Neuigkeiten vom Bund - Allgemeines

Rückblick auf Haiti-Kooperation

Rückblick auf Haiti-Kooperation

Mehr als 900.000 Euro haben Gemeinden und Einzelpersonen aus dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden nach dem verheerenden Erdbeben vom 12. Januar 2010 für die Menschen in Haiti gespendet. Neben der Unterstützung von Not- und Soforthilfemaßnahmen ist der BEFG eine Partnerschaft mit dem haitianischen Baptistenbund eingegangen. Über einen Zeitraum von sechs Jahren wurden kontinuierlich basisnahe sozial-diakonische Projekte gefördert, um den Menschen zu helfen. Im Sommer 2017 endete diese Zusammenarbeit. Über die verschiedenen Projekte und Erfahrungen dieser Kooperation wurde jetzt eine Broschüre fertig gestellt und veröffentlicht.
Der 12. Januar 2010 hat sich tief in das Gedächtnis der Haitianer eingeprägt. Es gibt kaum jemanden, der nicht Freunde oder Familienangehörige in dieser Katastrophe verloren hat. Das Beben zerstörte die Hauptstadt Port-au-Prince im Süden, zu spüren war es aber im ganzen Land. Fast alle wichtigen Gebäude von Behörden und Ministerien wurden zerstört. Das Bild vom eingestürzten Präsidentenpalast ging um die Welt. Mehr als 300.000 Menschen starben unter den Trümmern, weitere rund 300.000 Menschen wurden verletzt, mehr als 1,5 Millionen haben ihre Häuser verloren und wurden obdachlos. Es wird geschätzt, dass rund drei Millionen Menschen, ein Drittel der haitianischen Bevölkerung, von dem Erdbeben betroffen waren. Die Solidarität und Hilfsbereitschaft der Haitianer untereinander, aber auch der weltweiten Gemeinschaft waren überwältigend groß. Der BEFG erhielt Spenden in Höhe von mehr als 900.000 Euro. Auf dem Kongress des Baptistischen Weltbundes (BWA) 2010 entstanden Kontakte zu Vertretern des haitianischen Baptistenbundes Convention Baptiste d’Haïti (CBH) und es entwickelte sich die Idee einer Zusammenarbeit, die in den folgenden Monaten weiter Gestalt annahm. Während einer Sondierungsreise im Februar 2011 erkundeten Ekkehard Becker und Michael Kißkalt die Möglichkeiten für konkrete Projekte, wenige Monate später wurden die Verträge unterzeichnet und die auf sechs Jahre angelegte Kooperation begann. Es folgten weitere Reisen und gegenseitige Besuche, um die Arbeit zu begleiten, den Verlauf der Projekte auszuwerten sowie die Partnerschaft zu stärken. Zum Ende der Kooperation fand 2017 eine Auswertungsreise statt, auf der die haitianischen Partner ihre Dankbarkeit für das gegenseitige Vertrauen und die verlässliche kontinuierliche Unterstützung zum Ausdruck brachten. Auch auf deutscher Seite wird ein positives Fazit gezogen. „Wir blicken dankbar und auch ein bisschen stolz auf dieses umfangreiche Projekt zurück. Alle Beteiligten haben viel geleistet. So manches Mal waren wir auch herausgefordert, doch insgesamt freue ich mich darüber, wie viel Gutes und wie viel Segen für die Menschen in Haiti bewirkt werden konnten“ sagt Generalsekretär Christoph Stiba zum Ende der Kooperation. Dem schließt sich auch Joachim Gnep, Leiter des Dienstbereich Mission und Vorsitzender des Haiti Komitees an: „Das war eine spannende und lehrreiche Erfahrung, auf die ich gern zurückblicke.“
Für den wissenschaftlichen Austausch ohne weitere finanzielle Förderung bleibt die Zusammenarbeit zwischen der Theologischen Hochschule Elstal und der Université Chrétienne du Nord d’Haïti bestehen. Dafür wurde im September 2017 eigens ein neuer Kooperationsvertrag unterzeichnet.
Vor dem Hintergrund der Kompetenzen beider Partner und den zur Verfügung stehenden Mitteln wurde von Anfang an bewusst die Entscheidung getroffen, in die (Aus-) Bildung von Menschen und in sozial-diakonische Projekte zu investieren und weniger in bauliche und infrastrukturelle Maßnahmen. So konnten, dank der großzügigen Hilfe der vielen Spenderinnen und Spender Kinder regelmäßig zur Schule gehen und einen Abschluss machen. Gemeinden machen sich neu Gedanken über ihre Art des diakonischen Engagements für die Menschen in ihrer Umgebung und werden dafür von Daniel Louis unterstützt, der dafür an der Theologischen Hochschule Elstal ausgebildet wurde. Viele Kleinbauern bauen jetzt selbst ökologisch und nachhaltig Gemüse an, statt es teuer auf dem Markt zu kaufen. Das verbessert die Ernährungssituation und die Haushaltskassen vieler Familien. Frauen versorgen durch die Aufklärungsarbeit des Frauenwerks ihre Familien besser. Über diese und weitere Projekte wird in der nun fertig gestellten und veröffentlichten Broschüre berichtet. Neben vielen Fotos finden sich darin auch Lebensgeschichten von Menschen, die von den Projekten profitiert haben.

Die Broschüre steht als PDF-Datei zum Download zur Verfügung oder kann per E-Mail kostenlos bestellt werden....

Unternehmerisches Denken für Gemeindegründer

Unternehmerisches Denken für Gemeindegründer

Die Gründer:Zeit-Konferenz des Dienstbereichs Mission vom 18. bis 19. Januar in Leipzig stand in diesem Jahr unter dem Titel „Ecclesiopreneurship“. Diese Wortschöpfung aus Ecclesia (Kirche) und Entrepreneur (unternehmerischer Gründer) macht anschaulich, welche Haltungen einem Gemeindegründer helfen können, die komplexen Herausforderungen einer Gemeindegründung zielorientiert bewältigen zu können. Ein Bericht von Regionalreferent Christopher Rinke.
 
Der über Deutschland hinwegfegende Orkan „Friederike“ forderte zunächst mal den Organisatoren selbst ein wenig dieses unternehmerischen Denkens ab. Durch die bundesweiten Zugausfälle und gesperrten Straßen waren Referenten und Teilnehmende bis zu zwölf Stunden unterwegs, um nach Leipzig zu kommen. Fast alle konnten sich durchkämpfen und kamen an.
 
Sechs neue Gründungsprojekte
Einem guten Start stand also nichts mehr im Wege. Gleich zu Beginn betonte Klaus Schönberg in seinen Gedanken zu 1. Korinther 3,11 („Einen anderen Grund aber kann niemand legen, als den der gelegt ist: Jesus Christus“), dass auch ein unternehmerisches Gemeindegründen immer ein solides Fundament in Christus braucht. Fünf der insgesamt sechs neuen Gründungsprojekte konnten sich anschließend vorstellen. Dazu gehören: die EFG „Windflüchter“ Barth, die BETANIA-Gemeinde Nürnberg, die Internationale Baptistengemeinde Schenefeld, Amazing Grace Baptist Church Hamburg, die EFG „Heimatgeber“ Henningsdorf und last but not least das Projekt „Kirche für Aschaffenburg“.  
 
Zwei Gemeindebünde – ein Ziel
Von Lernerfahrungen aus der Gemeindegründungsarbeit im Bund Freier evangelischer Gemeinden (BFeG) und dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden erzählten dann der Leiter der FeG-Inlandsmission Sascha Rützenhoff und unser Referent für Gemeindegründung Klaus Schönberg. Sie machten Mut, den Wert der Gründungsarbeit langfristig zu betrachten und Rückschläge als Trainingsfeld für Widerstandskraft zu verstehen, weil sie zweifellos zu einem Gründungsvorhaben dazugehören. Entscheidend sei es, in Menschen zu investieren – sowohl im Blick auf die Zielgruppe wie auch auf die Teammitglieder.
 
Gründerstorys mit Erfolgen und Scheitern
Über ihre Erfolge und ihr Scheitern berichteten einige Firmen- und Gemeindegründer in den „Gründer-Stories“. Entscheidend sei es, in Niederlage und Triumph immer wieder weiterzugehen, dran zu bleiben und die gemachten guten wie schlechten Erfahrungen für die nächsten Schritte zu nutzen.
 
Gründerpreis
Den erstmalig vergebenen Gründerpreis „Ecclesiopreneur des Jahres“ gewann in einem Publikumsvoting die EFG Klinga. Die Mitgründer Torben Menzel und Katharina Dörr verstanden es offenbar, ähnlich wie in ihrer musikalischen Arbeit vor Ort, auch den Konferenzteilnehmenden den Herzschlag ihrer Arbeit zu vermitteln – mit Leidenschaft für die Sache Gottes.
Am Freitag referierte Cris Zimmermann über die von ihm gegründete „Kirche in Aktion“, die in missionaler Weise eine stark sozial engagierte Kirche mit ganz verschiedenen Handlungsfeldern sowie Standorten im Rhein-Main-Gebiet ist. Für ihn zeichnen sich Gründende vor allem durch Leidenschaft, Durchsetzungskraft, Geschwindigkeit und Intuition aus.
 
Volker Springer brachte als kaufmännischer Geschäftsführer des BEFG eine ganz andere Blickrichtung ein. Anhand einer Risikobetrachtung ermutigte er Gründerinnen und Gründer dazu, die Wirksamkeit ihrer faszinierenden Projekte nicht durch leicht vermeidbare Fehler oder Unkenntnis in Sachen Gemeinnützigkeit, Rechtsvertretung, Buchführung, Finanzplanung oder Versicherungen zu gefährden.
 
Zahlreiche Workshops zu Gründerthemen rundeten die Gründer:Zeit-Konferenz ab, die nach einem Segnungs- und Sendungsteil nahtlos in die AmPuls-Konferenz überging. ...

Die Rolle der Älteren in der Gemeinde

Die Rolle der Älteren in der Gemeinde

Der Impulstag des Forums „Älterwerden“ am 18. Februar war mit über 80 Teilnehmenden in der EFG Kassel-West außerordentlich gut besucht. Es ging um „Die Rolle der Älteren in der Gemeinde“.
„Eine Gleichung mit drei Unbekannten“, wie Friedrich Schneider als Moderator des Tages bemerkte. In einem Fachgespräch mit Jutta Teubert, der Leiterin des Forums, und Dagmar Lohan, der Referentin im Fachbereich Familie und Generationen des BEFG, wurde deutlich, dass Ältere sich heute nicht mehr in typische Rollenklischees zwängen lassen. „Das Alter ist bunt, die Rollen durch vielfältige Faktoren bestimmt“, so Jutta Teubert. Die unterschiedlichen Optionen und Lebenssituationen lassen sich auch für ein neues Miteinander der Generationen nutzen. „Traditionelle Seniorengruppen haben zwar immer noch ihre Berechtigung, aber daneben gibt es eine Fülle von Projekten, die unabhängig vom Lebensalter persönliche, aber auch diakonische Anliegen aufnehmen“, sagte Dagmar Lohan.
Am Nachmittag erläuterten Pastorin Heimke Hitzblech (Wetter-Grundschöttel) und die Pastoren Norbert Giebel (Kassel-Möncheberg) und Peter Krusemark (Siegen-Weststr.), wie sie die Rolle der Älteren in ihren Gemeinden wahrnehmen und begleiten. In allen drei Gemeinden gibt es neben dem „normalen“ Gottesdienst spezielle Angebote mit viel Lobpreis, die eher Jüngere ansprechen. „Sonst würden die einfach wo anders hingehen“, so Heimke Hitzblech. „Wir haben insgesamt unseren älteren Geschwistern in den letzten Jahren viel zugemutet“, sagte Norbert Giebel. Umso erfreulicher, dass viele Ältere andere Formen „ertragen“ und Mitarbeitende ermutigen, gerade wenn sie erleben, dass ihre Enkel dadurch Gemeinde für sich entdecken können.
Ein Kommentar eines 29-jährigen Teilnehmers:  „Der Impulstag in der Gemeinde Kassel-West war großartig. Es war spannend zu sehen, wie der Begriff ‚alt‘ unterschiedlich interpretiert wird und welche Herausforderungen und Veränderungen zukünftig der Seniorenarbeit bevorstehen. Mit Verwunderung habe ich die nahezu homogene Altersstruktur der (meist älteren) Teilnehmer wahrgenommen. Das Thema  ‚Rolle der Älteren‘ in der Gemeinde geht alle an. Die  ‚Alten‘ können mit ihrer Lebenserfahrung in der Rolle des Ermutigers und Mentors den Jungen hilfreich zur Seite stehen, in einer Welt, die vielfältige Entscheidungen erfordert. Diese große Ressource sollte jede Gemeinde nutzen!“...

„Ich werbe für das Warum!“

„Ich werbe für das Warum!“

„Hingehen, wo Gottes Herz schlägt“ war das Motto der AmPuls-Konferenz des Dienstbereichs Mission, die vom 19. bis 21. Januar in Leipzig stattfand. Ziel der Konferenz war es, die Vielfalt der Mission zu entdecken und zu feiern, das Herz Gottes zu spüren, am Puls der Zeit zu sein und Gemeinde neu zu denken. Hauptreferentin war die lutherische Pastorin Dr. Sandra Bils von Kirche² in Hannover.
Pastorin Sandra Bils sorgte mit ihrem Referat „Gemeinde neu denken“ und ebenso mit ihrer Bibelarbeit zu Apostelgeschichte 8 für hilfreiche Erkenntnisse und Mut machende Gedanken. Anhand einer Studie über die Kirche in England nahm sie die insgesamt 150 Hörer an die Hand, um sie Schritt für Schritt mit den Ergebnissen der Studie und den daraus resultierenden Konsequenzen für die Gestaltung eines missionarisch ausgerichteten Gemeindelebens vertraut zu machen.
Sandra Bils legte großen Wert darauf zu betonen, dass es anhand der Studienergebnisse und der daraus abgeleiteten Folgerungen nicht darum gehe, ein fertiges Konzept umzusetzen. Sie hob hervor, dass Kirche, wenn sie neu gedacht werden soll, immer im Zusammenhang mit den Menschen, kulturellen Ausprägungen und mit dem gesellschaftlichen Umfeld, in dem sie sich befindet, gedacht werden muss. Dabei dürfe es aber nicht darum gehen, dass Christen ein kontextuell angepasstes Programm für ihre Mitmenschen entwerfen. Sie sollen mit den Menschen zusammen ein Programm gestalten, welches dann zugleich für die Menschen ist. Es sei auch immer danach zu fragen, welche Bedeutung Gottes Wirken in der Welt hat. Wenn Gemeinden in ihrem Umfeld andere Menschen am Gemeindeleben gestaltend teilhaben lassen, wird man die lebens- und gemeinschaftsverändernde Kraft des Glaubens erleben. Deutliche Worte fand Bils, als es um die strukturelle Ausrichtung kirchlichen Lebens ging: „Kirche ist der einzige ‚Verein’, der sich nur um die dreht, die noch nicht Mitglied sind!“
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Im diesem Zusammenhang zitierte sie ihren Vorgesetzten, Arend de Vries, geistlicher Vizepräsident der Landeskirche Hannover: „Nicht der Erhalt der Institution, nicht die Fortschreibung der Strukturen, in denen Kirche heute existiert, sind das primäre Ziel kirchlicher Arbeit. Vorrang hat, dass Menschen das Evangelium kennenlernen und erfahren als die Macht und die Kraft, die Leben verändert.“
Insgesamt machte Sandra Bils auf freundliche und auch gegenüber theologisch anders denkenden Christen wertschätzende Weise Mut zu „radikalen Innovationen“ im gemeindlichen Bereich. Diese unterschied sie von „inkrementellen Innovationen“: Kleinschrittige Erneuerungen bedeuten für Bils nur Veränderungen an Bestehendem mit schrittweiser, häufig der Gesellschaft unangemessener und viel zu langsamer Weiterentwicklung. Dabei werde oft nur nach dem Wie gefragt.  Mit „radikaler Innovation“ verband Bils die Frage nach dem Warum. Wer es wage, auch im gemeindlichen Rahmen die Frage nach dem Warum zu stellen, würde an manchen Stellen überrascht werden, so Bils. Grundsätzliche Erneuerungen mit Blick auf Umfeld, Struktur und Praxis von Gemeinden, die auch zu grundlegenden Erneuerungen führen, können die Folge sein. „Ich werbe für das Warum!“
Mit ihrem Referat und auch mit ihren exegetischen und weiterführenden Anmerkungen zur Geschichte von Philippus und dem Kämmerer im Rahmen der Bibelarbeit, sorgte Sandra Bils dafür, dass die Teilnehmer auch in den Pausen der Tagung im regen Austausch über die Ausführungen waren. Ihre für das Evangelium und zur ganzheitlichen und liebevollen Zuwendung zu den Menschen einladenden Worte werden sicher bei vielen Teilnehmern der Konferenz zu konkreten Schritten im persönlichen Alltag und in der Gestaltung des Gemeindelebens führen.
Mit über 20 Workshops und Seminaren in zwei Zeiteinheiten und mit der motivierenden Vorstellung unterschiedlicher Arbeiten und Initiativen in Form  von Kurzreferaten  war das Tagesprogramm vielfältig und reichlich angefüllt. Neben den Hauptreferaten bildeten die Themen „Geistliches Leben“, „Gesellschaftliche Bedeutung gemeindlichen Handelns“ und  Themen zur „Praxis des Christseins“ weitere Schwerpunkte.
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Der von André Krause, Pastor der EFG Leipzig, geleitete Segnungsabend am Samstag bildete ebenso wie der Sonntagsgottesdienst, den die Teilnehmer gemeinsam mit der Gemeinde Leipzig feierten, einen weiteren erfüllten Teil im rundum gelungenen Programm der AmPuls-Konferenz.
Die Teilnehmer der Konferenz kamen einzeln oder auch als ganze Gemeindeleitung angemeldet aus dem Bundesgebiet und aus Österreich. Mit vertreten war auch eine Gruppe Studierender der Theologischen Hochschule Elstal.
Es wurde, wie bereits in den vergangenen Jahren an den Austragungsorten Bochum und München, deutlich, dass der regional wechselnde Veranstaltungsort manchem Teilnehmer die Anreise erleichterte: Nach Leipzig kamen überwiegend Teilnehmer aus den östlichen Bundesländern.
Für das kommende Jahr wurde bereits ein gut zu erreichender und für viele zentral liegender Ort festgelegt. Vom 18. bis 20. Januar 2019 wird die AmPuls-Konferenz in Hannover stattfinden. ...

„Wozu braucht es die Ökumene?“

„Wozu braucht es die Ökumene?“

In vielen Städten gibt es eine örtliche Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK). Für die Ebene der Bundesländer entsendet jeder BEFG-Landesverband Delegierte. Diese treffen sich jeweils zu Jahresbeginn gemeinsam mit den Bundesdelegierten in Elstal. Es geht darum, sich abzustimmen und über aktuelle Entwicklungen zu informieren. Pastor Martin Seydlitz war dabei und berichtet über die Themen des Treffens.
Beim diesjährigen Treffen am 26. Januar stand der Rückblick auf das Reformationsjubiläum im Mittelpunkt. Friedrich Schneider, Referent im Generalsekretariat, zog eine geteilte Bilanz. Es gab gute Erfahrungen an vielen Orten: Gemeinden haben sich mit ihrer Geschichte beschäftigt – etwa mit Hilfe der Reformationsausstellung unseres Bundes. Auch konnten zwischenkirchliche Kontakte in Gottesdiensten, Vorträgen und anderen Veranstaltungen belebt werden. Die kleine Ortsgemeinde in Wittenberg hat ihre Räume zur Verfügung gestellt und wurde über den ganzen Sommer zu einem wichtigen Bestandteil der Weltausstellung zur Reformation. Besonders bei den großen bundesweiten Veranstaltungen wurde aber Ökumene rein „bilateral“, als Gemeinschaft zwischen Evangelischer Landeskirche und katholischer Kirche verstanden. Sichtbar wurde das beispielsweise beim großen Versöhnungsgottesdienst in Hildesheim unter dem Motto „healing of memories“. Die Verfolgung der Täufer und später auch der Freikirchen wurde nicht angesprochen. Und dass Martin Luther King jr. kein Lutheraner, sondern ein Baptistenpastor war, wird von mancher lutherischen Stimme gern unterschlagen. Dennoch: Der geschwisterliche Austausch über die Grenzen der eigenen Gemeinde hinaus war wichtig und ist auch in Zukunft durch nichts zu ersetzen.
Derzeit führt unser Bund Lehrgespräche mit der VELKD (Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands). In einer hochkarätig besetzten Arbeitsgruppe, in die neben dem Generalsekretär auch unsere Fachhochschule eingebunden ist, wird die gemeinsame theologische Basis, aber auch der Erkenntnis-Unterschied ausgelotet. Erfahrungsgemäß benötigen solche Gespräche mehrere Jahre, um in Ergebnisse zu münden. Der Ausschuss greift auch auf das sogenannte „BALUBAG Papier“ zurück.  Dieses Konvergenzdokument von 2009 wurde in unseren Gemeinden und auf Bundesräten vielfältig diskutiert.
Thema bei den Delegiertentreffen in Elstal ist immer wieder auch die Anstellung von Freikirchlern in kirchlichen Einrichtungen bzw. die Erteilung des Religionsunterrichtes durch freikirchliche Lehrer. Es wird in einigen Landeskirchen problematisch, wenn Religionslehrer aus ihrer Kirche in eine Freikirche wechseln. In der Landeskirche Hannover etwa erlischt damit die Unterrichtserlaubnis. Für viele Bewerber gibt es peinliche „Gewissensprüfungen“, die an Zeiten von Anhörungen der Wehrdienstverweigerer erinnern.
„Theologisches Schwarzbrot“ gab es auf dieser Delegiertentagung auch: Prof. Dr. Michael Kißkalt gab Einblicke in das Thema „Mission heute“. Er führte aus, dass Evangelisation immer ein Austausch auf Augenhöhe sein muss und sprach damit den Anwesenden aus dem Herzen. ...

Etwas verändern, statt nur auf die große Politik zu warten

Etwas verändern, statt nur auf die große Politik zu warten

Am Martin Luther King Day, der in den USA ein nationaler Feiertag ist, wurde auch in der Berliner Sophienkirche des berühmten amerikanischen Bürgerrechtlers und Baptistenpastors gedacht. Hier hatte King 1964 mit seiner Botschaft des gewaltfreien Einsatzes für Freiheit und Gleichbehandlung die Zuhörerinnen und Zuhörer begeistert. Unter den Rednern am 15. Januar in Berlin waren der Außenminister der ersten frei gewählten DDR-Regierung, Markus Meckel, und der Präsident des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, Michael Noss.
 
Weil es auch heute noch viel Hass in der Welt gebe, könne eine Rückbesinnung auf Martin Luther Kings Wirken Orientierung geben und Wandel bewirken, so Noss. „Es gilt, Andersartigkeit nicht als Bedrohung zu sehen, sondern als bereichernde Vielfalt zu würdigen.“ Von King zu lernen bedeute, das eigene Umfeld zu verändern, statt nur auf die große Politik zu warten. King sei ein großes Vorbild darin gewesen, enormen Widrigkeiten zum Trotz Dinge zu bewirken, die das Leben von Menschen zum Guten veränderten: „Wenn ich etwas von Martin Luther King lerne, dann ist es das ‚Dennoch‘ – ich kann mein Umfeld verändern.“
 
Auch Markus Meckel, der Kings Rede in der nahen Marienkirche 1964 als Zwölfjähriger miterlebt hatte, machte deutlich, dass die Botschaft des US-Amerikaners 50 Jahre nach dessen Ermordung  nichts von ihrer Aktualität verloren habe. Meckel, DDR-Außenminister von April bis August 1990 und langjähriger Bundestagsabgeordneter, zog in seinem Grußwort einen Bogen von 1964 über die Wendezeit bis heute. Bei seinem Berlinbesuch habe King bereits die Botschaft der Friedlichen Revolution vertreten. 25 Jahre später sei Meckel bestürzt gewesen, als ihm berichtet wurde, dass mehrere Mosambikaner bei den friedlichen Demonstrationen 1989 wegen ihrer Hautfarbe massiv ausgegrenzt wurden: „Im Aufbruch der Freiheit gleichzeitig die Erfahrung von Diskriminierung machen, das muss uns natürlich nachdenklich stimmen.“ Auch heute erlebe man diese Tendenz immer wieder, beispielsweise in der Pegida-Bewegung, so Meckel: „Wir müssen diese Menschen abholen auf dem Weg der Freiheit, zu dem immer auch die Freiheit der Andersdenkenden gehört und die Freiheit derer, die anders aussehen.“ Es gelte, Menschen zusammenzubringen, indem man sie in ihrer Würde und ihrer Freiheit ernstnehme, „wer auch immer sie sind: Es ist eine bleibende Botschaft von aktueller Relevanz.“
 
Frank Williams, Pastor der afroamerikanischen PFF Pentecostal Church of Berlin, bezeichnete den Einsatz gegen Rassismus und Diskriminierung als konfessionsübergreifende Aufgabe aller Kirchen: „Es kommt nicht darauf an, ob ich katholisch oder evangelisch bin, sondern darauf, ein Herz für Menschen zu haben.“ Martin Luther King selbst habe mit vielen Kirchen weltweit gearbeitet. Zentraler Kern seiner Botschaft sei dabei stets die Menschenwürde gewesen: „King glaubte, dass jeder Mensch ganz besonders ist. Der Schlüssel ist, die besondere Gabe jedes Einzelnen hervorzuholen und für andere wirksam werden zu lassen. Das geht nur durch die Liebe Gottes.“
 
Veranstaltet wurde die Gedenkfeier vom „Martin Luther King Memorial – SCLC-Komitee“ unter Leitung von Michael Markus Schulz, der ein Zeitzeuge des Berlinbesuchs Martin Luther Kings ist. ...