Neuigkeiten vom Bund

Mit wenig Mitteln viel Gutes bewirken

Mit wenig Mitteln viel Gutes bewirken

Nach dem verheerenden Erdbeben vom 12. Januar 2010, das in Haiti schwere Verwüstungen anrichtete, vereinbarte der BEFG eine Entwicklungszusammenarbeit mit der Convention Baptiste d’Haiti, einem der Baptistenbünde des Inselstaats. Das gemeinsame Ziel war es, von 2011 bis 2017 mit sozial-diakonischen Projekten nachhaltig den Wiederaufbau zu unterstützen. Ebenfalls beschlossen wurde damals eine Kooperation zwischen den Ausbildungsstätten beider Bünde, der Christlichen Universität von Nordhaiti (UCNH) und der Theologischen Hochschule Elstal. Bei ihrer Reise im September konnten Dr. Michael Kißkalt und Stefanie Desamours sich davon überzeugen, was in den sechs Jahren gewachsen ist.
Schwül-heiße Luft schlägt uns beim Verlassen des Flugzeugs entgegen. Vor uns eröffnet sich der Blick auf die Berge um Cap-Haitien, beißender Rauch von kleinen brennenden Müllhaufen steigt in die Nase. Zurück in Haiti! Im Schneckentempo holpern wir durch die Schlaglöcher oder umfahren sie im Slalom, rechts und links überholt von voll besetzten und schwer beladenen Moped-Taxis. Die Straßenbauarbeiten auf der einzigen Nord-Süd-Verbindung ziehen sich in die Länge. Die Arbeiten wurden aufgrund der instabilen politischen Lage und Unruhen in den letzten Jahren häufig unterbrochen. An vielen Stellen ist keine Straße mehr vorhanden und die Fahrten dauern so um ein Vielfaches länger. Uns erscheint es unvorstellbar, dass viele Menschen diese Strecke täglich zurücklegen, um zur Arbeit zu fahren oder ihre Kinder zur Schule zu bringen. Doch sie tun es. Und auch viele Studierende der UCNH sind täglich unterwegs, weil es nicht genügend Wohnheimplätze auf dem Campus gibt. Seit dem Erdbeben ist die Universität kontinuierlich gewachsen. Die Zahl der Studierenden ist seit 2010 von 400 auf inzwischen 1.600 angestiegen. Sie gehört zu den fünf besten Universitäten im Land.
Wohin wir auch kommen, werden wir herzlich empfangen. Hier zeigt sich: Die finanzielle Unterstützung ist das eine, doch die Kooperation ist so viel mehr als das! Die Haitianer haben das Miteinander als ein großes Zeichen der Solidarität erlebt. Durch die gegenseitigen Besuche sind über die Jahre enge Beziehungen und tiefes Vertrauen gewachsen. Und natürlich war auch die Kontinuität der finanziellen Unterstützung eine große Hilfe für die Partner, denn so konnten sie sicher planen.

###3_IMAGES###Die Schönheit der Natur steht im krassen Kontrast zur großen Armut. So erkennen wir einige Veränderungen nicht auf den ersten Blick. Doch beim genauen Hinsehen merken wir, wie viel sich getan hat. Wir sind beeindruckt vom unermüdlichen Einsatz unserer Partner und der großen Willenskraft , trotz der schwierigen Lage ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Die Baptistengemeinden sind in der Evangelisation und in der Entwicklungsarbeit sehr engagiert. Sie helfen den Menschen in ihrem Umfeld – auch bei der Bewältigung der Folgen des Erdbebens. Wir besuchen zwei Gemeindegründungen, die in den letzten sieben bzw. zehn Jahren jeweils auf 600 Mitglieder gewachsen sind. Diakonisches Engagement  ist dabei eine Selbstverständlichkeit. In vielen Gemeinden organisieren sich Frauen in Selbsthilfegruppen und geben sich mit selbst erspartem Geld gegenseitig Kredite. Damit können Frauen ein kleines Geschäft eröffnen, verdienen mehr Geld für ihre Familien und um das Schulgeld für die Kinder zu bezahlen. Umgerechnet nur wenige Euro machen hier schon einen Unterschied für eine Familie und langfristig für einen ganzen Stadtteil. Die Frauen in der Gemeinde Bas-Limbé sind mittlerweile so erfolgreich, dass auch die Männer angefangen haben, sich in Selbsthilfegruppen zu organisieren.

###3_IMAGES###An der landwirtschaftlichen Fakultät der UCNH werden für die Kleinbauern der Region Kurse in Gemüseanbau und in der Pflege des Ackerbodens angeboten. In der Gegend um Haut-Limbé war vor wenigen Jahren noch kaum Gemüseanbau zu finden. Nun lernen die Bauern, welche Pflanzen sie zusammen anbauen müssen, um den Boden fruchtbar zu erhalten und kontinuierlich verschiedene Produkte ernten zu können. Anstatt Gemüse und Obst auf dem Markt zu kaufen, können sie nun für den Eigenbedarf ernten oder ihren Lebensunterhalt durch den Verkauf besser bestreiten. Das ist ein wichtiger Beitrag zur Ernährungssicherung. Über das Ende der Kooperation hinaus geht dieses Programm weiter, indem Studierende der landwirtschaftlichen Fakultät für ein Praktikum zu den Kleinbauern gehen und ihnen dieses Wissen vermitteln. Daniel Louis, der in Elstal im Rahmen der Kooperation seinen Master in Freikirchlicher Diakonie erworben hat, unterrichtet das Fach mittlerweile an der Christlichen Universität und berät Gemeinden, wie sie sich in ihrem diakonischen Engagement besser aufstellen können.
Bei unseren Besuchten sehen wir viele Beispiele für solche Projekte, die auch nach dem offiziellen Ende der Kooperation weitergehen und positiven Einfluss auf das Leben der Menschen haben werden. Und in allen Begegnungen wird deutlich, dass die Verbundenheit beider Partner bestehen bleiben wird. Darüber hinaus haben die Theologische Hochschule Elstal und die UCNH einen neuen Kooperationsvertrag  über den weiteren wissenschaftlichen Austausch unterzeichnet....

Immanuel Diakonie baut Pflegeeinrichtung in Elstal

Immanuel Diakonie baut Pflegeeinrichtung in Elstal

Die Immanuel Diakonie erweitert an ihrem Standort in Elstal ihr Angebot für Senioren um eine Einrichtung der vollstationären Pflege und der Tagespflege. Die Gemeindevertretung Wustermark genehmigte auf ihrer jüngsten Sitzung den Bebauungsplan für den Bau einer Pflegeeinrichtung in unmittelbarer Nähe zum bereits vorhandenen Servicewohnen und dem  Bildungszentrum Elstal des BEFG. 
„Uns liegt das Projekt in Elstal sehr am Herzen, weil wir damit unser Versprechen gegenüber den Mietern des Servicewohnens einlösen.  Wir ermöglichen ihnen und anderen Menschen aus der gesamten Region eine Versorgung für alle Phasen des Alterns“, sagt Udo Schmidt, Geschäftsführender Direktor der Immanuel Diakonie. „Nach der Übernahme des Servicewohnens vom BEFG durch die Immanuel Diakonie im Jahr 2008 sind erst jetzt die Rahmenbedingungen für diese Entwicklung gegeben. Die Region um den Ort Wustermark erlebt derzeit in den Bereichen Arbeit, Wohnen und Freizeit eine prosperierende Entwicklung. Die Einwohnerzahl alleine im Ort Wustermark stieg  von 7.957 im Jahr 2011 um rd. 15% auf aktuell 9.167 Bewohner. Die vielen Neubauvorhaben der Region in Verbindung mit der guten  Infrastruktur garantieren eine Fortsetzung dieser Entwicklung.“
Auch BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba zeigt sich erfreut über die aktuelle Entwicklung: „Von Anfang an war es uns als Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden ein Anliegen auf dem Campus unseres Bildungszentrums generationenübergreifendes Leben und Arbeiten zu ermöglichen. Dieses Konzept kam bis jetzt immer dann an seine Grenzen, wenn die hier lebenden alten Menschen auf intensivere Unterstützung angewiesen waren. Ich freue mich, dass diese Unterstützung nun in Zukunft angeboten wird.“
Die Firma Hans J. Benner GmbH mit dem  Architekten Silvio Plaasch vom Architekturbüro Milkoweit in Berlin hat ein dreistöckiges Gebäude mit 111 Plätzen in der vollstationären Pflege sowie16 Plätzen in der Tagespflege entworfen. In dem Neubau werden auch ein Kiosk und ein Frisörsalon untergebracht. Die Essensversorgung der Bewohner wird in Kooperation mit der benachbarten Mensa der Servicedienste Elstal GmbH durch eine witterungsunabhängige Verbindung beider Gebäude erfolgen.
Baubeginn ist voraussichtlich im Frühjahr 2018. Es wird mit einer Bauzeit von 14 Monaten für den Neubau mit einem Investitionsvolumen von rund 11 Millionen Euro gerechnet. Nach Vollendung werden etwa 60 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Bewohner und die Tagesgäste betreuen. Bislang betreibt die Immanuel Diakonie in Elstal 102 behindertenfreundliche und barrierefrei ausgestattete Wohnungen im Servicewohnen Elstal.
...

Kampf gegen den Terror darf Religionsfreiheit nicht einschränken

Kampf gegen den Terror darf Religionsfreiheit nicht einschränken

Die Baptisten in Europa sind in Sorge, dass die Regierungen im Kampf gegen den Terror die Religionsfreiheit einschränken. In einer Resolution, die von den 150 Delegierten und Gästen auf der Ratstagung der Europäischen Baptistischen Föderation (EBF) vom 20. bis 23. September in der armenischen Hauptstadt Eriwan verabschiedet wurde, heißt es, man befürchte, „dass die Anti-Terror-Gesetzgebung unbeabsichtigt negative Folgen für religiöse Minderheiten haben kann“. Auch viele Jahre lang etablierte Kirchen litten bereits unter Diskriminierungen, heißt es in der Erklärung unter Bezug auf Rückmeldungen aus den Mitgliedsbünden. Namen der betroffenen Länder werden nicht genannt.
In einer weiteren Resolution wird Russland aufgefordert, die Religionsfreiheit wiederherzustellen. Ausdrücklich setzen sich die Baptisten dabei für die Zeugen Jehovas ein. Sie waren im April als „extremistische Vereinigung“ verboten worden. Im Juli hatte das Oberste Gericht Russlands ihre Berufung zurückgewiesen. Ihre Mitglieder stehen damit auf der gleichen Stufe wie der „Islamische Staat" (IS). Auch wenn es große Unterschiede zum Glauben der Zeugen Jehovas gebe, müsse Religionsfreiheit für alle Bewohner eines Landes gelten, halten die Baptisten fest. In einer weiteren Resolution zur Lage im Irak werden die Regierung des Landes und internationale Hilfswerke aufgerufen, die Infrastruktur wiederherzustellen, so dass „die Christen und andere Vertriebene“ in ihre Heimatorte zurückkehren können: „Wir beten für unsere Schwester und Brüder im Irak um Stärke und Mut beim Wiederaufbau.“
Ferner unterstreichen die Baptisten die Bedeutung der traditionellen Ehe, die nach Aussagen der Bibel aus einem Mann und einer Frau besteht. Die Mitgliedsbünde werden aufgefordert, die Aussagen der Bibel dazu aufzugreifen und zu vertreten. Zugleich wird eingeräumt, dass menschliche Beziehungen zerbrechen und zu Leid und Schwierigkeiten führen könnten. Davon seien auch Gemeinden betroffen. Homosexuelle Beziehungen werden in der Erklärung nicht genannt.  
EBF-Generalsekretär Tony Peck erinnerte in seinem Bericht daran, dass auch die Baptisten ein Zweig der Reformation sind, die in diesem Jahr ihr 500. Jubiläum begeht. So wie damals in der Kirche etwas Neues entstanden sei, müssten sich die Christen auch heute noch fragen, wo sie eine Reformation benötigten. Peck: „Wir dürfen nicht glauben, schon alle Antworten zu haben.“ Wie er weiter sagte, ist der Umzug des neuen Internationalen Baptistischen Theologischen Studienzentrums von Prag nach Amsterdam abgeschlossen. Anfang September sei das „Baptistische Haus“ dort offiziell eröffnet worden. In dem Haus versammelten sich auch eine niederländische und eine brasilianische Gemeinde. Dort hat auch die Zentrale des niederländischen Baptistenbundes ihren Sitz. Die Bibliothek aus Prag werden im Oktober verfügbar sein. Peck: „Damit konnten die schwierigen Zeiten des Umzugs beendet werden.“ Inzwischen sei das frühere Gebäude in Prag verkauft worden. Derzeit seien 40 Doktoranden in dem Studienzentrum eingeschrieben, „ein neuer Rekord“, so Peck. Die Doktoranden werden von dem irischen Theologen David McMillan als Interimsrektor betreut.
In seinem Vortrag über „Prioritäten und Herausforderungen im Alltag von Baptisten“ berichtete der Vizepräsident des Baptistenbundes in der Ukraine, Igor Bandura, über ein großes Reformationsfest in der Hauptstadt Kiew. Er sprach von über 100.000 Teilnehmern. Presseberichten zufolge waren sogar mehr als 200.000 Besucher dabei, darunter viele Baptisten. Nach Banduras Worten ist es vielen Protestanten in der Ukraine ein Anliegen, das Evangelium weiterzusagen.
Auf dem Treffen wurde eine neue Leitung der EBF gewählt. An der Spitze steht erstmals eine Frau: die bisherige stellvertretende Vorsitzende, britische Pastorin und Gemeindegründerin Jennifer Entrican. Sie wurde satzungsgemäß zur neuen Präsidentin gewählt. 2015 und 2016 war sie als Präsidentin des britischen Baptistenbundes tätig. Sie löst den Armenier Asatur Nahapetyan ab. Neuer Vizepräsident wurde der Präsident des estnischen Baptistenbundes, Meego Remmel. Neuer Vorsitzender der Abteilung Theologie und Ausbildung wurde der frühere EBF-Präsident, der Rumäne Otniel Bunaciu.
Auf dem Treffen zugegen waren auch zehn junge Leute, die an dem Programm „Transform“ teilnehmen. Wie dazu BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba sagte, hat die EBF das Programm ins Leben gerufen, um junge Leiter aus verschiedenen Bünden an die Arbeit heranzuführen und sie zu motivieren, in Zukunft noch mehr Verantwortung zu übernehmen – im eigenen Bund wie auch in der EBF. Vertreter aus Deutschland war der Vorsitzende des Bundesvorstandes des Gemeindejugendwerkes, Marten Becker.
Der Leiter des Dienstbereichs Mission im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden und des Hilfswerks German Baptist Aid, Joachim Gnep, sagte, er schätzte die Möglichkeit, auf der Konferenz jene Menschen persönlich zu treffen, mit denen man sonst nur per Telefon oder Mail Kontakt habe. Diese Begegnungen seien für ihm immer eine Ermutigung, weil die Kooperationspartner trotz äußerer schlechter Rahmenbedingungen zuversichtlich in die Zukunft blickten. So habe er den Baptistenpastor aus Bagdad getroffen oder Christen aus dem Libanon, die selbstlos den Flüchtlingen in ihrem Land helfen würden. German Baptist Aid engagiert sich sowohl in Bagdad als auch im Libanon: „Die EBF-Ratstagung ist für mich immer ein sehr motivierendes Ereignis.“
Die EBF vertritt nach eigenen Angaben 54 Mitgliedsbünde in Europa und dem Nahen Osten sowie fünf mit ihnen verbundene Gemeinden und Netzwerke (Bagdad, Bahrein, Irland, Malta und russischsprachige Gemeinden außerhalb Russlands) mit insgesamt rund 826.000 Mitgliedern. Der Baptistenbund von Armenien zählt 155 Gemeinden mit knapp 5.000 Mitgliedern. ...

25 Jahre Ordination von Frauen im BEFG

25 Jahre Ordination von Frauen im BEFG

Seit 25 Jahren werden Frauen im BEFG offiziell als Pastorinnen ordiniert. Der Vertrauensrat – die berufsständische Vertretung der Pastorinnen und Pastoren des BEFG – hat auf seiner letzten Sitzung im September an dieses Jubiläum erinnert. Ein Statement von einem der Vorsitzenden des Vertrauensrates, Pastor Manuel Lüdin.

Es gab längere Jahre vorher bereits im Bund der DDR einzelne Pastorinnen. Ihr Status war aber nicht offiziell beschlossen. 1992 wurde die Ordination nun in gleicher Weise für Frauen und Männer eingeführt. Wir sehen, dass Frauen in vielen Gemeinden einen sehr gesegneten pastoralen Dienst tun. Von den ungefähr 660 aktiven Pastoren und Pastorinnen sind ca. 15% weiblichen Geschlechts. An manchen Orten sind auch Ehepaare gemeinsam in diese Aufgabe berufen.

Natürlich haben auch Frauen in diesem Beruf Probleme. Diese sind bei Pastorinnen aber kaum anders gelagert als bei ihren männlichen Kollegen. Eher haben wir den Eindruck, dass Frauen noch intensiver darüber nachdenken, wie Familien- und Eheleben, Kindererziehung und Berufstätigkeit in gesunder Weise miteinander verbunden werden können. Wie in der Wirtschaft sind prozentual mehr Frauen als Männer in Teilzeitanstellungen vertreten. Aber auch dies ist eher der konkreten Situation als dem Geschlecht geschuldet.
Wobei wir als Vertrauensrat in diesem Zusammenhang darauf hinweisen wollen, dass jemand, der nur von einem Teilzeit-Pastorengehalt lebt, sich recht einschränken muss in seinen Ansprüchen! Wir bedauern es, dass es immer noch Gemeinden gibt, die grundsätzliche Vorbehalte gegenüber der Berufung einer Pastorin haben, auch wenn wir deren Sicht natürlich respektieren wollen. So zeigt es sich, dass die Vermittlung von Pastorinnen in neue Stellen schwieriger ist als für ihre Kollegen.
Wir sind dankbar für jene Erlebnisse in Gemeinden, wo (ältere!) Schwestern zu Kolleginnen sagen: „Ich bin überzeugt, dass Frauen manche Dinge besser sagen und tun als Männer.“ Oder ein älterer Bruder im persönlichen Gespräch mit seiner Pastorin bekennt: „Ich war immer gegen eine Pastorin. Aber seit ich Dich kenne, habe ich meine Meinung geändert. Du bist meine Pastorin!“

Wir ermutigen dazu, die Frage nach der Berufung einer Pastorin nicht zu theoretisch anzugehen. Wir leben als Baptistengemeinden vom „Allgemeinen Priestertum der Glaubenden“. So wollen wir einander helfen, dass sich jeder und jede nach ihren Gaben in der Gemeinde einbringt. Wenn nun eine Frau ihre seelsorgerliche und theologische Bildung und Begabung in der Gemeinde lebt: dann sind Wirkung und Frucht des Dienstes zu würdigen – und nicht die Ämter-Ordnung.
Wir freuen uns darüber, gemeinsam als Kollegen und Kolleginnen unseren Gemeinden dienen zu dürfen, und hoffen, dass wir uns in aller Unterschiedlichkeit ergänzen und gegenseitig stärken können....

50 Jahre TERRA NOVA Mondai

50 Jahre TERRA NOVA Mondai

Vier junge Deutsche begannen 1967 „als Brasilienmannschaft der Ruferarbeit im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) die diakonische Arbeit, die heute unter dem Namen TERRA NOVA Mondai bekannt ist. In den folgenden Jahrzehnten betraten engagierte brasilianische und deutsche Christen oft neues Land („Terra Nova“), indem sie neue Arbeitszweige gründeten. Im September feierte der deutsche Unterstützerkreis, der zum BEFG gehört, das 50-jährige Bestehen des Werks, das heute ein staatlich anerkanntes Kinderheim, eine ökologische Milchwirtschaft sowie einen ökologischen Kräutergarten betreibt. Teilnehmer Erhard Ilchmann berichtet über die Jubiläumsfeier.
Sieben mal sieben plus eins – an diese Zahlenreihung zum biblischen Erlassjahr erinnerte Siegfried Großmann in seiner Andacht zur Eröffnung des Festtages „50 Jahre TERRA NOVA Mondai“. Neben einem Rückblick auf die bewegte Geschichte des Werks war der erwartungsvolle Ausblick ein wichtiges Anliegen der 50-Jahr-Feier. So möchte sich das Werk weiterhin den ständig wechselnden Herausforderungen stellen und dazu Gottes Führung und Segen erbitten. Rund 55 Teilnehmerinnen und Teilnehmer – sieben davon aus Brasilien – hatten sich zu diesem Festtag am 23. September im Ruferhaus Stauffenburg im Harz eingefunden, um in rustikaler Atmosphäre zu feiern. Fast alle Festtagsteilnehmer kennen Mondai durch persönliche Besuche oder Mitarbeit und erinnerten sich an ihre Zeit auf TERRA NOVA. Jeder hatte unterschiedliche Erinnerungen, weil auch das Werk sich in all den Jahren stark entwickelt hat. Anwesend waren auch drei der vier Pioniere des Werkes: Walter Schüttel und Lieselotte Hedderich aus Brasilien und Ursula Schüttel aus Deutschland. Marlene Schmitz war im Mai 2017 verstorben. Als sie 1967 mit der Gründung eines Mädcheninternats in Mondai und einer Musterfarm nahe Mondai das Projekt  starteten, waren die Gründerinnen und der Gründer bereits seit zwei Jahren in Südbrasilien. Der Name „TERRA NOVA“ ist allerdings erstmals 1971 nachweisbar.
In Bildpräsentationen und persönlichen Berichten konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die bewegte Geschichte nachverfolgen. Jungbauernausbildung, Ausbildungszentrum, Kindergarten, Jungeninternat und Kleiderkammer, ebenso Seidenraupenzucht, Orangenplantage und Schweinezucht  waren die Stationen, über die sich das heutige TERRA NOVA Mondai entwickelte. Aktuell werden ein staatlich anerkanntes Kinderheim, eine ökologische Milchwirtschaft sowie ein ökologischer Kräutergarten dazugezählt.  Zudem bietet ein Haus der Hoffnung  unter Leitung von Lieselotte Hedderich Pastoren und anderen Leitungspersonen die Möglichkeit, Ruhe und eine geistliche Neuorientierung zu finden.  In Brasilien wird das Werk von dem Verein „Sociedade Beneficente do Vale do Pirapocoú“ getragen.
Ivone Hergenräder ist seit dem Jahr 2000 die Leiterin des Werks.  Sie richtete zum Schluss des Festtags den Blick auf die zukünftige Entwicklung. Wesentlich sei die Weiterentwicklung des Kinderheimes und des Kräutergartens. Schon jetzt werde der Kräutergarten von der Universität wissenschaftlich begleitet, berichtete sie. Die Wiederentdeckung verschiedener, heimischer Heilkräuter sei wichtig für ein Land wie Brasilien, das den industriellen Produkten mehr vertraue als der Schöpfung Gottes, betonte Hergenräder. Sie dankte dem „Förderkreis TERRA NOVA Mondai  e.V.“, der die Arbeit von Deutschland aus begleitet und finanziell fördert.  Dadurch werde es für TERRA NOVA weiterhin möglich sein, sich immer neu den aktuellen Herausforderungen zu stellen, so Hergenräder....

„INSPIRIERT LEBEN … dass Christus Gestalt gewinnt“

„INSPIRIERT LEBEN … dass Christus Gestalt gewinnt“

Bei „INSPIRIERT LEBEN … dass Christus Gestalt gewinnt“ geht es „um den Kern, um den wir uns sammeln, der uns als Gemeindebund ausmacht und zusammenbindet: Christus, die Mitte!“ Mit diesen Worten hat Generalsekretär Christoph Stiba den Grundgedanken des Jahresthemas beschrieben, das den Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) in den kommenden zwei Jahren begleiten wird. Für BEFG-Präsident Michael Noss kommt „aus dieser Mitte der Kirche unsere Kraft her, unsere Orientierung. Aus Christus und dem Geist Gottes, die das Jahresthema in den Blick nimmt, entfaltet sich alles.“
Das Mission Statement beschreibt vier Anliegen des Jahresthemas: INSPIRIERT LEBEN möchte ermutigen, auf die lebendige Stimme Gottes zu hören, die eigene Spiritualität als Baptisten und Brüder wertzuschätzen, sich durch fremde Ausdrucksformen geistlichen Lebens inspirieren zu lassen und Christus durch das eigene Handeln Gestalt gewinnen zu lassen – in Umfeld der Gemeinden, in der Gesellschaft.
„Gerade in unserer lauten und schnelllebigen Welt haben Gemeinden die Aufgabe, Räume zu schaffen, in denen Menschen Kraft schöpfen können – kontemplative Räume mit Zweckfreiheit: Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein.“ Davon ist Michael Noss überzeugt. „Für das Reden Gottes, der in der Stille zu uns spricht, können wir in diesem Sinne Richtungsgeber und Verstärker sein.“ Das Jahresthema wolle diese wichtige Aufgabe der Gemeinden unterstreichen und gleichzeitig den Schatz der Frömmigkeit im BEFG aufzeigen: „Die persönliche Zuspitzung, dass ich als einzelner Mensch vorkomme, ist zum Beispiel sehr besonders für unsere Gottesdienste.“
Genau wie Michael Noss das Miteinander mit den internationalen Geschwistern in seiner Gemeinde in Berlin-Schöneberg als inspirierend erlebt, weiß auch Christoph Stiba die Vielfalt im BEFG zu schätzen: „Etwa bei der Gestaltung der Gottesdienste ist schon in unseren eigenen Reihen eine große Bandbreite, die ich faszinierend finde. Darüber hinaus können wir auch von Christen in anderen Kirchen viel lernen und sollten in diesem Sinne bereit sein, über unseren Tellerrand zu schauen.“ Zum vierten Anliegen des Jahresthemas, dass Christus Gestalt gewinnt, hebt der Generalsekretär hervor: „Wenn man sich dem Wort Gottes öffnet, ist es eine logische Konsequenz, dass man sich für die Welt um einen herum öffnet. Das tun viele unserer Gemeinden zum Beispiel, indem sie sich sehr für Flüchtlinge engagieren.“
Auch beim Jahresthema wünscht sich Christoph Stiba den Einsatz der Gemeinden: „Als Bund machen wir natürlich Angebote, indem etwa die Bundesräte 2018 und 2019 ganz im Zeichen von INSPIRIERT LEBEN stehen. Doch wir freuen uns, wenn auch Gemeinden auf den Zug aufspringen und dieses Thema, das uns doch so selbstverständlich ausmacht, ganz neu in den Blick nehmen!“...

Unterkategorien