absolventen. VEF-Präsident Christoph Stiba würdigte den Kurs als „fundierte theologische Grundlegung für Laienprediger und alle an Theologie Interessierten.“ Er ermutigte dazu, das Angebot in den Freikirchen bekannt zu machen....

In der Hektik auf Gott hören

In der Hektik auf Gott hören

„Hören auf Gottes lebendige Stimme“, das ist die erste Säule und damit ein zentrales Anliegen des BEFG-Jahresthemas „INSPIRIERT LEBEN … dass Christus Gestalt gewinnt“. Pastorin Claudia Sokolis-Bochmann beschreibt, wie ihr dieses Hören in der Hektik des Alltags gelingt.
Während ich mit diesem Artikel beginne, wird im Raum neben mir geschraubt, werden meine Regal abgebaut. Ich bin mitten im Umzug, habe seit über einem Jahr eine Fernbeziehung und kenne die Autobahn und Bahnhöfe zwischen Hamburg und meinem neuen Wohnort recht gut. Hektik, sprich Betriebsamkeit, und To-do-Listen sind gerade Teil meines Alltags. Was für ein Jahr: Hochzeit und Familienbesuche, Weiterbildung und Dienstwechsel, Autokauf und Umzug. Ein Leben auf der Autobahn des Lebens – das klingt allzu vertraut. Das Jahr verging wie auf einer ICE-Strecke: ziemlich schnell. Und neben all den Terminen und Aufgaben habe ich neue Leute kennengelernt, viel Schönes erlebt, neue Gebiete erkundet, Informationen und Eindrücke gesammelt.... Stille im Alltag sieht von außen betrachtet sicher anders aus. Und ja, ich freue mich auch schon, wenn mein Sessel wieder aus dem Umzugswagen geladen wird und er seinen Platz gefunden hat.
Das ist nämlich mein „guter Ort“ – eigentlich egal wo er steht. Vor dem Start in den Tag hier nochmal sitzen, bewusst ein- und ausatmen, Tagebuch schreiben, Bibel lesen; abends den Tag Revue passieren lassen und abschließen, das tut mir gut. Ich liebe den Rhythmus meines Lebens, liebe Rituale, die meinen Tag begleiten, meinem Leben Ruhe geben. Dabei sind das gar nicht die großen Dinge, die viel Aufwand brauchen, sondern eher – ganz im Kleinen – das bewusste Hinhören und Achtgeben. Es sind die kleinen Gesten und Bewegungen, die mir helfen zur Ruhe zu kommen und bei mir zu sein. Ich höre mir zu, wenn ich über die Straße gehe, höre die Schritte auf dem Asphalt, lausche dem Wasser, wenn ich meinen Tee aufgieße, blicke die Kassiererin im Laden bewusst an, wenn ich bezahle und ihr einen schönen Tag wünsche. Ich freu mich, wenn sie meinen Blick wahrnimmt und den Gruß erwidert.
Zwei Themen haben mich in den letzten Jahren intensiv begleitet: das Hören und das Üben. Das Thema „Hörendes Gebet“ begleitet mich schon lange, doch in der Zusatzausbildung zur Musik- und Bewegungspädagogin (ARS) bekam das Thema Hören nochmal eine ganz andere Qualität. In den Seminaren, die ich mit einem Pastoren-Kollegen zum Thema anbiete, war und ist es uns immer wichtig, dass das Hören auf Gottes Stimme stets im Alltag verankert ist, auch dann, wenn keine Zeit für lange Einkehrzeiten bleibt. Auf Gottes Stimme zu hören ist nicht nur die Fähigkeit einzelner begabter oder kontemplativer Leute. Gott redet nicht nur in unsere Freiräume und Stille Zeiten hinein. Doch, und davon bin ich überzeugt: Hören braucht Übung. Sich selber empfangsbereit machen, die Sinne wecken, aufmerksam werden und wahrnehmen, was ist, das kann überall geschehen. Als Jugendliche hat mich der Satz geprägt: „Was nicht regelmäßig geschieht, geschieht in der Regel mäßig“, und in verschiedensten Bereichen merke ich, wie Fähigkeiten leiden, wenn ich sie nicht praktiziere – denke ich da nur an Fremdsprachenkenntnisse, die lange nicht zum Einsatz kamen.
Mit meinen Instrumenten habe ich gelernt, dass Üben nicht heißt, ein Stück immer und immer wieder zu spielen, um vielleicht festzustellen, dass man es immer noch nicht kann. Üben heißt, da vielleicht nur eine Tonverbindung herauszunehmen und zu trainieren, Läufe mal anders zu rhythmisieren, vorwärts und rückwärts zu spielen, das Tempo zu variieren. Mit den Jahren habe ich gelernt, auch ohne Instrument zu üben – mental. Und ja, ich habe gelernt, dass ganz andere Komponenten mein Spiel auf der Flöte verbessern können. So hat es Auswirkungen, wenn ich viel mit dem Körper arbeite und dadurch eine bessere Körperpräsenz sowie Atmung habe. Es hat Auswirkungen, zu welcher Tageszeit ich spiele, in welcher Umgebung ich bin, wer mir zuhört. Und auch, wenn ich dann mal ein paar Tage und Wochen die Flöte nicht zur Hand nehmen und vielleicht nur singen oder summen kann, habe ich Melodien und Töne im Ohr, kann sie spielen und wieder aufnehmen, was ich gelernt habe. Das geht, wenn ich dranbleibe: auf welche Art und Weise auch immer.
Stille im Alltag klingt nach Sehnsuchtsort, klingt nach großen Freiräumen und Ruhe. Bei all dem, was am Tag ansteht und auf uns einströmt an Inhalten und Aufgaben, fällt das Innehalten schwer – wie fast alles, das ich nicht geübt, mir nicht im Kleinen angeeignet habe. Vor gut zwei Jahren sprach mich der Text aus 1. Chronik 22,9 an. Dort heißt es, dass Salomo „ein Mann der Ruhe“ sein wird. Neben all dem Erleben und Sehnen, Gottes Stimme zu hören, in seiner Gegenwart zu sein, wuchs in mir der Wunsch, eine „Frau der Ruhe“ zu werden. Wie ein ruhiger See zu sein, auf dem die Sonne sich spiegeln kann. Empfangsbereit zu sein, für Worte, die in mir und durch mich zum Klingen kommen können, mitten im Alltag einfach mal stehen zu bleiben.
So liebe ich nicht nur den Klang meiner Schritte, sondern auch das Stehen an roten Ampeln. Ich lasse mich von Gott beschenken durch die Menschen, die ich sehe, freu mich an der Farbenpracht der Schöpfung. Ich lausche den Worten, die in mir nachklingen – weil ich ein Wort gelesen oder gelernt habe, es mit Tinte auf Papier brachte oder ich es lesen konnte: in der U-Bahn, auf dem Smartphone, auf einer Werbefläche, an einer Hauswand.... Und halt: Da klingt doch tatsächlich beim Einkauf eine Zeile durch den Lautsprecher, die mich berührt. Ist vielleicht nicht meine Welle und Musik – aber vielleicht doch gerade das Reden Gottes zu mir. Mitten in der der Betriebsamkeit kann ich hinhören und mich unterbrechen lassen. Kann selber das Tempo reduzieren und stehen bleiben. Wie gut, dass Gott mehr Möglichkeiten hat und nicht an meinen Sessel gebunden ist, der mittlerweile auch wieder seinen Platz gefunden hat und in dem ich wieder üben kann, in der Stille zu hören, damit es in der Betriebsamkeit des Alltags gelingt....

Mitgliederversammlung der aej

Mitgliederversammlung der aej

Einmal im Jahr trifft sich die evangelische Jugend bei der Mitgliederversammlung der aej – dieses Jahr vom 22. bis 25. November in Pappenheim in Bayern. 120 Delegierte aus 32 Organisationen sind vertreten, das GJW mit vier Mandaten und Maria Hofmeister als zweiter stellvertretenden Vorsitzenden der aej.
Hauptthema der Tagung war der Rechtspopulismus. Dr. Matthias Quent vom Jenaer Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft hielt das Impulsreferat. Das Plenum verabschiedete das gemeinsame Positionspapier „Haltung zeigen und Ursachen beseitigen“. „Keine Akzeptanz rechtspopulistischer Einstellungen im demokratischen Meinungsstreit“ dürfe es geben. „Wir fordern konstruktive und tragfähige europäische Lösungen“ heißt es darin unter anderem zum Umgang mit Geflüchteten.
Mit der Verabschiedung des langjährigen Geschäftsführers Ottokar Schulz geht in der aej eine Ära zu Ende. Mit Leidenschaft und Sachverstand hat er die Interessen der evangelischen und damit auch der evangelisch-freikirchlichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen auch gegenüber der Bundespolitik vertreten. Dafür gebührt ihm großer Dank.
Mit Martin Luther King erinnerte Udo Rehmann in seiner Andacht am Freitagmorgen daran, dass nur die tätige Liebe (Epheser 3,18) gesellschaftliche Veränderungen herbeiführen kann: „Hate cannot drive out hate, only love can do that“. Maria Hofmeister gestaltete den sehr nachdenklichen Gottesdienst zum Tagungshauptthema am Samstagabend mit.
„Für mich war es die erste aej-Mitgliederversammlung, daher war ich sehr gespannt was mich erwartet. Mir hat diese Veranstaltung gezeigt, wie wichtig und wertvoll es ist, sich als evangelische Jugend zusammenzuschließen und für einen gemeinsamen Standpunkt zu kämpfen und diesen dann nach außen zu tragen und zu vertreten. Gemeinsam haben wir eine größere Stimme und können uns damit z.B. in aktuelle Debatten erfolgreich mit einbringen.“ Dieses Fazit zog Simon Milewski, der als Teil der GJW-Delegation aus dem GJW Baden-Württemberg an der Mitgliederversammlung teilnahm.
Die aej ist die jugendpolitische Stimme der evangelischen Jugend. Durch die Partizipationsstrukturen haben junge Menschen die Möglichkeit, sich in den großen Debatten der Gesellschaft Gehör zu verschaffen. ...

Hören auf Gottes lebendige Stimme

Hören auf Gottes lebendige Stimme

Kirchenmusiker Manuel Schienke hat schon früh erlebt, dass Gott ihm durch Musik begegnet. Als Pop-Kantor der EFG Kassel-Möncheberg möchte er Anderen diese Erfahrung ermöglichen. Er ist überzeugt: Musik ist Kommunikation zwischen Gott und Menschen, und sie trägt durch Grenzsituationen hindurch.
Wer hat nicht schon mal den Satz gehört oder gesagt: „Diese Musik ist mir ins Herz gegangen, sie hat mich berührt!“ Dazu passt für mich der Bibelvers aus Psalm 28,6: „Der HERR ist meine Stärke und mein Schild; auf ihn hofft mein Herz, und mir ist geholfen. Und mein Herz ist fröhlich, und ich will ihm danken mit meinem Lied.“ Gottes Stärke und Schutz lassen mein Herz hoffen. Sie erfüllen mein Herz mit Freude und lassen mich singen.
So erinnere ich mich, schon früh in meiner Kindheit dieses Gefühl im Herzen gehabt zu haben. Aufgewachsen in einer ur-baptistischen Familie war es gang und gäbe, zu singen und Instrumente zu spielen. Mich faszinierte es, wenn Zuhause oder im Gottesdienst Choräle mehrstimmig gesungen wurden oder der Jugendchor Bibelworte mit einer Band in neuen Rhythmen gesungen und gespielt hat. Das Auswendiglernen von Bibelversen fiel mir in der Sonntagschule in gesungener Form immer leichter, und das ist bis heute noch so.
Als Teenie saß ich bei ProChrist 1993 jeden Abend bei der Liveübertragung aus der Grugahalle in Essen. Ich weiß nicht mehr, was der Redner Billy Graham gesagt hat, erinnere mich aber noch genau an die gesungenen Lieder. Vor allem, als ich dort das erste Mal das Lied „Jesus, zu dir darf ich so kommen wie ich bin“ gehört und mitgesungen habe. Es ging direkt in mein Herz. Ich hatte dort das Gefühl: Gott begegnet mir ganz persönlich und redet zu mir! So auch, als ich das erste Mal bei J.S. Bachs „Matthäuspassion“ mitgesungen habe. Die Verbindung von Wort und Musik haben mir auf eindrückliche Weise gezeigt, was Jesus für mich am Kreuz getan hat; aus Liebe zu mir. Eine unvergessene Gottesbegegnung.
Eindrücklich waren auch die Erlebnisse während meiner Studienzeit in New Orleans (USA). Dort konnte ich die Gospelmusik authentisch erleben. Menschen, die auch heute noch wegen ihrer Hautfarbe diskriminiert werden, schöpfen im gemeinsamen Singen und Spielen von Gospels Kraft, Hoffnung und Mut. Dabei geht es, wie ich erleben durfte, um weit mehr als ein gutes Gefühl oder die Freude an dem Stil, sondern um die wahre Botschaft, dass Jesus lebt und er ihnen nahe ist. Die vielen spontanen Begegnungen mit Musikern und das gemeinsame Musizieren haben mich Gott nahegebracht. Ich durfte spüren, wie Gott Menschen durch Musik verbindet, wie Menschen aus unterschiedlichen Nationen Gott loben und preisen und wie daraus eine starke Verbindung im Glauben entsteht.
Musik ist Gottes Gabe, die er uns Menschen geschenkt hat. Sie dient dazu, unseren Schöpfer zu loben und zu preisen, IHM die Ehre zu geben. Wir dürfen mit der Musik antworten, Fragen stellen, Zweifel bringen, unsere Not ausdrücken, erfahren aber auch gleichzeitig Stärkung, Trost und Hoffnung. Musik ist keine Einbahnstraße. Sie ist eine lebendige Kommunikation zwischen Gott und uns Menschen, ein Gebet. Es ist für mich Segen und Geschenk, Gott am Instrument zu dienen und ihn zu ehren, mit IHM persönlich zu sprechen und seine Botschaft weitersagen zu dürfen.###3_IMAGES###Als Kantor in einer Gemeinde habe ich erleben können, wie andere Menschen sich durch die Musik von Gott ansprechen lassen. Und das zeigt sich durch alle Generationen und Musikstile. Für die einen ist es das Orgelpräludium, das Bläserchorstück oder die Band im Gottesdienst, die sie ansprechen; für andere das gemeinsame Singen von Chorälen, Worshipsongs oder Gospels, bei denen sie sich Gott nahe fühlen.
Das Singen und Musizieren ist daher für mich ein wichtiger Teil im Gottesdienst. Gemeinsam Gott loben und IHN ehren, auf das hören, was er uns durch Lieder sagen möchte, IHN bekennen und seine Botschaft verkündigen. Alte und neue Lieder singen, die über die Erfahrungen von Menschen mit Gott berichten, Lieder, die Gott loben und Menschen Mut und Hoffnung geben.

So etwas praktizieren wir am Möncheberg mit dem Wunschliedersingen. Einmal im Monat treffen wir uns, um Lieder aus den unterschiedlichen Epochen zu singen. Dabei spielt es keine Rolle, aus welchem Jahrzehnt die Lieder kommen. Wichtig ist der persönliche Austausch, warum dieses oder jenes Lied für den Einzelnen eine Rolle im Leben spielt. Oft kommt der Dank für Gottes Führung im Leben, aber auch der Trost in schweren Zeiten zum Ausdruck.
Und dann ist da die Gospelchorarbeit. Sie zeigt mir, wie Gott durch die Musik Menschen aus verschiedenen Alters- und Sozialschichten anspricht. Das Erleben von Gemeinschaft und die generelle Freude an der Musik stehen vielleicht für einige an erster Stelle. Jedoch erlebe ich, dass die Botschaft, die in den Texten der Lieder enthalten ist, nicht spurlos an den Sängern und Sängerinnen vorübergeht. Die Auseinandersetzung mit Texten wie „Mein Erlöser lebt“ führt dazu, dass sie Fragen stellen, mehr über den Glauben an Jesus Christus erfahren und spüren, dass mehr als nur Rhythmus und ein schöner Satzgesang dahinterstecken. Oft höre ich auch hier: „Ich fühle mich angesprochen“ und „Das Lied war für mich.“
Auch beim Musizieren mit Kindern erlebe ich, wie Gott durch die Musik spricht. Die Freiheit der Kinder, laut und fröhlich zu singen (auch lauthals auf der Straße), zu lachen und sich zu bewegen, zeugt davon, wie Gott uns durch Musik berühren kann.
Gott legt uns Lieder oft so tief in unsere Herzen, dass sie auch in den Grenzsituationen unseres Lebens abrufbar sind und manche sogar durch das Sterben hindurch begleiten. Ich habe erlebt, dass Menschen, die schon nicht mehr sprechen konnten, Herzenslieder mitsangen oder gar selbst anstimmten, und dass Menschen, die nicht mehr lesen konnten, ganze Lieder auswendig und aus vollem Herzen singen konnten. Ein Lied kann uns durch unser Leben und bis zum letzten Atemzug begleiten.
Bei allen Diskussionen über Stil, Lautstärke, Tempo und Instrumentalisierung der Musik in unseren Gottesdiensten sollten wir doch eines immer im Blick behalten: den Inhalt. Gott redet zu uns - auch durch und mit der Musik. Vielleicht redet er zu uns in Moll, in Dur, im Adagio, im Shuffle, im Pianissimo, im Fortissimo, mit Schlagzeug oder mit der Orgel. Lassen wir Gott in uns wirken, begegnen wir IHM und werden Mitspieler seines großen Orchesters.
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„Wie kommt der Geist in die Beratung?“

„Wie kommt der Geist in die Beratung?“

„Wie kommt der Geist in die Beratung?“ lautete das Thema des jährlichen Beratertreffens am 12. November in Kassel. 43 Männer und Frauen waren gekommen, um sich gemeinsam darüber auszutauschen, wie das Jahresthema des Bundes „INSPIRIERT LEBEN … dass Christus Gestalt gewinnt“ in der Gemeindeberatung verankert werden kann.
Pfarrerin Isabel Hartmann vom Gemeindekolleg der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Deutschlands (VELKD) leitete die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch einen steten Wechsel von Input, Übung und Reflexion an, sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen. Dabei wünsche sie sich, so äußerte sie zu Beginn des Tages, dass „Sie sich nicht nur kongnitiv mit dem Denken Neues überlegen, sondern dass wir miteinander ins Hören kommen auf Gott, der unter uns ist.“
Das Netzwerk „Beratung von Gemeinden“, sagte BEFG-Referentin Heike Beiderbeck-Haus, habe von Anfang an einen hohen Anspruch an die Professionalität der Beraterinnen und Berater gehabt. Wer Teil des Netzwerks werden wolle, müsse gewisse Kriterien erfüllen und Standards einhalten. Mit dazu gehöre, dass sich der Berater beziehungsweise die Beraterin mit der eigenen Meinung zurückhalte. Dennoch, so Beiderbeck-Haus, spiele die spirituelle Situation gerade im Bereich der Gemeindeberatung eine große Rolle und müsse berücksichtigt werden. „Und zwar sowohl die spirituelle Situation der zu beratenden Gemeinde als auch der Beratenden selbst“.  Denn: „Das Thema berührt tief unsere eigene Frömmigkeit, die je nach Prägung sehr unterschiedlich ist – und unser professionelles Verständnis von Beratung.“ Deshalb sei man auf dem Beratertreffen der Frage nachgegangen wie beide Bereiche zusammengehören und wo sie sich unterscheiden. ###3_IMAGES### Am Vormittag beschäftigten sich die Teilnehmenden mit den verschiedenen Arten von Problemlagen, die sich manchmal sehr einfach, mitunter aber auch sehr komplex darstellten. „Meistens“, so stellte ein Teilnehmer fest,  „wird von den Ratsuchenden eine ‚einfache‘ Antwort erwartet, die den Impuls der Beratung mit einem ‚Punkt‘ abschließt. Dagegen öffnet ein ‚Doppelpunkt‘. Er verbindet die Argumente mit der Weiterführung des Prozesses und erfordert Mut, nicht abzuschließen und die Argumentation offen zu halten.“ Bei einer komplexen Problemlage, so wurde deutlich, müsse immer wieder auf das Intuitive geachtet werden und auf die Emotionen und die Sehnsucht des Einzelnen, man müsse „erspüren und erproben, was der nächste Schritt ist“. Das übten die Anwesenden ganz praktisch, indem es immer wieder Phasen der Stille gab, wo jeder ganz „bei sich“ sein konnte. Zur Frage nach dem „Geist in der Beratung“ konnte man sich dann über die eigene Sehnsucht austauschen und einander rückmelden, was man beim anderen diesbezüglich jeweils wahrgenommen hat. Erfreulich sei dabei gewesen, so Heike Beiderbeck-Haus, dass „nicht suggeriert wurde, dass ich in diesen Minuten große Erkenntnisse gewinne, sondern ich hatte auch die Freiheit, die Erfahrung zu machen, dass ich gar nichts spüre. Es war kein Druck, kein Muss, kein Machen gefragt, sondern nur die Aufmerksamkeit für das, was in dem Moment geschieht.“ ###3_IMAGES### Am Nachmittag lag der Schwerpunkt auf der Beschäftigung der im Mission Statement formulierten ersten Säule des Jahresthemas: „Wir wollen die lebendige Stimme Gottes hören und daraus leben.“ Dabei wurde deutlich, dass die Stimme Gottes von jedem einzelnen sehr unterschiedlich wahrgenommen wird: Durch Worte, zwischenmenschliche Beziehungen oder einfach durch ein „Bauchgefühl“. „Der Geist Gottes spricht vielstimmig“, so Isabel Hartmann, „und nicht immer herrscht danach dann Eindeutigkeit und Einmütigkeit.“ Wichtig sei es, sich gemeinsam auf die Suche zu machen, in die Tiefe zu gehen und sich dabei Zeit zu lassen. ###3_IMAGES### Bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern kam das Treffen überwiegend positiv an. „Ich finde es immer gut, einmal neue Methoden und Zugänge auszuprobieren, das heißt, nicht nur theoretisch vorgestellt zu bekommen, sondern gleich praktisch umzusetzen“, war das Fazit eines Teilnehmers. „So kann man eigene Erfahrungen machen und lernt Neues, was ein Gewinn ist. Man lernt aber auch, zu welchen Dingen man eventuell nicht so den Zugang hat. Auf jeden Fall ist dies eine Bereicherung.“
Im Netzwerk „Beratung von Gemeinden“ sind zurzeit 66 aktive Beraterinnen und Berater tätig. Das Netzwerk soll in Zukunft weiterentwickelt werden, insbesondere in Bezug auf einzelne Regionen, in denen es zurzeit keine Beraterinnen und Berater gibt. Außerdem wird gemeinsam mit dem BEFG-Referenten für Integration, Thomas Klammt,  die interkulturelle Beratung auf den Weg gebracht.
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Unsere Weltmission ist bunt, genauso wie unser Bund!

Unsere Weltmission ist bunt, genauso wie unser Bund!

Rund 70 Menschen trafen sich Anfang November in Herford zum allerersten Samstag der Weltmission des BEFG. Eingeladen zu dieser Premiere hatte das Komitee für Weltmission des Dienstbereichs Mission, das die weltmissionarischen Aktivitäten innerhalb unserer Bundesgemeinschaft bündelt und koordiniert.

Und weltmissionarische Aktivitäten gibt es viele wie gleich zu Beginn der Veranstaltung deutlich wurde. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen waren aufgerufen mit kleinen pfeilförmigen Stickern auf einer großen Weltkarte die Orte zu markieren, an denen sie als Einzelpersonen oder als Gemeinde missionarische Projekte unterstützen. Heraus kam ein buntes Bild mit Pfeilen bei Hawaii im Westen bis zu den Philippinen im Osten, in Europa und Russland im Norden bis zu Südafrika im Süden. In einem gezeichneten Kurzfilm, einem sogenannten Pencast, wurden die außenmissionarischen Aktionen im BEFG optisch kurzweilig präsentiert.

Thomas Klammt, BEFG-Referent für Integration, führte am Beispiel des berühmten Ausspruchs von Fußballer Adi Preißler „entscheidend is' auf’m Platz“ in die Diskussion zu den die sieben Werten der Weltmission ein, die das Komitee für Weltmission formuliert hatte. Denn es ginge beim Fußball eben nicht nur darum, was auf dem Platz passiert, sondern man solle sich durchaus auch mit dem „Drumherum“ beschäftigen. Als Beispiel nannte er die möglichen Schmiergeldzahlungen im Zusammenhang mit der WM 2006 oder die öffentliche Debatte um das Foto, welches Mesut Özil dieses Jahr gemeinsam mit Erdogan gemacht hatte. Genauso gehe es beim Thema Weltmission zwar auch vor allen Dingen darum, was vor Ort passiert, „in der Notsituation, im Herzen der Menschen, wenn Christen ihren Glauben weitergeben. Und doch ist auch das Drumherum nicht ganz egal.“ Man müsse sich auch fragen, wie man mit Geldern, die einem anvertraut sind, gut umgeht und an welchen Werten sich die weltmissionarische Arbeit orientiert. Diese Werte wurden im Anschluss von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern an sieben im Raum verteilten Stationen genauer diskutiert. ###3_IMAGES###Am Nachmittag war Gelegenheit, an unterschiedlichen Ständen die Arbeit der einzelnen weltmissionarischen Dienste des BEFG genauer kennenzulernen und sich mit drei Gästen über verschiedene Aspekte der Weltmission zu unterhalten.

Daniel Gonzales erzählte etwas über die Geschichte Kubas und wie das Evangelium den Inselstaat erreichte. Beeindruckend ist das kontinuierliche Wachstum der Gemeinden und die zahlreichen Gemeindegründungen. Alle diese Aktivtäten werden mit nur sehr gering zur Verfügung stehenden materiellen Ressourcen durchgeführt.

Ertan Cevik berichtete über die Gemeindeaufbauarbeit in der Türkei und den Schwierigkeiten, die die Geschwister in diesem überwiegend muslimischen Land immer wieder vor neue Herausforderungen stellen. Ermutigend waren Berichte von Treffen mit staatlichen und muslimischen Amtsträgern, zum Beispiel bei einem Frühstück für Geschäftsleute, welches eine der türkischen Gemeinden ausgerichtet hat.
Omid Homayouni ist innerhalb des Landesverbandes Nordwestdeutschland Referent für Integration. Er berichtete über die Arbeit der Deutsch-Persischen Gemeindeentwicklung und informierte uns über die Gründe, warum persische Christen den Iran verlassen. Omid erzählte von dem Heimweh, unter welchen viele von ihnen leiden. Besonders erwähnt hat er, dass die persischen Geschwister im Glauben wachsen wollen durch den gemeinsamen Gemeindebau mit Deutschen.

Grenna Kaiya aus Malawi, die seit August im Büro der EBM INTERNATIONAL in Elstal als Projektleiterin tätig ist, Ertan Cevik und Daniel Gonzales gaben im Abschlussplenum ihre persönlichen Eindrücke über deutsche Eigenarten humorvoll und hintergründig zum Besten gegeben. Dabei wurde deutlich: „Gemeinsam lachen ist die schönste Form der Partnerschaft“. ...