Neuigkeiten vom Bund - Allgemeines

Schwere Unwetterschäden im Pilgerheim Weltersbach

Schwere Unwetterschäden im Pilgerheim Weltersbach

Mehrere Gebäude des Pilgerheims Weltersbach, das zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) gehört, wurden am Sonntag durch Überschwemmungen nach einem unwetterartigen Starkregen beschädigt.

Der Geschäftsführer des Diakoniewerks, Joachim Noß, berichtete: „So etwas habe ich noch nie erlebt. Unvorstellbare Wassermassen sind in der Nacht auf Sonntag durch das Tal gelaufen. Schwer beschädigt wurden die Kirche, die Gemeinschaftshalle und das Begegnungszentrum sowie ein Teil des liebevoll und in Eigenarbeit angelegten Bibelgartens. Auch vier der sechs Altenheime sind betroffen.“ Einige Bewohnerinnen und Bewohner sowie „die bei uns untergekommenen Flüchtlinge“ habe man evakuieren müssen, so Noß, der dennoch erleichtert ist: „Wir danken Gott, dass niemand ernsthaft zu Schaden gekommen ist.“
BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba machte sich am Mittwoch vor Ort ein Bild der Lage. Dabei erlebte er, wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Bewohnerinnen und Bewohner unter der Leitung von Joachim Noß und Gemeindepastor Christoph Becker mit Menschen aus dem Ort Hand in Hand zusammenarbeiten, um Schmutz und Dreck zu beseitigen: „Der Zusammenhalt ist stark und, wenn man dem Ganzen eine positive Seite abgewinnen will, ein Segen inmitten dieses Unglücks.“
Die Schäden beschrieb Stiba als „dramatisch“. Im Wesentlichen würden die Sanierungskosten zwar sehr wahrscheinlich von der Versicherung übernommen. Dennoch gebe es neben der psychischen Verarbeitung des Geschehens auch einige wirtschaftliche Herausforderungen, so der Generalsekretär. So müsse beispielsweise für einige Wochen ein Zelt für die Gottesdienste und andere Veranstaltungen angemietet werden. „Für diese Kosten kommt keine Versicherung auf. Inwieweit der Bund die Gemeinde und das Diakoniewerk unterstützen kann, werden wir in den nächsten Tagen klären. Auf jeden Fall lade ich die Bundesgemeinschaft herzlich dazu ein, für unsere Geschwister in Weltersbach und für alle Menschen zu beten, die von den Unwettern betroffen sind.“...

Freikirchen und Judentum

Freikirchen und Judentum

„Das Verhältnis der Freikirchen zum Judentum“ war das Thema der Jahrestagung des Vereins für Freikirchenforschung (VFF) am 26. und 27. Mai im Internationalen Tagungszentrum „Karimu“ in Burbach-Holzhausen im südlichen Siegerland an der westfälisch-hessischen Landesgrenze.
Der 70. Jahrestag der Gründung des Staates Israel sei bei den Freikirchen in Deutschland bisher kein Anlass gewesen, sich damit eingehender zu befassen, stellte Dr. Christoph Raedel, 1. Vorsitzender des VFF und Professor für Systematische Theologie an der Freien Theologischen Hochschule Gießen, bei der Tagungseröffnung fest. Anders wäre es dagegen beim Thema Freikirchen und Judentum. Hierzu gingen die Meinungen auseinander, ob die Erwählung des Volkes Israel durch Gott von Dauer sei oder durch Jesu Tod am Kreuz sein Ende fand, sodass die christliche Kirche an die Stelle Israels trat. Dabei gehe es auch um die Frage, ob sich die Juden als Einzelne oder sogar als Nation zu Jesus bekehren müssten, um in die Kirche integriert zu werden.

Baptisten und Juden

Dr. Dirk Sager, Professor für Altes Testament an der Theologischen Hochschule des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) in Elstal bei Potsdam, befasste sich mit dem christlich-jüdischen Dialog in evangelisch-freikirchlicher Perspektive. Dazu stellte er eine Handreichung vor, die am 7. Mai 1997 vom BEFG-Bundesrat in Hamburg beschlossen wurde und den baptistischen Gemeinden als theologische Arbeitshilfe dienen soll. Darin wird festgestellt: „Eine ‚Verwerfung‘ oder ‚Verstoßung‘ Israels hat nicht stattgefunden.“ Es wird präzisiert: „Gott hat seinen Bund mit Israel nicht gekündigt, sondern durch Verheißung erneuert und in Christus bestätigt.“ Die Handreichung befasst sich weiter mit den Abschnitten „Juden und Christen – was uns verbindet“, „Grenzen des Dialogs“, „Die Lehren aus der Geschichte“ sowie „Konkretionen zum Dialog zwischen Juden und Christen“.

Evangelikale Bewegung und Judentum

Dr. Gerhard Gronauer, evangelisch-lutherischer Pfarrer in Dinkelsbühl und Lehrbeauftragter für Kirchengeschichte an der CVJM-Hochschule Kassel, hielt ein Referat über das Verhältnis der deutschen evangelikalen Bewegung nach 1945 zum Judentum. Schon vor der NS-Zeit habe es in freien Werken der Gemeinschaftsbewegung sowie in Freikirchen antisemitische Tendenzen gegeben. Davon sei auch nach dem 2. Weltkrieg noch bei Erich Sauer etwas zu spüren gewesen. Er habe sich darüber gewundert, dass Gott im Alten Testament gerade Israel, eine angeblich minderwertigere Rasse, erwählte. Per Faye-Hansen sah dagegen in der Gründung des Staates Israel ein Wirken Gottes. Erich Schnepel erwartete die Bekehrung aller Juden in Israel zu Jesus. Das glaubte Heinrich Wiesemann nicht. Er war davon überzeugt, dass die Juden von Gott verworfen seien. Der Sechstagekrieg 1967 mit der Eroberung Ostjerusalems und des Westjordanlandes durch das israelische Militär habe unter den Evangelikalen eine „Israel-Euphorie“ hervorgerufen. Sie sahen in dem Ereignis die Erfüllung biblischer Prophezeiungen und spekulierten über das Ende der Welt sowie die Wiederkunft Jesu. In den 1980er Jahren hätte in der westdeutschen Bevölkerung eine Offenheit geherrscht, sich mit dem Holocaust zu befassen, sodass es inzwischen auch unter Evangelikalen eine Bereitschaft zum christlich-jüdischen Dialog gebe.
Messianische Juden
Dr. Hanna Rucks, evangelisch-lutherische Pastorin in Harpstedt/Landkreis Oldenburg, sprach über das Selbstverständnis und die kirchliche Selbstverortung der messianischen Juden. Bei ihnen handele es sich um Juden, die an Jesus als den Messias Israels glauben. In den USA würden 90 Prozent der Juden, die an Jesus glauben, sich selbst nicht als messianische Juden bezeichnen. In Deutschland wäre dies wohl ähnlich. Die messianisch-jüdischen Gemeinden könnten von ihrer Organisationsform, ihren Überzeugungen und theologischen Inhalten, ebenso wie von ihrer Geschichte, als „Freikirche“ gewertet werden. Doch sprächen drei Aspekte dagegen: Die Bedeutung des Staates Israel, die Distanz zum Kirchenbegriff und die Absage davon, eine „Denomination“ unter vielen anderen zu sein, so Rucks.
Privatdozentin Dr. Stephanie Pfister, Lehrbeauftragte an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, befasste sich ergänzend mit Konversion und Glaubensleben messianischer Juden in Deutschland. In der Bundesrepublik gebe es von ihnen 40 Gemeinden und Gruppen mit etwa 1.000 regelmäßigen Gottesdienstbesuchern. Davon wären knapp 600 tatsächlich messianische Juden, die zu 95 Prozent aus der ehemaligen Sowjetunion stammten. Die Gemeinden zeichneten sich durch jüdische Elemente im Gottesdienst aus.
Altlutherisches Zeugnis unter den Juden
Dr. Volker Stolle, Mannheim, emeritierter Professor für Neues Testament der Lutherischen Theologischen Hochschule Oberursel, hielt den Vortrag „Das Zeugnis der altlutherischen Kirche unter den Juden“. In der altlutherischen Kirche schlossen sich jene lutherischen Gemeinden in Preußen zu einer vom Landesherrn unabhängigen Kirche zusammen, welche die 1817 erfolgte Union zwischen lutherischen und reformierten Gemeinden nicht akzeptierten. Erst 1841 wurden die Altlutheraner staatlich geduldet. 1972 schloss sich die altlutherische Kirche in der Bundesrepublik und 1991 auch in Ostdeutschland der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) an.
Für die Altlutheraner sei laut Stolle die Einstellung Martin Luthers zu den Juden entscheidend gewesen. Der Reformator habe die Ansicht vertreten, dass nach Jesu Tod und Auferstehung zu Pfingsten die Zeit der apostolischen Kirche ohne Bindung an ein bestimmtes Volk als das geistliche Reich Christi begann. Damit sah Luther einerseits alle jüdischen Erwartungen aufgehoben oder erfüllt und andererseits auch diejenigen Heilszusagen eingelöst, die Gott den Völkern außerhalb Israels gemacht hatte. Keineswegs seien für Luther die Juden damit aus der Kirche hinausgedrängt. Vielmehr könne nach seiner Überzeugung ihr eigentlicher, ihnen von Gott bestimmter Platz nur innerhalb der christlichen Kirche sein. Deshalb hatten die Altlutheraner bei ihrer Mission nicht nur die heidnischen Völker im Blick, sondern auch die Juden. Dies war umso selbstverständlicher, als in Preußen eine Reihe der Pastoren der Evangelisch-Lutherischen Kirche vorher in der „Judenmission“ tätig gewesen sei.

Marienschwesternschaft und Israel

Einen Einblick in die Wandlung der Israel-Theologie der Evangelischen Marienschwesternschaft in Darmstadt gab der Pfarrer und Wissenschaftliche Referent am Konfessionskundlichen Institut des Evangelischen Bundes Bensheim, Dr. Dirk Spornhauer. Die Mitbegründerin der Schwesternschaft, Klara (Basilea) Schlink, habe eine besondere Heiligungstheologie entwickelt. Zu ihr gehörte die Vorstellung, dass Gott ganz bewusst negative Erfahrungen („Prüfungen“) den Christen schicke, damit diese lernten, in ihr böses Herz hineinzuschauen und zu erkennen, dass sie Erlösung nötig haben. Sünde verunehre Gott, deshalb müsse dafür Buße getan werden. Schlink habe das Volk und den Staat Israel gleichgesetzt. Da die Deutschen eine kollektive Schuld an den Juden begangen hätten, müssten sie jetzt dem Volk Israel mit tätiger Liebe begegnen. Später rief sie dazu auf, dass kleine Gruppen innerhalb der Christen und Juden hierbei den Anfang machen müssten, um dem drohenden Gericht Gottes zu entgehen. Ab 1967 ging es ihr um den einzelnen Menschen in seiner Beziehung zu dem Messias. Da Gott über die Sünde Schmerzen empfinde, gelte es ihn zu trösten und eine „Klagetrösterschar“ zu bilden.
Heute bemühten sich die Marienschwestern, so Spornhauer, einige Besonderheiten im Leben und der Lehre der Gemeinschaft zu relativieren oder abzulegen, die auf theologische Prägungen der Gründerinnen zurückzuführen seien. Diese hätten teilweise zu einer jahrzehntelangen Isolation der Schwesternschaft in weiten Teilen der evangelischen Welt geführt.
Siebenten-Tags-Adventisten und Juden
Auf den ersten Blick gebe es einige Gemeinsamkeiten zwischen Adventisten und Juden, die auf eine besondere Beziehung schließen ließen, stellte Dr. Johannes Hartlapp, Dozent für Kirchengeschichte an der adventistischen Theologischen Hochschule Friedensau bei Magdeburg, in seinem Vortrag „Verwandt – ähnlich – ungleich? Die Adventisten und ihre jüdischen Geschwister“ fest. Adventisten feiern den Sabbat von Freitagabend bis Samstagabend und sie lehnen unter anderem den Genuss von Schweinefleisch ab. Doch der Eindruck täusche. Die Feier des Sabbats hätten die Adventisten von den im 17. Jahrhundert in England entstandenen Siebenten-Tags-Baptisten übernommen. Zwar würden Adventisten die Ernährungsvorschriften in 3. Mose 11 beachten, doch dies sei mehr unter dem Einfluss der „Temperance Bewegung“ in den USA im 19. Jahrhundert geschehen, bei der es um eine gesunde Lebensweise ging. Heute gebe es viele Adventisten, die vegetarisch lebten und kein Fleisch äßen. Die altkirchliche Ansicht, dass Israel durch Jesu Tod nicht mehr Gottes Volk, sondern durch die christliche Gemeinde, bestehend aus Juden und Heiden, abgelöst worden sei, werde auch von Adventisten vertreten.
Als es auch in Deutschland Adventisten gab, hätten sie sich um eine sabbatfreie Arbeitsstelle bemüht und gern bei Juden gearbeitet. Wenn möglich hätten Adventisten ihre Kinder auch auf jüdische Schulen geschickt, weil dort der Samstag unterrichtsfrei war. Die Zahl der Adventisten jüdischer Herkunft sei aber auch in der NS-Zeit gering gewesen. Da im „Dritten Reich“ Adventisten unterstellt worden sei, „Neujuden“ zu sein, wären sie auf Distanz zum Judentum gegangen. Sie behaupteten, der Sabbat wäre kein jüdischer, sondern ein christlicher Feiertag und bezeichneten den Sabbat nur noch als „Ruhetag“. Einerseits hätten einzelne Adventisten damals Juden versteckt und ihnen das Leben gerettet, andererseits sei es in adventistischen Gemeinden zum Ausschluss von jüdischen Mitgliedern gekommen. 2005 äußerten die adventistischen Freikirchenleitungen in Deutschland und Österreich in einem gemeinsamen Schuldbekenntnis: „Wir beklagen zutiefst …, dass auch viele Siebenten-Tags-Adventisten an der Not und dem Leid ihrer jüdischen Mitbürger keinen Anteil nahmen… [und] dass Mitbürger jüdischer Herkunft von uns ausgegrenzt und ausgeschlossen, sich selbst überlassen und so der Gefangenschaft, Vertreibung oder dem Tod ausgeliefert wurden.“
Seit einigen Jahren bemühten sich in den USA adventistische Theologen jüdischer Herkunft die Distanz zwischen Adventisten und Juden zu überwinden. 2006 gründete die Generalkonferenz (Weltkirchenleitung) der Siebenten-Tags-Adventisten ein „Jüdisch-Adventistisches Freundschaftszentrum“ in Jerusalem (heute in Paris), um das weltweite Judentum näher kennenzulernen. Auch in der Theologischen Hochschule Friedensau sei es laut Hartlapp zu Begegnungen mit jüdischen Landesrabbinern und auch mit messianischen Juden gekommen.

Verein für Freikirchenforschung

Die VFF-Jahrestagung schloss mit dem Beitrag von Dr. Andreas Liese, Bielefeld, „‘Zum Fluch für die Nationen gesetzt‘? Die Geschlossenen Brüder und ihr Verhältnis zum jüdischen Volk“. Die in Burbach-Holzhausen gehaltenen Referate werden im Jahrbuch des Vereins für Freikirchenforschung dokumentiert, das 2019 erscheinen soll. Der VFF wurde 1990 gegründet und hat gegenwärtig 175 Mitglieder.
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„I have a dream“ – 50 Jahre nach Kings Tod

„I have a dream“ – 50 Jahre nach Kings Tod

Der amerikanische Baptisten-Pastor Martin Luther King hat die Welt verändert. Vor 50 Jahren wurde er ermordet. Andreas Malessa hat ein Musical über den gläubigen Bürgerrechtler geschrieben. Im Interview mit dem Christlichen Medienmagazin pro verrät der Autor, was die Menschen heute noch von Martin Luther King lernen können, warum der Baptismus weltweit gespalten ist und warum es wichtig ist, sich in Zeiten von Pegida und AfD mit dem US-Bürgerrechtler zu beschäftigen. Die Fragen stellte Norbert Schäfer.
pro: Warum ist die Beschäftigung mit Martin Luther King im 21. Jahrhundert immer noch wichtig?
Andreas Malessa: Erstens: Weil in unseren wirtschaftlichen Verteilungskämpfen und Abstiegsängsten manche Bürger ihre Regierungen bitten, sie mögen doch die Bevölkerung wieder nach Rasse, Religion, Herkunft, Bildungstand oder Leistungsfähigkeit sortieren und die einen bevorzugen und die anderen benachteiligen. Da hat bereits vor 60 Jahren Martin Luther King in den noch von der Apartheid geprägten USA gesagt: Das geht aus theologischen Gründen nicht. Ob Schwarze, Latinos, Frauen oder Wenigbegabte - alle sind ebenbildliche Geschöpfe Gottes und deswegen mit Menschenwürde und Menschenrechten ausgestattet. Dies gilt es auch heute - vom Evangelium her - in Sozialpolitik umzumünzen und konkret werden zu lassen. Wir haben inzwischen ja auch bei uns Politiker, die völlig berechtigte Ängste und Sorgen in Hass gegen andere transformieren und mit Hinweis auf ordnungspolitische Notwendigkeiten einen „verstehbaren“ oder „verzeihlichen“ Rassismus fördern.
Und zweitens?
Zweitens: Weil sein Traum – „I have a dream“ – gar nicht „sein“ Traum war, sondern Gottes Traum ist vom „Shalom“, vom Friedensreich. Am 28.8.63 in Washington zitierte King lauter biblische Bilder aus Jeremia, Jesaja, Amos und Micha. So ein Traum ist keine Illusion, sondern eine Utopie. Und Utopien sind Ideen, die es wert sind, verfolgt zu werden, auch wenn sie momentan noch keine physische Wirklichkeit sind: Die Utopie des 17. Jahrhunderts war Friede zwischen Katholiken und Protestanten. Die Utopie des 18. Jahrhunderts war die Abschaffung des monarchischen Feudalismus zugunsten rechtlicher Gleichheit aller Bürger. Die Utopie des 19. Jahrhunderts war die Abschaffung der Sklaverei. Die Utopie des 20. Jahrhunderts war Friede zwischen den Völkern Europas. Alle diese „Träume“ sind langfristig Wirklichkeit geworden. Deswegen halte ich die Beschäftigung mit dem „Traum“ eines Bürgerrechtskämpfers, Friedensnobelpreisträgers und Pastors wie Martin Luther King für hochaktuell.
Was können wir von Martin Luther King lernen, wenn es um die Überwindung von Rassismus oder Diskriminierung geht?
Gewaltlosigkeit. King hat nicht nur Unrecht benannt, sich empört und Wind gemacht, sondern er hat bereits im Dezember 1955 etwas getan, worüber wie heute wieder neu nachdenken: Ob wir nicht als Kunden einen Boykott veranstalten, der die Industrie und die Wirtschaftspolitik zwingt, humanere und gerechtere Arbeitsverhältnisse zu schaffen und Umweltstandards einzuhalten: King bat seine Gemeinde und alle Afroamerikaner in Montgomery (Alabama), nicht mit den öffentlichen Bussen zu fahren, solange die noch nach Rassen getrennt waren. Vorne konnten Weiße sitzen, hinten im Bus mussten Schwarze dicht gedrängt stehen. Vorne wurde das Ticket gelöst, dann musste der Fahrgast außen herum nach hinten und dort wieder einsteigen. Bei Regenwetter machten sich die Busfahrer einen Spaß daraus, die Türen nicht zu öffnen, sondern los zu brausen. Das junge Ehepaar King wohnte in Sichtweite einer Bushaltestelle und sah sowas täglich. Da hat sich der damals 26-jährige Pastor gesagt: Dann fahren wir halt nicht mehr Bus. Mal sehen, wie lange das die städtischen Verkehrsbetriebe aushalten. Nach 381 Tagen des Boykottes wurde die Trennung nach Rassen in den Bussen und den öffentlichen Gebäuden abgeschafft. Das war der Anfang vom Ende der Apartheid in den USA. Das hat King strikt gewaltlos durchgeführt.

Nach welcher Maxime hat King damals gehandelt?

Er hat sich selbst und seine Mitstreiter auf fünf Punkte verpflichtet: Erstens, jeden Tag über die Lehre und das Leben Jesu nachzudenken, zweitens, nie zu vergessen, dass wir Gerechtigkeit und Versöhnung wollen, nicht den Sieg. Drittens, im Geist der Liebe zu gehen, denn Gott ist Liebe, viertens, täglich darum zu beten, dass Gott dich benutzen möge um anderen zur Freiheit zu helfen und fünftens, auf Gewalt der Faust, der Zunge und des Herzens zu verzichten.
Am 5. Mai 1963 knieten die Demonstranten nieder und verharrten im stillen Gebet, sodass die Polizisten sich weigerten, mit Wasserwerfern gegen sie vorzugehen. Diese Befehlsverweigerung der Polizisten, der Ungehorsam in Uniform, gilt als das Wunder von Birmingham. Wenn ich lese, dass King auf die Gewalt der Zunge und des Herzens verzichtet hat und mir dann im Internet die Shitstorms ansehe, die – leider auch auf christlichen Portalen – gegen Andersglaubende und Andersdenkende abgefeuert werden, dann ist das sehr aktuell.

Was bedeutet Martin Luther King für den weltweiten Baptismus?

King hatte die vitale Herzensfrömmigkeit afroamerikanischer Freikirchler, die sich nun aber nicht in die fromme Beschaulichkeit der eigenen Gemeinde zurückziehen. Sehr empathische, mancherorts charismatische, Gottesdienste bei gleichzeitig hohem Sozialengagement wird von der Mehrheit der Baptisten praktiziert. Der Baptismus in den USA ist kirchenpolitisch leider gespalten in drei oder vier eher „nördliche“ Kirchenbünde und einen „südlichen“ Baptistenbund, der im Bürgerkrieg 1863 für die Beibehaltung der Sklaverei war und dies natürlich biblisch begründete.
Das ist lange her. Ist das nicht überwunden?
Diese Spaltung ist meines Erachtens nicht wirklich überwunden, sondern hat sich während der zwei Legislaturperioden von George W.Bush und erst recht durch die tragikomischen Ungeheuerlichkeiten von Donald Trump vertieft. Als sich zum Beispiel die „Baptist World Alliance“ 2003 mit überwältigender Mehrheit gegen den Irakkrieg aussprach, traten die südlichen Baptisten aus dem Weltbund aus. Baptistische Theologie hat sich immer bewegt zwischen zum Beispiel Jimmy Carter und Martin Luther King auf der einen Seite - einer alltagsrelevanten, für die Humanisierung der Gesellschaft engagierten Frömmigkeit - und zum Beispiel Franklin Graham auf der anderen Seite, einer ebenfalls hochengagierten, aber politisch ultrareaktionären Haltung. Er ist zwar Vorsitzender der Hilfsorganisation „Samaritans Purse“, unterstützt aber bis heute jenen Donald Trump, der die Empfänger solcher Hilfe „Scheißhaus-Länder“ nannte. Schade für das Erbe seines kürzlich verstorbenen, hochangesehenen Vaters Billy Graham.

In der Galerie der Märtyrer in Westminister Abbey steht Martin Luther King in einer Reihe mit Dietrich Bonhoeffer. Wie bewerten Sie das?

King gehört ganz sicher in die Liste christlicher Märtyrer, schon wegen seines gewaltsamen Todes am 4. April 1968. Auch hier wieder aktuelle Parallelen; Zu Kings Zeiten fuhr der Ku Klux Klan einfach langsam durch die Schwarzenviertel der Städte, um die Bewohner einzuschüchtern und ihnen zu drohen. Seit Januar 2015 „spazierten“ rund 150 Bürger in Tröglitz neun Sonntage lang um das Haus ihres Pfarrers und ehrenamtlichen Bürgermeisters Markus Nierth herum, weil der sich für Flüchtlinge engagiert hatte. Organisiert hatte das die NPD. Markus Nierth warf hin, aus verständlicher Angst. Die Nicht-Strafbarkeit solcher Drohmärsche ist für Pegida und AfD bis heute eine wichtige Entdeckung geworden. Da war King bereit, lieber an der Seite der Bedrohten zu sein. Er wurde zwanzig mal verhaftet, 13 mal gab es Anschläge auf sein Leben bis hin zum Bombenanschlag auf die Baptistengemeinde in Birmingham, bei dem vier Kinder ums Leben kamen. King war kein Heiliger und sollte auch nicht als solcher vergoldet werden. Aber King ist ein protestantischer Märtyrer des 20. Jahrhunderts und verdient jedes ehrende Gedenken.
Vielen Dank für das Gespräch!
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Neue BEFG-Datenschutzordnung verabschiedet

Neue BEFG-Datenschutzordnung verabschiedet

Angesichts des bevorstehenden Inkrafttretens der Datenschutz-Grundverordnung der EU (DS-GVO) stand das Thema Datenschutz auch bei der Bundesratstagung vom 9. bis 12. Mai auf der Tagesordnung. Die Delegierten verabschiedeten eine neue Datenschutzordnung (DSO), die für alle Gemeinden des BEFG anstelle der DS-GVO gilt, mit dieser jedoch in Einklang steht. In einem Bundesratsforum war es zuvor darum gegangen, was Gemeinden nun verstärkt zu beachten haben. Ein wichtiger Punkt: Ab sofort sollte die neue Muster-Datenschutzerklärung für alle Internetseiten von Gemeinden verwendet werden.
Im dem Forum betonte BEFG-Datenschutzbeauftragter Prof. Dr. Rainer Rumpel, Datenschutz sei kein Selbstzweck, und eigentlich sei der Begriff auch missverständlich. Denn es gehe im Kern nicht um den Schutz von Daten, sondern um den Schutz von Menschen vor missbräuchlicher Verwendung ihrer Daten. Unter dem Vorzeichen der gottgegebenen Würde jedes Menschen sollten gerade Christen dies unterstützen und einen Beitrag zum Schutz persönlicher Daten und damit der Persönlichkeitsrechte leisten. Rumpel stellt heraus, es sei nicht nur eine Last, sondern vor allem ein Privileg, dass der BEFG als Körperschaft des öffentlichen Rechts seine Angelegenheiten – innerhalb der geltenden Gesetze – selbstständig ordnen und verwalten kann. Insofern sei die DSO auf den Gemeindebund optimal zugeschnitten. Die im Anschluss an das Forum im Bundesratsplenum verabschiedete DSO gilt ab dem 24. Mai 2018. Hier steht sie zum Download bereit.
Im Forum ging Rainer Rumpel anhand einer Präsentation auch der Frage nach, was die neue DSO nun für die Gemeinden bedeutet. Die Präsentation steht hier zum Download bereit und kann Gemeinden als Arbeitshilfe dienen. Ein wichtiger Punkt sei, so Rumpel, dass Gemeinden in bestimmten Fällen eine Datenschutz-Folgenabschätzung treffen müssten. Es gelte, das Risiko zu erkennen und zu bewerten, das durch die personenbezogene Datenverarbeitung entstehe. Dabei gehe es konkret um das Risiko, dass das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung durch die Datenverarbeitung beeinträchtigt wird. Anhand eines typischen Beispiels aus der Gemeindearbeit konkretisierte Rumpel, wie eine Folgenabschätzung durchgeführt werden kann. So stellte er die einzelnen Punkte vor, die Gemeinden bedenken müssen, wenn sie mit einem Mitgliederverzeichnis arbeiten. Rumpel ging auch auf das sogenannte „Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten“ ein, in dem alle Aktivitäten detailliert beschrieben werden, bei denen mit Personendaten gearbeitet wird. Diese Zusammenstellung sei formal zwar erst in vollem Umfang erforderlich, wenn eine Stelle des Bundes mindestens 50 Beschäftigte hat. „Allerdings ist das Verzeichnis eine wichtige Hilfe bei Datenschutz-Folgenabschätzungen und sollte deshalb im vollen Umfang aufgestellt werden“, so Rumpel. Zwingend erforderlich sei das Verzeichnis, wenn eine Gemeinde besonders schützenswerte Daten (Beispiel: Gesundheitsdaten) verarbeitet, die Verarbeitung nicht nur gelegentlich erfolgt oder wenn eine Videoüberwachung erfolgt.
Auch die technische Seite stellt ein wichtiges Handlungsfeld des Datenschutzes dar, wie im Forum deutlich wurde. Die Festplatten von Rechnern, mit denen personenbezogene Daten verarbeitet werden, müssen in der Regel verschlüsselt werden – ebenso alle anderen verwendeten Datenspeicher wie USB-Sticks oder Speicherkarten. Zudem werden auch auf Internetseiten oft personenbezogene Daten verarbeitet, und Gemeinden haben dafür Sorge zu tragen, dass die technischen Sicherungsmaßnahmen den Anforderungen des Datenschutzes genügen, insbesondere dem Stand der Technik entsprechen. Zudem wird allen Gemeinden geraten, die Muster-Datenschutzerklärung auf ihre Gemeinde anzupassen und spätestens ab dem 24. Mai auf der Startseite unter dem Stichwort „Datenschutz und Nutzungsbedingungen“ zu verlinken. Die Muster-Datenschutzerklärung im rtf-Format steht hier und auf der Internetseite zum Datenschutz bereit.
Der BEFG wird in nächster Zeit weitere Informationen zum Thema Datenschutz herausgeben, schwerpunktmäßig im wöchentlichen Newsletter BUND kompakt. Die BEFG-Gemeinden werden gebeten, auf diese Veröffentlichungen zu achten....

„Genau so etwas brauchen wir“

„Genau so etwas brauchen wir“

Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Hoffnungskirche in Bremen-Walle hat ihr Elly-Krimmer-Haus eingeweiht. In dem 3,4 Millionen Euro teuren, fünfstöckigen Neubau auf dem Gelände der Gemeinde ist die Kindertagesstätte „Schatztruhe“ untergebracht, in der 40 Kinder in drei Gruppen betreut werden. Zudem gehört zu dem Bau auch das Nachbarschaftsprojekt „Hoki 58“ und ein gemeinschaftliches (inklusives) Wohnprojekt mit 16 Wohnungen. Fünf Wohnungen wurden von der Lebenshilfe Bremen dauerhaft angemietet. Ein Durchgang führt auf die Rückseite des Gebäudes und in den großen, grünen Innenhof. Zentrum des Hauses ist ein großer Gemeinschaftsraum mit Gartenzugang.
Das Haus ist nach der gebürtigen Jüdin Elly Krimmer benannt, die 1921 in Erfurt Christin geworden und dort in der Baptistengemeinde getauft worden war. 1931 schloss sie sich der Bremer Hoffnungskirche an. Sie arbeitete als Hausdame und Schneiderin. 1941 wurde die 56-Jährige von den Nazis in das Ghetto Minsk deportiert. Dort verliert sich ihre Spur. Nach Kriegsende wurde sie für tot erklärt.
Der frühere Pastor der Gemeinde, Ralph Zintarra (Springe), erinnerte in seiner Festpredigt an die Namensgeberin des Hauses. Zudem ermutigte er die Gemeinde, weiterhin der Stadt Bestes zu suchen, wie sie es mit dem Neubau bereits getan habe. Die Ortsamtsleiterin Ulrike Pala lobte in ihrer Festrede den zeitlos-klassischen Bau, der äußerlich die Umgebung aufwerte. „Genau so etwas brauchen wir mitten in Walle“, sagte sie.
Wie Gemeindereferent Simon Görler sagte, sind bis auf zwei bereits alle Wohnungen vermietet. Besonders freut er sich, dass auch der Bauleiter der Firma, die das Haus gebaut hat, in eine der größeren Wohnungen eingezogen ist: „Das zeugt von guter Qualität.“ Görler schätzt, dass über 400 Interessenten beim Einweihungsfest vorbeigeschaut haben. Eines der ältesten Gemeindemitglieder, Renate Worreschk (88), durfte das rote Band durchschneiden und damit den Neubau offiziell eröffnen. Diese Ehre hatte sie sich, so Görler, regelrecht verdient. Als es darum ging, das Gelände aufzuräumen und für das Fest „fein“ zu machen, sei sie die erste Freiwillige gewesen, die sich gemeldet habe.
Matthias Frost, der Vorstandsvorsitzender des Evangelisch-Freikirchlichen Diakoniewerks Tabea in Hamburg, war ebenfalls zugegen. In der Planungsphase hatte die Gemeinde überlegt, einen Partner mit an Bord zu nehmen. Frost hat nach Görlers Worten dabei geholfen, ein geschärftes diakonisches Profil zu entwickeln und schließlich die Gemeinde ermutigt, das Projekt auch ohne Partner zu betreiben. Die Hoffnungskirche hat 113 Mitglieder....

Haushaltsabschluss: „Gutes Jahr, hart erarbeitet!“

Haushaltsabschluss: „Gutes Jahr, hart erarbeitet!“

„Es war ein gutes Jahr, dessen Haushaltsergebnis hart erarbeitet werden musste.“ Dieses Fazit zog Volker Springer, kaufmännischer Geschäftsführer des BEFG, bei der Vorstellung des Haushalts 2017. Mit einem Überschuss von 36.600 Euro konnte der Haushalt abgeschlossen werden. Das liege an der hohen Kostendisziplin, die alle Dienstbereiche und Arbeitsgebiete im letzten Jahr gezeigt hätten. Auch seien gezielt Gelder eingespart worden: „In nahezu allen Ausgabepositionen blieben wir unter den Haushaltsansätzen“, sagte Springer. Ein besonderes „Dankeschön“ gelte den Gemeinden, die den jährlichen Mitgliedsbeitrag, den Bundesbeitrag, in voller Höhe bezahlt und darüber hinaus noch weitere Spenden, das Bundesopfer, für die Arbeit des Bundes gegeben hätten. „Bitte bleibt dran und lasst nicht nach“, bat Volker Springer die Gemeinden, denn Bundesbeitrag und Bundesopfer seien die Grundlage für solides Arbeiten: „Wir brauchen hier dringend ein stabiles Fundament, um die vielfältigen missionarischen und diakonischen Projekte, die wir bundes- und weltweit haben, unterstützten und begleiten zu können.“
Besonders erfreut zeigte sich der kaufmännische Geschäftsführer über viele Spenden für die Schuldentilgung des Bundes. Auf Anregung einiger Abgeordneter des Bundesrates im vergangenen Jahr war ein Zukunftsfonds Schuldentilgung eingerichtet worden. Die Idee dahinter: 10.000 Mitglieder spenden einmalig 1.000 Euro. Innerhalb kurzer Zeit seien dort so viele Spenden eingegangen, „dass wir jetzt zusammen mit unseren Regeltilgungen rund 400.000 Euro von den elf Millionen Euro Schulden tilgen konnten“, freute sich Springer.
Der Haushaltplan 2018 wurde mit nur zwei Enthaltungen vom Bundesrat angenommen. In diesem Zusammenhang appellierte der Vorsitzende des Finanzausschusses Martin Grapentin noch einmal eindringlich an die Gemeinden, das Bundesopfer fest als Spende in ihren Haushalt einzuplanen: „Spendet uns keinen Trost, sondern tröstet uns mit einer Spende“, sagte er.
Der Bundesbeitrag pro Mitglied und Jahr wurde von den Abgeordneten für das Jahr 2019 um 2,50 Euro auf 65,50 Euro für die neuen Bundesländer bzw. um 1,50 Euro auf 67,50 Euro für die alten Bundesländer erhöht. Die für das Jahr 2018 festgelegte Zweckbindung von einem Euro für den Schuldenabbau entfällt ab dem Jahr 2019. Dafür solle, so lautet der Beschluss, „für die Dauer von fünf Jahren jeweils 1,50 Euro für die anteilige Übernahme der für die Stabilisierung der RGO erforderlichen Sanierungsbeiträge zweckbestimmt“ sein. Dies war notwendig geworden, weil die BEFG-eigene Versorgungskasse (Ruhegeldordnung, RGO) neu aufgestellt werden muss: „Wie andere Versorgungswerke auch sind wir betroffen vom demographischen Wandel, der ein verschlechtertes Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern verursacht“, erklärte Volker Springer, hinzu käme die negative Zinsentwicklung, sodass umfangreiche Stabilisierungsmaßnahmen erforderlich seien. Das Ziel müsse nun sein, die „Leistungsfähigkeit der RGO für die kommenden Jahrzehnte abzusichern.“ Über Diskussion und Beschlüsse zu dieser Thematik wird im BEFG-Newsletter BUND kompakt am 24. Mai etwas ausführlicher berichtet.  ...