Neuigkeiten vom Bund - Allgemeines

„Warum ist Spiritualität in und Kirche out“

„Warum ist Spiritualität in und Kirche out“

Spiritualität boomt! Studien belegen einen gesellschaftlichen Trend hin zur Sinnsuche und einem geistigen Leben, gleichzeitig erleben die großen Kirchen hohe Austrittszahlen, und auch viele Freikirchen kämpfen mit stagnierenden Mitgliederzahlen. Wie kommt es, dass eben jene Institutionen, die über Jahrhunderte das geistliche Leben in Europa prägten, solche Schwierigkeiten haben, die sinnsuchende Gesellschaft mit ihrer Botschaft zu erreichen? Dieser Frage widmete sich Tobias Faix, Professor für Praktische Theologie an der CVJM-Hochschule in Kassel, in seinem Vortrag „Warum ist Spiritualität in und Kirche out?“

Grundlegend sei die Beobachtung eines gegenwärtig stattfindenden Paradigmenwechsels, so Faix. Globalisierung, Digitalisierung, Individualisierung und eine gesellschaftliche Pluralisierung zeugten von „soziokulturellen Umbrüchen von großer Tragweite“. Bisherige Denk- und Wertesysteme würden heute in Frage gestellt und gäben vielen Menschen keinen Halt mehr. Habe das Christentum über lange Zeit die Deutungshoheit in den existenziellen Fragen des Lebens gehabt, so konkurriere es heute mit einer Vielzahl an Religionen und Philosophien. Existenzielle Fragen wie „Was ist das gute Leben? Was gibt Sinn und Halt?“ hätten in diesem Werte-Vakuum eine hohe Bedeutung, im Dschungel der Meinungen und Möglichkeiten nehme die Gesellschaft feste Glaubenswahrheiten und Dogmen jedoch als überholt und einengend wahr. Jugendliche, so Faix, „sehen sich verschiedene Entwürfe an und greifen sich das heraus, was ihnen subjektiv hilft und Sinn gibt.“ Wahrheit werde als das verstanden, was dem Individuum subjektiv guttut. Wichtig sei nicht mehr, was ich glaube (Glaubensinhalt), sondern wie ich glaube (Haltung und Praxis). Dabei könne es auch zur Vermischung verschiedener religiöser Elemente kommen („Patchwork-Religion“).
Um die Situation der Kirchen in diesem neuen Kontext zu verdeutlichen verwendete Faix das Bild einer Brücke, die neben einem Fluss steht, der seinen Flusslauf geändert hat: „Wir können die Brücke renovieren und schön anmalen, zum Beispiel durch modernen Lobpreis. Die Brücke führt dennoch nicht mehr über den Fluss.“ Stattdessen müssten wir unsere bisherigen Dogmen und Lehren hinterfragen, um die Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit zu erreichen. Konkret wurde Faix bei klassischen Formen der Verkündigung. So sei beispielsweise die Rede von Schuld und Vergebung vielen Menschen fremd, da kein Schuldbewusstsein vorliege. Der Begriff Sünde werde als ethisch-bevormundend wahrgenommen und auch Kampfesmetaphorik, zum Beispiel der Kampf Gut gegen Böse, entspreche nicht dem pluralistischen Zeitgeist. Diese biblischen Botschaften seien für die Menschen von heute nicht mehr verständlich. Es bedürfe daher neuer Wege der Verkündigung, um die Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit zu erreichen, so Faix. Gerade in der Leistungsgesellschaft seien die Themen Scham und Ausgrenzung hochaktuell. Der Mensch werde durch seine Arbeit, sein Aussehen oder seinen Verstand beurteilt, wie befreiend sei da die Rede von der bedingungslosen Annahme Christi und die gelebte Annahme von Menschen jeglicher Herkunft in den Ortsgemeinden. Christen sollten „die Sprengkraft des Kreuzes nutzen“, um bei und mit den Menschen zu sein und „anfassbar“ zu werden. Kirche dürfe nicht darin bestehen, innerhalb der eigenen vier Wände die immergleichen Dogmen rauf- und runter zu beten. Stattdessen sollten Christen ihr Umfeld sehr aufmerksam beobachten, zuhören und auf die Lebenswelt der Menschen eingehen. Es gehe nicht darum, das eigene Verständnis der biblischen Botschaft zu relativieren, sondern durch eine Haltung der Offenheit das Evangelium neu vorzuleben und verständlich zu machen. Dass dabei auch Altes hinterfragt und neu durchdacht wird, solle nicht als Gefahr verstanden werden, sondern als Aufgabe, das Evangelium lebendig in einen neuen Kontext einzupflanzen....

Informationsabend

Informationsabend

Das Leben ist ein ständiger Austausch von Transaktionen – soll heißen: von Kommunikation zwischen Menschen. In Organisationen, in Beziehungen, in Gemeinden. Die Transaktionsanalyse ist eine vielseitige Methode, die sich in Seelsorge und Beratungsprozessen gut einsetzen lässt. Sie schult die Selbst- und Fremdwahrnehmung, leitet zu einer wertschätzenden Beziehungsgestaltung an und stellt ein breites methodisches Repertoire bereit, um Gespräche und Prozesse lösungsorientiert zu begleiten. 

Die Evangelisch-Freikirchliche Akademie Elstal bietet in Zusammenarbeit mit Friederike Heinze und Günter Hallstein eine Weiterbildung an, die sich gezielt an Menschen wendet, die in Seelsorge, Diakonie oder sozialen Institutionen tätig sind. 

Weitere Details zum Informationsabend finden Sie hier....

„Nein zu Rüstungsexporten in Krisengebiete“

„Nein zu Rüstungsexporten in Krisengebiete“

Der Bundesrat des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) hat heute in Kassel mit überwältigender Mehrheit eine Resolution verabschiedet, die sich gegen Waffenexporte in Krisengebiete sowie für zivile Konfliktlösungen und eine verstärkte Bekämpfung von Fluchtursachen ausspricht. Die Initiative für die Resolution war von Delegierten des Kirchenparlaments ausgegangen, als Reaktion auf eine Rede von BEFG-Präsident Michael Noss und Generalsekretär Christoph Stiba. Diese hatten, anlässlich des 50. Todestags des Baptistenpastors Martin Luther King, die Bürgerrechtlerin Rosa Parks als Vorbild beschrieben.

Durch ihr Nein, im Bus ihren Platz für einen Weißen zu räumen, habe Parks 1955 andere ermutigt, „aufzustehen und sich gegen Unrecht auszusprechen“, so beginnt die Resolution. Heute sei es wieder an der Zeit aufzustehen: „Als Christinnen und Christen sehen wir den Menschen als Ebenbild Gottes an und setzen uns ein für die Würde aller Menschen. Darum sagen wir Nein zu Krieg und Gewalt. Wir sagen Nein zu Rüstungsexporten in Krisengebiete. Wir sagen Nein zum Export sogenannter Kleinwaffen.“ Der Bundesrat fordert, „Konflikte gewaltfrei zu lösen.“ Waffenlieferungen trügen dazu bei, die Spirale der Gewalt weiter zu beschleunigen. „Wir fordern, politische und finanzielle Ressourcen vorrangig in die friedliche und zivile Konfliktbearbeitung zu investieren“, so der Resolutionstext.
Die Resolution hebt hervor, dass sich die BEFG-Gemeinden „in hohem Maße in der Flüchtlingshilfe“ engagierten. „Dabei begegnen wir Menschen, die am eigenen Leib Krieg, Angst und Terror erfahren haben. Wir leiden mit ihnen.“ Mit einem Zitat Martin Luther Kings macht die Resolution deutlich, dass es nicht ausreiche, der „barmherzige Samariter zu sein für alle die, die am Wege liegen geblieben sind.“ Vielmehr gelte es zu „begreifen, dass die ganze Straße nach Jericho anders gebaut werden muss, damit nicht fortwährend Männer und Frauen geschlagen und ausgeraubt werden.“ In diesem Sinne sei es, so die Resolution, „dringend erforderlich, verstärkt Fluchtursachen zu bekämpfen, damit nicht noch mehr Menschen diese leidvollen Erfahrungen machen müssen.“ Besonders besorgt sei man über die aktuelle Eskalation der Gewalt im Nahen Osten.
 In seiner gemeinsamen Rede mit Generalsekretär Christoph Stiba hatte BEFG-Präsident Michael Noss hervorgehoben, man dürfe sich von gesellschaftlichen Fehlentwicklungen nicht entmutigen lassen, sondern müsse wie damals Rosa Parks aufstehen. „Heute fordern uns manche Entwicklungen wie etwa der zunehmende Antisemitismus gigantisch heraus, aber Rosa Parks hat gezeigt, dass ein einzelnes Nein eine Bewegung auslösen kann.“...

INSPIRIERT LEBEN … dass Christus Gestalt gewinnt

INSPIRIERT LEBEN … dass Christus Gestalt gewinnt

Mit seiner Ratstagung vom 9. bis 12. Mai in Kassel startet der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) das Zweijahresthema „INSPIRIERT LEBEN … dass Christus Gestalt gewinnt“.
„Ein Innehalten, eine Rückbesinnung auf die Mitte des christlichen Glaubens in dieser schnelllebigen Zeit“ – darum gehe es bei Konferenz und Jahresthema, sagt BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba. Diese Mitte sei Jesus Christus. „Wir wollen Mut machen, auf Gottes lebendige Stimme neu zu hören“, erläutert Stiba die Zielsetzung des gewählten Mottos. „Wir wollen unsere eigene Spiritualität wertschätzen, uns durch andere Ausdrucksformen geistlichen Lebens inspirieren lassen und Christus durch unser Handeln Gestalt gewinnen lassen.“ Diese vier Aspekte werden den Delegierten und Gästen bei der Bundesratstagung durch ein Angebot an vielfältigen Formaten vermittelt. Bibelarbeiten, Gebetsräume, Ausstellungsstände, Erzählcafés, Workshops und viele kreative Mitmachaktionen sollen die Besucherinnen und Besucher ermutigen, dem Thema nachzuspüren und sich inspirieren zu lassen.
Pater Nikodemus Schnabel, Prior-Administrator der Benediktiner-Gemeinschaft in Israel, wird sich als einer der Hauptredner der Konferenz der Frage stellen: „Wo findet die Seele ein Zuhause, Pater Nikodemus?“ Und Tobias Faix, Professor für Praktische Theologie an der CVJM-Hochschule in Kassel, geht der Frage nach: „Warum ist Spiritualität so in und Kirche so out?“ Eine Talkrunde thematisiert die Spiritualität im Alltag. Mit dabei sind die Journalistin und freie Autorin Hanna Buiting, Family-Redakteurin Bettina Wendland und Uwe Heimowski, Beauftragter der Evangelischen Allianz am Sitz der Bundesregierung. Und schließlich sollen Konzerte, zum Beispiel mit Martin Pepper oder dem Gospelchor Up to you aus Kassel, die Zuhörenden musikalisch inspirieren.
„Wir hoffen“, so Stiba, „dass sich bei diesem Glaubensfestival die Menschen in ihrer Verschiedenheit unterschiedlich von Gott ansprechen lassen, sich ihrer eigenen Frömmigkeit bewusst werden und neue Erfahrungen machen, die sie in ihrem Alltag stärken. Denn wenn man sich dem Wort Gottes öffnet, ist es eine logische Konsequenz, dass man sich für die Welt um einen herum öffnet. So gewinnt Christus Gestalt.“
Die Bundesratstagung findet einmal im Jahr statt. Sie ist als Kirchenparlament das höchste Entscheidungsgremium des BEFG, zu dem rund 800 Baptisten- und Brüdergemeinden mit insgesamt 82.000 Mitgliedern gehören. Neben dem Schwerpunktthema stehen bei der Bunderatstagung 2018 auch andere aktuelle Anliegen auf der Tagesordnung, etwa die Aufnahme neuer Gemeinden, die Beschäftigung mit den Finanzen und die Verabschiedung einer neuen Datenschutzordnung. ...

Im Gebet der Seele ein Zuhause geben

Im Gebet der Seele ein Zuhause geben

Sich den Widrigkeiten des Lebens stellen, sich mit seinem ganzen Leben Gott anvertrauen und ehrlich beten – das waren die Tipps, die Pater Nikodemus Schnabel von der Benediktinergemeinschaft in Jerusalem den Gästen und Delegierten der BEFG-Bundesratstagung mit auf den Weg gegeben hat.  
Zum Thema „INSPIRIERT LEBEN … dass Christus Gestalt gewinnt“ war der katholische Mönch als Eröffnungsredner eingeladen worden, um den Baptistinnen und Baptisten sowie den Mitgliedern der Brüdergemeinden Einblick in die Spiritualität einer anderen Konfessionsfamilie zu geben.

Wer sich der Frage stellen wolle, „was der Seele ein Zuhause gibt“, wie es im Titel des Vortrags hieß, müsse erst einmal die drei Triebkräfte ausmachen, die die „Seele vieler Menschen so unbehaust“ sein ließen, sagte Pater Nikodemus. Dies seien der Leistungsdruck, dem sich viele ausgesetzt fühlten, die Sorge der Menschen um das, was andere von ihnen hielten, und dass sich Menschen oftmals über das definieren, was sie besitzen. Wenn man selbst einmal die Maske abnehme, so Schnabel, und erforsche, warum man gestresst, traurig oder zynisch geworden ist, so stecke sicher eines dieser drei Grundprobleme dahinter. Wichtig sei es, dies zu erkennen und sich dann „in Gottes Hand fallen zu lassen“. Dabei habe Schnabel bei Christen und Christinnen die Erfahrung gemacht, dass sie auch schwere Schmerzerfahrungen aushielten. Sie sollten aber ehrlich im Gebet sein: „Haben Sie den Mut, das zu Gott zu tragen, was Sie bei sich als unerlöst erleben“, forderte er die Zuhörer und Zuhörerinnen auf, „bringen Sie Sehnsüchte und Wünsche vor Gott, die Sie selbst vielleicht nicht mal zu denken wagen. Gott kann gesund und frei machen.“ Für den Benediktiner selbst sei das Beten von Psalmen sehr hilfreich, „die schon viele Jahrhunderte lang Menschen getröstet haben. Denn Psalmen sind das beste Mittel gegen Selbstmitleid und eine Dehnübung fürs Herz.“ ...

Über 300 Schüler erleben Martin Luther King

Über 300 Schüler erleben Martin Luther King

In der vergangenen Woche fand in der Immanuelskirche an der Hermannshöhe die Ausstellung „I have a dream“ anlässlich des 50. Todestags von Martin Luther King statt. Über 300 Schülerinnen und Schüler haben die Ausstellung besucht, in der sie sich mit Hilfe von Kreativstationen und einer App interaktiv mit Martin Luther King und seinem Einsatz für Freiheit und Gerechtigkeit auseinandersetzen konnten.

Ein Schwerpunkt der Ausstellung war der Besuch Kings in West- und Ost-Berlin 1964 und dessen Auswirkungen auf die Bürgerrechtsbewegung in der DDR. „Ich fand vor allem die Verbindung zwischen Martin Luther King und dem geteilten Berlin sehr interessant“, meint Finja (14), die mit ihrer Klasse die Ausstellung besucht hat.
Markus Meckel, DDR-Bürgerrechtler und letzter Außenminister der DDR, eröffnete die Ausstellung am 21. April. Er hat als Jugendlicher Martin Luther King bei seiner Predigt in Ost-Berlin erlebt. Im Nachhinein sei ihm besonders diese Aussage Kings wichtig geworden: „Letzten Endes gibt es kein Ost und West, kein Nord und kein Süd, denn wir sind alle Brüder und Schwestern in unserem Herrn Jesus Christus.“ Dies habe ihn motiviert, sich für Freiheit und Demokratie einzusetzen.
Ihren Abschluss fand die Ausstellung am Sonntag, den 29. April mit einem bewegenden Gospelgottesdienst. ...