Neuigkeiten vom Bund

Jahresprogramm 2018 erschienen

Jahresprogramm 2018 erschienen

Das Jahresprogramm 2018 der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie Elstal ist erschienen. Es wird jährlich herausgegeben und enthält viele Bildungsangebote aus den unterschiedlichen Bereichen des BEFG. „Bildung ist eine wichtige Quelle für inspiriertes Leben“, schreibt Akademieleiter Oliver Pilnei in seinem Vorwort in Bezug auf das Jahresthema des BEFG „INSPIRIERT LEBEN …dass Christus Gestalt gewinnt“. Durch ein breites Spektrum an Themen und verschiedenen Arbeitsformen lade die Akademie zu Bildungswegen ein, „die Wissen vermitteln, Kompetenzen vertiefen und die Persönlichkeit reifen lassen. Damit wir inspiriert leben und Christus in uns Gestalt gewinnt!“ Die Veranstaltungen des Jahresprogramms sind nach verschiedenen Kategorien, zum Beispiel „Gottesdienst und Gemeindepraxis“, „Seelsorge und Psychologie“ und „Theologie und Gesellschaft“, gegliedert und richten sich an unterschiedliche Zielgruppen. Sie werden bundesweit durchgeführt und einige Veranstaltungen werden direkt auf den Bedarf der Teilnehmenden zugeschnitten. Die Gemeinden des BEFG erhalten das 80-seitige Heft per Post. Auf der Internetseite der Evangelisch-Freikirchlichen Akademie kann es zudem kostenlos heruntergeladen werden....

Kompetenz durch Scheitern

Kompetenz durch Scheitern

„Menschen im Scheitern zu begleiten“ sei eine wichtige seelsorgerische und diakonische Aufgabe, sagte Pastor i.R. und Diplom-Psychologe Olaf Kormannshaus am 14. Oktober in der Evangelisch-Freikirchlichen Begegnungskirche in Esslingen. Doch dies falle Gemeinden „fast immer bei Scheidungskrisen schwer“, dabei „ist Gott im Scheitern und hilft hindurch“, betonte Kormannshaus mit Blick auf viele biblische Personen wie Moses, David, Elia oder auch Petrus vor knapp 30 Teilnehmern beim Seminartag „Kompetent durch Scheitern“ des Diakoniewerks der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden in Baden-Württemberg.
Scheitern sei oft noch „extrem schambesetzt“ und galt nach dem amerikanischen Soziologen Richard Sennet lange als „großes Tabu der Moderne“. Dies habe, so Kormannshaus, auch immer wieder dazu geführt, dass viele Menschen nicht mehr in eine Gemeinde kämen. Dabei scheitere jeder Mensch bzw. bleibe hinter dem zurück, was er wolle. Diesen Konflikt habe schon der Apostel Paulus in Römer 7 beschrieben.
Nach der Definition des Kulturhistorikers Stefan Zahlmann sei Scheitern „die wahrgenommene Differenz zum gelungenen Leben“. Gerade in einer Erfolgsgesellschaft habe „das Risiko des Scheiterns zugenommen“, doch Erfolg könne keinem garantiert werden. Allerdings sei Scheitern immer verbunden mit einem „Gefühl von Verlust“. Es habe, anders als beim Trauerprozess, meist „keinen Ort“, führte Kormannshaus weiter aus. In einem Beratungsprozess könnten Erfahrungen aufgearbeitet und bisherige Bewertungen oder Ideale gemeinsam überdacht werden.
Menschen könnten auch unverschuldet scheitern, etwa durch einen Unfall oder wenn der bisherige Arbeitgeber Insolvenz anmeldet und jemand hinterher keinen neuen Job findet. Jedoch könnten sich auch neue Wege und Möglichkeiten entwickeln. Diplom-Psychologe Kormannshaus, der auch als Supervisor (EKFuL) tätig ist, nannte den französischen Maler Henri Matisse als Beispiel. Nachdem er durch den Rollstuhl nicht mehr malen konnte, erfand er für die Kunst den Scherenschnitt.
Allerdings erfolge ein Reifungsprozess aus dem Scheitern nicht automatisch. Dazu gehöre zunächst die Erfahrung tiefen Schmerzes und tiefer Verzweiflung, die nicht einfach übersprungen werden könnten. Glaubende dürften sich auch im Scheitern von Gott angenommen wissen. Der Glaube befreie vom Zwang, dass alles gelingen müsse. Laut einer US-Studie helfe er, Scheitern besser zu bewältigen. Auch deshalb sei es für die Diakonie „eine geistliche Aufgabe par excellence, Anwalt der Gescheiterten zu sein“, sagte Kormannshaus am Ende seiner Vorträge....

Vorurteilsbewusst statt vorurteilsfrei

Vorurteilsbewusst statt vorurteilsfrei

Die Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft evangelisch-freikirchlicher Kindertagesstätten (AGEF KITAS) fand in diesem Jahr in Elstal statt. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen beschäftigten sich mit dem Thema „Vorurteilsbewusste Erziehung“. Gabriele Löding, BEFG-Referentin für Diakonie im Dienstbereich Mission, war mit dabei. Ein Bericht. 

„Vorurteilsbewusste Erziehung“ lautete das Thema der diesjährigen Jahrestagung der AGEF KITAS. Vorurteilsbewusst, weil klar ist:  Vorurteilsfrei sind wir nicht, jede und jeder denkt in Verallgemeinerungen. Doch wichtig ist, sich dessen bewusst zu sein und zu erkennen, dass bestimmte Merkmale noch nicht den ganzen Menschen in seiner Identität erfassen.
Die zwei Referentinnen von der Fachstelle KINDERWELTEN aus Berlin, Nuran Ayten und Nele Kontzi, verdeutlichten, dass vorurteilsbewusste Erziehung damit auch immer ein Einsatz für Inklusion und Bildungsgerechtigkeit ist. Es geht darum, keinen auszugrenzen oder herabzuwürdigen. Daraus ergeben sich vier Ziele für die Praxis in Kitas: Alle Kinder in ihrer Identität stärken, allen Kindern Erfahrungen mit Vielfalt ermöglichen, kritisches Nachdenken über Fragen der Gerechtigkeit und Fairness anregen und aktiv werden gegen Unrecht und Diskriminierung.
In Übungen überprüften wir unsere eigene Sensibilität beim Thema, und im Austausch ging es um Erfahrungen im Kita-Alltag. Wenn in einer Kita nur deutsch gesprochen wird, wird dann die Sprache von anderssprachigen Kindern automatisch abgewertet? Andererseits ist die Förderung der deutschen Sprache eine Voraussetzung für gelingende Inklusion. Eine Möglichkeit ist, Räume zu schaffen, in denen Mehrsprachigkeit wertgeschätzt wird – zum Beispiel im Morgenkreis eine Begrüßung und Lieder in mehreren Sprachen vorkommen zu lassen.
Im Anschluss an den thematischen Block fand eine Kiez-Stadtführung in Berlin-Kreuzberg statt und wir konnten erleben, wie vorurteilsbeladen oder -bewusst wir Orte und Menschen wahrnehmen.
Fast 50 Erzieherinnen, Leiter und Trägervertreter der Kitas nahmen an der Tagung teil. Auf der Mitgliederversammlung wurden zwei neue Einrichtungen aufgenommen, eine hat ihren Austritt erklärt, sodass jetzt 47 Einrichtungen zur AGEF KITAS gehören.
In den Austauschrunden der  Kindertagesstättenleitenden und Trägervertreter wurden Anliegen und Fragen geklärt und Ideen und Anregungen ausgetauscht.
Begleitet wurde der thematische Teil durch drei biblische Geschichten von Hagar, dem barmherzigen Samariter und der Berufung des Levi. In diesen Geschichten wurde deutlich, dass Gottes Liebe allen Menschen in ihrer Vielfalt, Andersartigkeit und Fremdheit gilt und Jesus auch gegen Unrecht und Diskriminierung eintritt.
Die Tagung war anregend, stärkend und ermutigend.
Im nächsten Jahr feiert die AGEF KITAS vom 21. bis 23. September ihr 20jähriges Bestehen in Weltersbach mit dem BEFG-Präsidenten Michael Noss als Referenten....

Gegen das Verschweigen

Gegen das Verschweigen

Seit dem 1. Oktober gibt es im BEFG eine Anlaufstelle für Betroffene sexueller Gewalt. Zweck, Ziel und Aufgaben dieser Anlaufstelle erläutert Generalsekretär Christoph Stiba (CS) in einem Interview mit Julia Grundmann (JG).

JG: Warum wurde die Anlaufstelle eingerichtet?
CS: Sexuelle Gewalt ist ja ein Thema, über das nicht einfach zu reden ist. Gerade auch im gemeindlichen Kontext galt lange Zeit: „Es kann nicht sein, was nicht sein darf!“ Doch wie wir wissen, ist besonders in den letzten Jahren öffentlich bekannt geworden, dass es auch in Kirchen sexuelle Gewalt gibt und sie durchaus Schwierigkeiten haben, damit umzugehen. Wer über sexuelle Gewalt spricht, bricht die Isolation und Geheimhaltung auf und kann auf diesem Weg dazu beitragen, dass Missbrauch beendet wird. Als Bund sind wir schon seit dem Jahr 2009 auf dem Weg der Prävention gegen sexuelle Gewalt in unseren Gemeinden. Unter dem Titel „Auf dem Weg zur sicheren Gemeinde“ hat das Gemeindejugendwerk (GJW) hilfreiche Unterlagen und Schulungen entwickelt, die Gemeinden, Landes-GJWs oder Landesverbänden helfen, sichere Veranstaltungen anzubieten, sichere Gemeinde zu sein. Mit der Einrichtung einer Anlaufstelle für Betroffene sexueller Gewalt im Rahmen des Bundes schaffen wir ein zusätzliches Instrument, um im Fall notwendiger Intervention angemessen und professionell reagieren zu können.
JG: Was ist das Ziel der Arbeit der Anlaufstelle? Was soll dadurch erreicht werden?
CS: Wir wollen, dass die Betroffenen sexueller Gewalt Hilfe erhalten durch gute juristische, therapeutische und seelsorgerliche Beratungsangebote. Konkreten Verdachtsfällen wollen wir offensiv nachgehen mit einem qualifizierten und fachkundig begleiteten Verfahren. Vor allem aber wünschen wir uns, dass durch diese Maßnahmen weiterer Missbrauch verhindert werden kann und der Kindesschutz in unseren Gemeinden und Einrichtungen des Bundes wirklich gegeben ist. Dabei ist uns der Schutz der Betroffenen wichtiger als der Schutz der eigenen Institution.
JG: Bei der katholischen Kirche hat erst durch öffentlich gemachte Missbrauchsskandale eine grundlegende innerkirchliche Auseinandersetzung mit dem Thema stattgefunden. Gab es bei uns auch spezielle Auslöser?
CS: Nein, in dieser Weise gab es keinen Auslöser. Wie gesagt, seit dem Jahr 2009 sind wir mit dem GJW in der Präventionsarbeit tätig. Das liegt schlichtweg an der Erkenntnis, dass in unserer Gesellschaft sexueller Missbrauch an der Tagesordnung ist. Das müssen wir uns bewusst machen. Die Weltgesundheitsorganisation geht für Deutschland von einer Million Mädchen und Jungen aus, die sexuelle Gewalt erlebt haben oder erleben. Das bedeutet, dass in jeder Schulklasse rein statistisch ein bis zwei Kinder sitzen, die davon betroffen sind. Und wahrscheinlich eben auch in der Realität. Darauf reagieren wir! Deswegen hat das GJW die Präventionsarbeit angestoßen und jetzt ist ein konsequenter Folgeschritt, dass wir mit einer Anlaufstelle die Möglichkeit eröffnen, dass Betroffene sexueller Gewalt sich äußern und wir reagieren können.

JG: Wer gehört zu der Anlaufstelle?

CS: Erste Anlaufstelle für Betroffene sexueller Gewalt in unserem Bund ist das Hilfetelefon Sexueller Missbrauch. Dieses Hilfetelefon ist ein Angebot des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs – einem Amt der Bundesregierung. Wir kooperieren mit dem Verein N.I.N.A. („Nationale Infoline, Netzwerk und Anlaufstelle zu sexueller Gewalt an Jungen und Mädchen“), der die fachliche Leitung dieses Hilfetelefons innehat. Darüber hinaus schaffen wir dann eine Anlaufstelle für ein internes Beschwerdeverfahren. Diese besteht zurzeit aus zwei Personen, die fachlich qualifiziert und nicht Mitglieder einer Gemeinde des Bundes sind. Letzteres ist deshalb wichtig, damit sie möglichst unabhängig agieren können.
JG: Wie sieht denn die konkrete Arbeit der Anlaufstelle aus?
CS: Das kann ich gerne beispielhaft skizzieren: Angenommen, ein Jugendlicher hat durch einen Mitarbeiter unserer Gemeinden sexuelle Gewalt erlebt. Der Jugendliche ruft die Nummer des Hilfetelefons an. Die Gesprächspartner können zunächst völlig unabhängig vom BEFG beratend tätig werden und gemeinsam mit dem Anrufer herausfinden, was die nächsten Schritte sind. Ein Schritt könnte zum Beispiel sein, professionelle Unterstützung vor Ort in Anspruch zu nehmen. Sollte der Ratsuchende zu dem Entschluss kommen, ein Beschwerdeverfahren im BEFG auszulösen, werden die Berater beim Hilfetelefon ihm die Kontaktdaten der Berater der internen Anlaufstelle des BEFG weitergeben.

JG: Und dann?

CS: Dann liegt es an den Beratern unserer Anlaufstelle, das Verfahren innerhalb des Bundes zu begleiten. Da muss dann zum Beispiel unterschieden werden, ob der mutmaßliche Täter oder die Täterin haupt- oder ehrenamtlich im BEFG tätig ist, es werden geeignete Fachkräfte vor Ort gesucht und es wird dafür gesorgt, dass die richtigen Personen zum richtigen Zeitpunkt einbezogen werden. Und die Berater initiieren gegebenenfalls die dienstrechtliche Verfolgung des Falls. Für deren Ergebnis – also ob zum Beispiel die beschuldigte Person entlassen wird oder keine Kinderfreizeiten mehr durchführen darf – trägt die entsprechende Dienststelle die Verantwortung, der zuständige Dienstbereich im Bund wird darüber informiert.
JG: Wie kann gewährleistet werden, dass dieses Verfahren funktioniert? Wie und durch wen wird die Arbeit der Anlaufstelle ausgewertet?
CS: Es soll zunächst eine Erprobungsphase geben, die zwei Jahre dauern wird. Währenddessen werden die Prozesse aber bereits fortwährend evaluiert. Zum einen auf Grundlage der Zahlen des Hilfetelefons, die darüber Aus-kunft geben, wie viele Leute sich überhaupt melden. Zum anderen erwarten wir, dass ein Vertreter oder eine Vertreterin der Anlaufstelle jährlich sowohl dem Fachkreis Sichere Gemeinde als auch dem Präsidium über die Arbeit berichtet – anonymisiert natürlich. Das soll dazu dienen, das Verfahren der Anlaufstelle möglicherweise zu optimieren, aber vor allem soll es dazu dienen, dass wir die Präventionsarbeit noch verbessern können. Deswegen besteht auch dieser enge Kontakt zu dem Fachkreis Sichere Gemeinde, der ja im Wesentlichen die  Präventionsarbeit in unserem Bund übernommen hat.
JG: Können sich auch Erwachsene, die als Kind sexuelle Gewalt erlebt haben, an die Anlaufstelle wenden oder gibt es da eine Verjährung?
CS: Die Möglichkeit, sich an die Anlaufstelle zu wenden, gibt es immer – übrigens nicht nur für die Betroffenen selber. Auch Eltern oder andere Personen, die etwas beobachtet oder eine Verdacht haben, können beim Hilfetelefon anrufen. Der Verfahrensablauf wird sich dann sicherlich jeweils unterschiedlich gestalten, aber unser Ziel ist es ja gerade, dass sexuelle Gewalt nicht totgeschwiegen wird. Wir wollen damit ein deutliches Signal setzen, dass sexuelle Gewalt im Kontext unserer Gemeinen und der überregionalen Angebote für Kinder und Jugendliche nicht toleriert wird. Deshalb ermutige ich Betroffene, das Schweigen zu brechen und mitzuhelfen, dass die Angebote für Kinder und Jugendliche in unserem Bund sicher sind.
JG: Vielen Dank für das Gespräch!...

„Wie gelingt Barock’n Roll?“

„Wie gelingt Barock’n Roll?“

„Wie wird es wohl sein, wenn 35 Leute zwischen elf und 69 Jahren aus 16 ganz unterschiedlichen Gemeinden sich ein ganzes Wochenende mit Musik befassen?“ fragte sich Ulrike Haubeck vom Leitungsteam des Arbeitskreises Musik und Gemeinde im BEFG. Wie es war, darüber schreibt sie in ihrem Bericht über die 16. Jahrestagung des Arbeitskreises vom 8. bis 10. September in Altenau im Harz.

Wenn 35 Leute zwischen elf und 69 Jahren aus 16 ganz unterschiedlichen Gemeinden sich ein ganzes Wochenende mit Musik befassen ist das wahrscheinlich genauso spannend wie das Zusammenspiel in jeder einzelnen dieser Gemeinden. Jeder bringt andere Erwartungen und Voraussetzungen mit, hat altersgerechte Erfahrungen und Vorlieben. Genau diesen Spagat zwischen Barock und Rock’n‘Roll haben wir auf der Jahrestagung 2017 thematisiert. Wie gelingt Barock’n Roll?
Schon am ersten Abend während der legendären „Spielwiese“ wurde deutlich, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. Oder hat es vorher schon einmal jemand versucht, den schönen alten Choral „Auf Seele, Gott zu loben“ zur Melodie von „Bolle reiste jüngst zu Pfingsten“ zu singen? Vielleicht lauschen wir demnächst ja auch hier und da auf das altbekannte Lied „Macht hoch die Tür“ in neuem Gewand und es ertönt die Melodie „Wo ich auch stehe“ zum  adventlichen Text.
Der Samstagvormittag war wie immer die Zeit der Theorie. Nach interessanten Einblicken in praktische Erfahrungen und unter professioneller Anleitung unseres Referenten Jan Primke (Dortmund) kam es zu einem regen Gedankenaustausch, welcher das ganze Wochenende nicht abriss. Dabei wurde keiner mit seinen Anliegen allein gelassen und ermutigt, sich seinen Aufgaben in der jeweiligen Gemeinde zu stellen.
Natürlich kam auch die Praxis nicht zu kurz. Es wurde viel gesungen – neues wie altes Liedgut, wir lernten interessante mitgebrachte Instrumente kennen (ich hatte bisher noch nie von einem Dulcinet gehört) und so manch ein Teilnehmer stellte sich am Abend mit viel Mut auf unsere Open Stage – die Offene Bühne –  um ein oder mehrere Songs (auch selbstgeschriebene) zu präsentieren. Sowohl für die Zuhörer wie auch für die Aufführenden waren das ganz besondere Momente.
Immer wieder etwas ganz Besonderes ist der gemeinsame Gottesdienst am Sonntag. Mit all den Menschen, die man kennen- und schätzen gelernt hat, zusammen Gott zu loben, ist eine Bereicherung und eine Ermutigung für den Alltag in der eigenen Gemeinde.
Und was haben wir sonst so erlebt? Nun, weitaus mehr, als ich hier aufschreiben könnte. Schaut euch die Fotos der Tagung an, sprecht mit uns vom Leitungsteam. Oder noch besser - kommt einfach selbst und macht euch ein Bild davon, wie es so zugeht auf einer Jahrestagung des AK Musik! Vom 14. bis 16. September 2018 habt ihr die Chance dazu. ...

„Verstärker für das Säuseln Gottes sein“

„Verstärker für das Säuseln Gottes sein“

Präsident Michael Noss (MN) und Generalsekretär Christoph Stiba (CS) beleuchten im Interview mit Dr. Michael Gruber (MG) das kommende Jahresthema „INSPIRIERT LEBEN ... dass Christus Gestalt gewinnt“. Sie berichten über den Schatz der vielfältigen Frömmigkeit in unserem Bund, fremde Ausdrucksformen geistlichen Lebens und die gesellschaftliche Dimension der Gottesbegegnung. Und sie verraten, was sie sich für den BEFG am meisten wünschen.
MG: Im Mission Statement, nachzulesen auf diesen Seiten, heißt es, dass es beim neuen Jahresthema um Gottes Nähe, die Sammlung der Gemeinde um Jesus Christus und das gemeinsame Hören auf Gott geht. Warum stellt der Bund diese Punkte, die für uns als Kirche doch eigentlich selbstverständlich sind, für zwei Jahre in den Fokus?
MN: Manchmal verliert man Selbstverständlichkeiten aus den Augen, gerade weil sie so selbstverständlich erscheinen und man sich deshalb mit vielem anderen beschäftigt. Uns liegt daran, dass wir als Bund die Mitte unseres Glaubens im Blick behalten. Die Mitte der Kirche ist Christus und der Geist Gottes. Da kommt unsere Kraft her, unsere Orientierung. Für mich ist bei diesem Jahresthema der Gedanke der Mitte, aus der sich alles andere entfaltet, entscheidend.
CS: Unsere letzten beiden Jahresthemen „Bunte Gemeinde“ und Gemeindegründung waren nach außen orientiert. Mit ihnen haben wir unseren Auftrag, die Sendung der Gemeinde, in den Blick genommen. Nun geht es um den Kern, um den wir uns sammeln, der uns als Gemeindebund ausmacht und zusammenbindet: Christus, die Mitte! Deshalb fand ich bei der Bunten Gemeinde auch den Untertitel „Staunen über Christus im Anderen“ so wichtig, genau wie jetzt den Untertitel „…dass Christus Gestalt gewinnt“.
MN: Aus dieser Mitte können wir auch die innere Kraft ziehen, unseren Glauben in der säkularisierten Gesellschaft zu vertreten. Und dabei geht es natürlich nicht nur um uns. Ich bin von der alten Wahrheit überzeugt, dass die Welt durch Christus gerettet wird. ###3_IMAGES### MG: Das Mission Statement beschreibt das Hören auf die lebendige Stimme Gottes, der in diesem Sinne unsere Mitte ist, als ein Ziel des Jahresthemas. Wie kann das in unserer lauten, schnelllebigen Zeit gelingen, und welche Rolle spielen Gemeinden und Bund dabei?
MN: Wir werden die laute Welt nicht leiser kriegen, und das ist auch nicht unsere Aufgabe. Ich glaube aber, dass wir Räume schaffen müssen, in denen Menschen Kraft schöpfen können – kontemplative Räume mit Zweckfreiheit: Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein. Als Gemeinden sind wir dazu berufen, mit den Menschen mitzugehen und dafür zu sorgen, dass die spirituellen Sensoren, die alle haben, ein Gegenüber finden.
CS: Wenn Menschen in der Bibel Gottes Stimme gehört haben, war das oftmals nicht im lauten Sturm, sondern wie bei Elia im leisen Säuseln. Jesus hat sich in Stille und Abgeschiedenheit zurückgezogen, um seinem Vater nahe zu sein. Wie meine Kinder ihre Kopfhörer rausnehmen müssen, wenn ich zu ihnen spreche, müssen wir in den Gemeinden Rahmenbedingungen schaffen, um auf Gott zu hören. In Freikirchen ist es eine Gefahr, dass wir ständig in Aktion sind. Wenn es in der Gemeindearbeit immer darum geht, in den unterschiedlichen Arbeitsbereichen etwas auf die Beine zu stellen, kann das dazu führen, dass Menschen ausgepowert werden. Hier gilt es, Räume für Ruhe und Entspannung zu schaffen. Das hat mit der Freiheit zu tun, auf Gottes Wort zu hören.
MN: Um das Bild mit den Kopfhörern aufzunehmen: Als Gemeinden müssen wir denen ein Angebot machen, die bereit sind, die Stöpsel aus den Ohren zu nehmen und zu hören. Für das Grundsäuseln Gottes können wir in diesem Sinne Richtungsgeber und Verstärker sein.
CS: Beim Hören auf Gottes Wort geht es ja auch darum, wie wir uns als Christen verhalten sollen. Die Rolle des Bundes darin ist es aus meiner Sicht, Gesprächsräume zu schaffen. So hatten wir vier Konsultationstage, bei denen Gemeinden, die Fragen zur Arbeit mit Menschen aus dem Iran und Afghanistan haben, sich vernetzen und auch miteinander auf Gottes Stimme hören konnten. Auch beim Bundesrat und in anderen Veranstaltungen will der Bund inhaltliche Vernetzung schaffen und zur Orientierung verhelfen.
MG: Wenn „Christus Gestalt gewinnt“, im menschlichen Miteinander, in unserem Umfeld, dann beschreibt das den Kern unseres Glaubens und zugleich die gesellschaftliche Perspektive. Wie ist es um das gesellschaftliche Handeln unserer Gemeinden bestellt?
MN: Ich glaube, was Baptistengemeinden schon immer ausgemacht hat, ist ein vielfältiges diakonisches Engagement – für Kinder, für Arme, für Alte, für Kranke.
CS: Wenn man sich dem Wort Gottes öffnet, ist es eine logische Konsequenz, dass man sich für die Welt um einen herum öffnet. Gott selbst ist in die Welt gekommen. Nachfolge bedeutet auch, als Gemeinde nicht abgekapselt zu leben, sondern mittendrin in unserer Gesellschaft. Und das gelingt unseren Gemeinden oft auch sehr gut. Exemplarisch kann ich hier das hohe Engagement für Flüchtlinge nennen, die sich zu Christus hingewandt haben und in Gemeinde und Gesellschaft Fuß fassen wollen. Die Integrationsleistung durch die Gemeinden ist enorm.
MG: Wie hilft der Bund den Gemeinden bei ihrem gesellschaftlichen Engagement?
CS: Ganz konkret in der Flüchtlingsfrage zum Beispiel durch den Fonds „Gemeinden helfen Flüchtlingen“. Oder durch zahlreiche Seminare. Allein, dass der Bund schon seit Jahren Diakone ausbildet, ist ein Zeichen dafür, dass er Gemeinden in ihrem gesellschaftlichen Engagement unterstützen will. Und wesentlich ist natürlich auch, dass der Bund den Gemeinden einen rechtlichen Rahmen für ihr Engagement gibt.###3_IMAGES###MN: Von unserem Selbstverständnis her wird der Bund dann aktiv, wenn Gemeinden um Unterstützung bitten. Hierzu möchte ich die Gemeinden ermutigen! Wenn viele nachfragen, profitieren auch andere Gemeinden. Was auf Bundesebene lebt, ist oft durch Nachfragen entstanden.
MG: Der vorletzte Absatz im Mission Statement erinnert mich an Bunte Gemeinde. Von welcher fremden Ausdrucksform geistlichen Lebens habt ihr euch in letzter Zeit persönlich inspirieren lassen?
MN: In meiner Gemeinde haben wir viele Menschen aus anderen Kulturen. Die Iraner, die frisch im Glauben sind, stellen uns oft grundlegende Fragen, die wir uns schon lange nicht mehr stellen, die uns dann aber herausfordern. Oder wenn unsere afrikanischen Freunde, die in ihrer Heimat viel Gesetzlichkeit erlebt haben, angesichts der Freiheitlichkeit in Deutschland zunächst noch gesetzlicher werden, sich dann aber öffnen, dann beeinflusst mich das, und ich denke neu über meinen Glauben nach. Ich hinterfrage Dinge und wachse dadurch in meinem Glauben.
CS: Inspirierend finde ich die Herzenshaltung, in der Willow Creek Gemeinde baut. Hand und Herz finden da zusammen. „Wir müssen nicht perfekt sein, um von Gott durch die Kirche genutzt werden zu können. Aber wir müssen offen, gewillt und eifrig zum Wachsen sein“, schreibt Bill Hybels. Das finde ich richtig. Oder ich denke daran, wie unterschiedlich die Gemeinden in unserem Bund Gottesdienst gestalten. Da ist schon in unseren eigenen Reihen eine große Bandbreite, die ich faszinierend finde.
MG: Das führt uns direkt zu der Stelle im Mission Statement, die unsere Spiritualität als Baptisten und Brüder als wertvoll beschreibt. Welche unserer Ausdrucksformen ist euch besonders wichtig?
CS: Persönliche Berichte im Gottesdienst, wie Menschen Jesus erfahren, finde ich wichtig. Solche Zeugnisse darüber, wie der Glauben das Leben prägt, machen Gemeinde lebendig und authentisch. Natürlich auch das Hören auf Gottes Wort in der Schriftlesung, in Taufe und Abendmahl und, ja, auch in der Predigt.
MN: Für mich hat der Beginn des Gottesdienstes eine extrem hohe Bedeutung. Da merke ich, ich komme an, ich bin da, ich betrete heiliges Land!
CS: Schade finde ich, dass wir die Kollekte, die ich ebenfalls für wichtig halte, sinnentleert haben. Es geht doch um mehr, als nur ein paar Taler reinzuwerfen. Sie sollte Ausdruck einer inneren Haltung sein.
MN: Bei der Frage, was den Menschen im Gottesdienst wichtig ist, mache ich die Beobachtung, dass jeden etwas anderes berührt. Das kann ein Satz aus der Predigt sein oder mehrere Sätze, ein Lied, ein Text oder die Atmosphäre insgesamt. In unserer Tradition haben wir ja keine klassische Liturgie. Ich glaube, die persönliche Zuspitzung, dass ich als einzelner Mensch vorkomme, ist schon sehr besonders für unsere Gottesdienste.
MG: Gemeinsame Themen wie das Jahresthema haben ja das Potenzial, das Miteinander im Bund zu fördern. Wie kann Bundesgemeinschaft noch gefördert werden? Und welche Bedeutung hat sie in unserem kongregationalistischen Bund, der ja die Eigenständigkeit der Gemeinden betont?
MN: Die Autonomie der Ortsgemeinde bedeutet für mich nicht, dass alle machen, was sie wollen. Vielmehr tragen alle für das, was sie wollen, Verantwortung. Und ich glaube, im gegenseitigen Übernehmen von Verantwortung macht sich Bundesgemeinschaft fest und bemerkbar. Es ist ein Geben und ein Nehmen, es sind Segnungen und Verpflichtungen.
    
CS: Ich glaube, dass Bundesgemeinschaft von Anfang an eine zentrale Rolle gespielt hat. Bund und Vereinigungen sind entstanden, weil man sich in der Missionsarbeit unterstützen wollte. Das geschieht heute auch in den Regionen. So gibt es Missionsgebiete, wo verschiedene Gemeinden sich zusammengeschlossen haben, um das Evangelium zu verkündigen. Dieses Kernanliegen macht Bundesgemeinschaft aus.
Bundesgemeinschaft ist an vielen Stellen erlebbar: beim Bundesrat oder wenn bestehende Gemeinden, Gründungsprojekte oder internationale Gemeinden unterstützt werden – finanziell, personell, durch Angebote und Veranstaltungen. Und doch glaube ich, dass Bundesgemeinschaft noch stärker erlebbar sein muss. Im Präsidium haben wir über die Idee einer Glaubenskonferenz gesprochen, bei der wir als Bundesgemeinschaft zusammenkommen, um unseren Glauben zusammen zu erleben und zu feiern. Das Anliegen ist, dass wir uns in unserer Unterschiedlichkeit ergänzen und voneinander profitieren.###3_IMAGES###MG: Von all den Themen die in eurer Leitungsarbeit wichtig sind, welche drei Wünsche habt ihr, in welche Richtung sich der Bund in den nächsten zehn Jahren entwickeln soll?
CS: Ich wünsche mir das, was wir mit dem Jahresthema in den Blick nehmen: dass Christus Gestalt gewinnt und wir anderen Menschen davon berichten. Ich wünsche mir, dass unsere Gemeinden ein großes Herz für die Menschen um sie herum haben und ihnen mit großer Offenheit begegnen. Und ich wünsche mir, dass die unterschiedlichen Freikirchen sich nicht zu sehr ausdifferenzieren, sondern Dinge zusammen machen und das Gemeinsame stärken.
MN: Eine absolute Stärke unserer Gemeinden ist die Förderung des Ehrenamts. Dort hast du die Chance, dich auszuprobieren, Dinge zu lernen, auch Fehler zu machen und trotzdem weiter zu machen. Ich wünsche mir, dass wir uns dieser Stärke bewusst werden und sie noch ausbauen. Außerdem ist mein Wunsch, dass wir als Bund mehr Ressourcen in die Kommunikation nach außen stecken. Was nützt es, wenn ich tolle Sachen mache und keiner weiß es? Mit Kommunikation können wir Einfluss nehmen, die Gesellschaft mitgestalten. Und vor allem wünsche ich mir Gottes Segen für unseren Bund. Die Bitte um Gottes Segen, von dem ja alles abhängig ist, zieht sich durch die ganze Kirchengeschichte. Dieser Segen ist mein erster Wunsch für unseren Bund und jede seiner Gemeinden.
MG: Vielen Dank für das Gespräch!...

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