Neuigkeiten vom Bund - Allgemeines

Oncken Verlag in vorläufiger Insolvenz

Oncken Verlag in vorläufiger Insolvenz

Der Oncken Verlag hat Insolvenz angemeldet. BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba drückte in einer ersten Stellungnahme sein Bedauern aus und betonte die „über Jahrhunderte andauernde Prägekraft des Verlags und dessen Segensspuren für den deutschen Baptismus“. Nach Angaben von Geschäftsführerin Silke Tosch werden die Oncken-Zeitschriften bis auf Weiteres erscheinen. Zudem arbeite man daran, die Weiterführung bestimmter Geschäftsbereiche langfristig zu sichern.
„Leider haben die Sanierungsversuche der letzten Jahre nicht so gegriffen, wie man es sich vorgestellt hatte, und der Oncken Verlag musste am 19. Dezember 2019 Insolvenz anmelden“, so Tosch in einem schriftlichen Statement. „Mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter werden nun Möglichkeiten ausgelotet, eine Weiterführung wesentlicher Geschäftsbereiche zu realisieren.“ Im Oncken Verlag werde weitergearbeitet, und die Zeitschriften würden bis auf Weiteres erscheinen, so die Geschäftsführerin. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Verlag arbeiten aktuell unter einem enormen Druck. Deshalb sind wir auch über eine Unterstützung durch Gebet und Fürbitte dankbar.“
BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba hob in seiner Erklärung die Leistungen des Verlags und die historisch engen Beziehungen zu den Baptisten hervor: „Noch bevor Johann Gerhard Oncken in Hamburg die erste Baptistengemeinde auf dem europäischen Festland gründete, rief er 1828 den Verlag ins Leben. Seitdem haben Publikationen aus dem Hause Oncken wie die Kinderzeitschrift ‚Der Morgenstern‘ Generationen von Baptisten geprägt.“ Auch die Zeitschrift DIE GEMEINDE, ehemals „Der Wahrheitszeuge“, und andere Veröffentlichungen seien bis heute für tausende Leserinnen und Leser „eine feste Größe. Wir sind Gott dankbar für die Verbreitung des Evangeliums in der bewegten 191-jährigen Verlagsgeschichte.“
Oncken-Geschäftsführerin Silke Tosch bittet die Gemeinden darum, den Verlag für DIE GEMEINDE „mit Nachrichten aus dem Gemeindeleben zu versorgen“ (per E-Mail an gemeinde(at)oncken.de). Dies erleichtere dem Verlagsteam angesichts zusätzlicher Aufgaben wegen des vorläufigen Insolvenzverfahrens die Arbeit. Der BEFG wurde zwischenzeitlich in die laufenden Gespräche über die Weiterführungsmöglichkeiten eingebunden. „Unser Wunsch ist es, dass die bisherige gute Zusammenarbeit in den verschiedenen Bereichen fortgesetzt werden kann“, so Christoph Stiba: „In diesem Rahmen unterstützt der BEFG die Fortführungsbemühungen.“
Der Oncken Verlag gehörte seit 1878 dem Bund der Baptisten und seit 1942 dem BEFG als dessen Nachfolgeorganisation. Seit 2006 ist die Oncken-Stiftung Eigentümerin des Verlags.
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Gott kommt zu uns

Gott kommt zu uns

Gott zieht es nach unten. So berichtet es dieses alte Anbetungslied der ersten Christen, das der Apostel Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Philippi zitiert.

Den Schöpfer des Himmels und der Erde hält es nicht im Himmel, sondern ihn zieht es nach unten, auf die Erde. Er entäußert sich selbst. Er gibt seine göttliche Gestalt, einen Teil seines Wesens auf und begrenzt sich selbst. Er wird sichtbar, erkennbar und nahbar. Gott wird Mensch. Das macht Weihnachten in jedem Jahr so besonders und attraktiv. Sicher haben das heute längst nicht mehr alle Menschen bewusst im Blick, und sie feiern Weihnachten trotzdem. Doch das ist der eigentliche Grund dafür, dass wir Weihnachten feiern: das Wunder, dass es Gott nach unten zu seinen Menschen zieht und sie sehen, wer und wie er ist!

Wir Menschen haben in der Regel eher einen Zug nach oben und wollen gerne groß herauskommen. Wir wollen eher bedeutend sein, nicht klein und unbedeutend. Macht und Einfluss spielen eine wichtige Rolle. Und mancher Mächtige spielt sich auf, als wäre er Gott. Aber während wir Menschen versuchen, wie Gott zu sein, tut Gott seinerseits alles, um Mensch zu werden. Selbst, wenn es ihn den Himmel kostet. Er klammert sich nicht an das, was ihm zusteht, himmlische Macht und Herrschaft, sondern er entäußert sich selbst.

Und dann geht dieses alte Christuslied noch einen Schritt weiter. Nicht nur ein Mensch wurde er. Ein Knecht wurde er! In der englischen Bibel (NIV – New International Version) steht: „He made himself nothing.“ Er machte sich zu einem Nichts. Da taucht sofort nicht nur das Bild des ohnmächtigen Babys in der Krippe vor den Augen auf, das auf die Hilfe seiner Eltern angewiesen ist, sondern auch das Bild des geschundenen und gekreuzigten Gottessohns. He made himself nothing. Gott geht ins Extreme, vom Anfang bis zum Ende. Er bückt sich tief, um ganz nah bei uns zu sein.

„Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht.“ (V. 5) Wenn es Gott so zu seinen Menschen nach unten zieht, dann sollen wir uns nicht mit Wohlanständigkeit und Rechtgläubigkeit zu ihm empor dienen. Wir sollen Gott dann nicht oben suchen, im Himmel, über den Sternen, dort, wo keiner hinkommen kann, sondern unten, in dem Kind in der Krippe und in dem Mann am Kreuz. Dort kann jeder hinkommen. Hirten und Könige. Arme und Reiche. Angesehene und Unangesehene. Auch jeder von uns. Wir sollen dann den Herrn aller Herren suchen bei denen, die hungrig sind. Bei denen, die nackt sind und nichts haben. Bei denen, die geschunden sind, krank und einsam. Bei denen, die Fremde sind. Bei denen, die ohne alles vor Krieg und Terror und Gewalt fliehen mussten und nun in unserer Gegend eine Herberge suchen. Bei den Mühseligen und Beladenen. Dort überall sollen wir den Herrn aller Herren suchen. Das sagt uns Weihnachten. Denn: He made himself nothing. Ein Knecht wurde er. Ein Mensch. Und deshalb ist er dort unter den Menschen und bei den Menschen zu finden, besonders bei denen, die ihn nötig brauchen.

Und es ist tragisch und kaum fassbar, dass es damals Menschen gab, die diese Menschenfreundlichkeit Gottes in Jesus Christus nicht sehen wollten oder konnten. Nicht allen gefiel, was Gott damals tat, als er in dem Kind in der Krippe in diese Welt kam. So hatte man sich das nicht gedacht: Gott bei den Mühseligen und Beladenen. Zuerst bei Maria und Josef, dann bei den Hirten und später bei den Armen und den Kranken und den Kaputten der damaligen Gesellschaft. Der, der von Gott erwartet wurde, der Messias, kam als einer, der sich gleich von seiner ungöttlichen Geburt an mit den Allergeringsten abgab. Das passte nicht ins Bild. Weder ins Bild der frommen Theologen noch ins Bild der weltlichen Obrigkeit. Deshalb hat der König Herodes ihm schon als Baby nach dem Leben getrachtet. Und später wurde er verraten, gefangen genommen und gefoltert. Gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben. Dieses alte Anbetungslied zieht Weihnachten und Karfreitag in einem Satz zusammen: „Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.“

Der Kreuzestod Jesu sollte von vorneherein zu seiner Entäußerung dazu gehören. Das Ziel seiner Menschwerdung hatte Jesus erst erreicht, als er, der Gerechte, der Liebe lebte und Freude schenkte, am Kreuz starb. Als das Urteil über ihn gesprochen und an ihm vollzogen wurde. Er erniedrigte sich selbst. He made himself nothing. Der eingeborene Sohn des Vaters starb wenige Jahre, nachdem es das erste Mal Weihnachten wurde, für das, was die Sünde einer ganzen Menschheit ist. Für Gottlosigkeit und Selbstbezogenheit der Menschen. Für böse Gedanken. Für jede Lieblosigkeit. Für die Gleichgültigkeit. Für die Sturheit und Unversöhnlichkeit. Für dich und mich. „Denn Gott ist durch Christus selbst in diese Welt gekommen und hat Frieden mit ihr geschlossen, indem er den Menschen ihre Sünden nicht länger anrechnet.“ (2. Kor. 5, 19 nach Hfa) So deutet der Apostel Paulus das Christusgeschehen etwa zur gleichen Zeit in einem Brief an eine andere Gemeinde in Korinth.

Das ist der Christus Gottes, der Friedefürst, das Kind in der Krippe und der Mann am Kreuz. Das ist der, den Gott vom Tod auferweckte und wieder zu Ehren brachte und dessen Tun er damit für alle Zeit und Ewigkeit bestätigte. Warum Gott vor gut 2000 Jahren diesen Weg ging oder nur gehen konnte, bleibt letztlich ein Geheimnis. Deshalb sind die Weihnachtszeit sowie die Passionszeit seit jeher Zeiten der Besinnung und Einkehr, um diesem Geheimnis begegnen und nachsinnen zu können. Dass wir etwas Anderes aus der Weihnachtszeit gemacht haben, ist ein anderes Thema. Aber das können wir ja ändern.

In diesem Lied werden zum Schluss die beiden Körperteile genannt, auf die es in der Weihnachtszeit und im Glauben generell ganz besonders ankommt: Knie und Zunge. Die Knie beugen vor dem herunter gekommenen Gott, der uns in Jesus begegnet und erkennbar wird, und ihn bezeugen vor den Menschen. Das wäre eine angemessene Antwort auf das Geheimnis der Weihnacht....

Hände und Füße Jesu sein

Hände und Füße Jesu sein

Dr. Alia Abboud ist Direktorin für Entwicklung und Zusammenarbeit der Lebanese Society for Educational & Social Development (LSESD), der Libanesischen Gesellschaft für Bildung und Soziale Entwicklung. Diese baptistische Organisation mit Sitz in Beirut hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Partnerkirchen so zu stärken und mit den nötigen Ressourcen auszurüsten, dass sie den Menschen in ihrer Umgebung helfen können. German Baptist Aid und der Landesverband Bayern des BEFG unterstützen diese Arbeit. In einem Interview mit Julia Grundmann berichtet Alia Abboud, wie LSESD arbeitet und was sie dabei erlebt.  
Dr. Alia Abboud, was sind die Aufgaben von LSESD?
Wir haben sechs verschiedene Arbeitsbereiche, durch die wir die Kirchen ermutigen und der Gesellschaft dienen wollen: das Arabische Baptistische Theologische Seminar (ABTS), unseren Verlag „DAR MANHAL AL HAYAT“ (Quelle des Lebens), die Baptistische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen (BCYM), das Programm MERATH (Middle East Revive and Thrive, was so viel bedeutet wie „Der Nahe Osten lebt und gedeiht“), SKILD (Smart Kids with Individual Learning Differences, also „Schlaue Kinder mit Lernschwierigkeiten“) und die Beirut Baptist School, eine Schule für 3- bis 18-Jährige, die eine exzellente akademische Ausbildung anbietet, die auf christlichen Werten basiert. Das ermöglicht uns, sehr integrativ und ganzheitlich zu arbeiten. ###3_IMAGES###
Wo ist LSESD tätig?
Unser Fokus liegt vor allem auf dem Nahen Osten und Nordafrika. Von unseren sechs Arbeitsbereichen arbeiten einige eher lokal, andere regional und wieder andere sogar global. Wenn wir uns also beispielsweise das Theologische Seminar ansehen: Dort studieren Menschen aus Marokko, Algerien, Tunesien, Ägypten, Syrien, aus dem Irak, dem Sudan und dem Libanon. Wir haben aber auch Onlinestudienprogramme, die sogar Studierende in den Golfstaaten erreichen. Unser Verlag arbeitet gerade an einem Langzeit-Entwicklungsprojekt, bei dem akademische Lehrbücher herausgeben werden sollen, die dann in theologischen Seminaren und Schulen in ganz Nordafrika und dem Nahen Osten genutzt werden können.
Im Libanon ist fast jeder dritte Mensch ein Flüchtling. Insgesamt sind es geschätzt 1,5 Millionen Syrer und Syrerinnen, die hier Schutz suchen. Welche Rolle spielt LSESD in dieser Situation?
Wir wollen durch unsere Arbeit insgesamt eine Kulturveränderung bewirken. Vielleicht kann eine kleine Geschichte das gut veranschaulichen: Als der Syrienkrieg begann, besuchte ich einen Pastor nahe der syrischen Grenze und fragte ihn: „Warum engagiert Ihr euch als Gemeinde nicht in der Flüchtlingsarbeit für syrische Geflüchtete? Er antwortete mir: „Wenn wir das tun, würden wir viele unserer Gemeindemitglieder verlieren, denn sie leiden immer noch an den Verletzungen die sie durch die syrischen Soldaten erfahren haben.“ Das stimmte mich traurig, weil ich überzeugt davon war, dass es eine gute Gelegenheit gewesen wäre, „Hände und Füße Jesu“ zu sein. Ein Jahr später kam dieser Pastor auf LSESD zu und fragte, ob sie als Gemeinde nicht ein Lernzentrum für 100 syrische Flüchtlingskinder einrichten könnten. Zwei Jahre später gründeten sie noch ein Zentrum für 200 Kinder. Im dritten Jahr eröffneten sie einen Spiel- und Freizeitraum für nochmal 65 Kinder. Als ich den Pastor fragte, wie diese Veränderung zustande käme, sagte er: „Gott nutzt unsere Arbeit mit den syrischen Geflüchteten, um uns etwas über ihn beizubringen. Und die erste Lektion, die wir gelernt haben, ist Vergebung!“ Diese Gemeinde hat nicht ein libanesisches Mitglied verloren.
Wenn jemand in eine unserer Gemeinden kommt, dann ist es nicht wichtig, welche politische Meinung er hat und auf welcher Seite er steht. Die Kirche ist ein Ort, an dem jeder willkommen ist. Und das ist die Rolle, die die Kirche in diesen unruhigen Zeiten einnehmen sollte: eine friedfertige Rolle – sowohl in Syrien als auch im Libanon als auch in anderen Teilen der Welt. Wir sind Hände und Füße Jesu.
Was unterscheidet LSESD von anderen Nichtregierungsorganisationen?
Ich bin eine Geschichtenerzählerin, also möchte ich auch dazu eine Geschichte erzählen: Der Pastor einer unserer Partnergemeinden und seine Familie leben in Syrien in einer Region, die zu Kriegsbeginn viele Binnenvertriebene aufnahm. Also öffneten sie ihre Kirche und halfen den Menschen mit allem, was sie zum Leben brauchten. Als ich einmal mit einer Kollegin die Gemeinde besuchte, staunten wir über die vielen Gottesdienstbesucherinnen und -besucher. Der ganze Gang, der Altarraum – alles war mit Stühlen vollgestellt. Meine Kollegin und ich mussten uns einen Stuhl teilen, weil alle Sitzplätze belegt waren. Das Dach der Kirche war undicht und es tropfte die ganze Zeit durch die Decke. Eine Klimaanlage gab es nicht. Aber die vielen Leute saßen einfach da und feierten Gottesdienst mit viel Wärme in ihrem Herzen. Sie kamen in diese Gemeinde, weil sie sahen, dass es eine Gemeinde war, die Liebe und Fürsorge lebte. Sie sagten: „Wir kommen, weil euer Jesus Gebete erhört und weil ihr euch mit großer Ernsthaftigkeit um uns kümmert.“ Unser Antrieb ist ein anderer als der von nichtchristlichen Hilfsorganisationen. LSESD ist eine glaubensbasierte Organisation, deren Ansatz ganzheitlich ist. Wir glauben, dass glaubensbasierte Organisationen wie LSESD eine Rolle bei der Bewältigung von Problemen wie Armut und Verletzlichkeit spielen müssen. Warum? Weil der Glaube zählt! Er ist Teil des Alltags.###3_IMAGES###Was verbirgt sich hinter SKILD?  
In dem Kontext, in dem wir leben, haben es Menschen, die „anders“ sind, oftmals schwer. Gerade Kinder mit besonderen Bedürfnissen werden häufig einfach nicht verstanden. Deshalb haben wir 2011 mit SKILD begonnen. Dabei ging es zunächst vor allem um individuelle Unterstützung der Kinder in unseren Lernzentren. Zur selben Zeit machte ein lokaler Fernsehsender eine Dokumentation über Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Darin sprachen der Geschäftsführer von LSESD Nabil Costa und seine Frau darüber, welch ein Segen ihr Kind für sie ist. So etwas war bisher noch nie dagewesen. Als die Sendung ausgestrahlt wurde, erhielten wir Anrufe aus dem ganzen Land von Familien, die mit derselben Situation kämpften, aber nicht wussten, dass ihren Kindern geholfen werden kann. Deshalb machten wir es uns – neben der individuellen Hilfe – zur Aufgabe, dass die Wahrnehmung dieser Kinder im Land zunimmt. Und dabei arbeiten wir mit dem Bildungsministerium und dem British Council zusammen und beziehen auch immer die Medien mit ein.
Apropos Medien: Einer der Arbeitsbereiche ist der DAR MANHAL AL HAYAT-Verlag. Was wird außer den eingangs erwähnten Lehrbüchern noch vom Verlag veröffentlicht?
Faszinierend ist hier besonders die Wirkung der Bilderbibeln, die unser Verlag herausgegeben hat. Eigentlich waren diese für Kinder bestimmt, aber wir waren sehr erstaunt, wie hoch die Nachfrage auch bei den Erwachsenen war. Eine Frau erzählte, dass ihre Neffen eine Bilderbibel geschenkt bekamen; da der Vater aber nicht lesen konnte, fragte er sie, ob sie den Jungen nicht vorlesen könne. Sie sagte: „Je mehr ich las, desto fragender wurde ich. Also fragte ich meinen Bruder, woher er die Bibel habe. Er gab mir die Adresse der Kirche.“ Die Frau nahm die Bilderbibel, ging zu der Gemeinde und sagte: „Ich habe das hier, nun gebt mir bitte das echte Buch.“ Also schenkte man ihr eine Bibel. Sie las die Bibel und wandte sich mit ihren Fragen immer wieder an die Gemeinde. Schließlich kam sie zum Glauben. Ich durfte bei ihrer Taufe dabei sein, bei der sie sagte, sie sei durch die Bilderbibel zum Glauben gekommen. Das ist so wunderbar!

Vielen Dank für dieses Gespräch, Alia Abboud!

Ein herzliches Dankeschön auch an German Baptist Aid und den Landesverband Bayern für die Unterstützung unserer Arbeit. Das ist ein großer Segen für uns. Gott begabt uns alle unterschiedlich. Nicht alle haben die Gabe, zu predigen oder zu evangelisieren. Aber wenn wir unseren Glauben leben, uns als Christinnen und Christen aktiv in die Gesellschaft einbringen, dann machen wir die Menschen um uns herum auf Christus aufmerksam. Das ist etwas, was ich bei meiner Tätigkeit bei LSESD gelernt habe. Alles, was der Herr von uns will, ist, dass wir ihm vertrauen und ihm gehorsam sind, der Rest ist Gottes Werk. Aber wir sind seine Hände und seine Füße.
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Baptismus und Sozialismus

Baptismus und Sozialismus

Der Studientag „Baptismus und Sozialismus“ des Historischen Beirats beschäftigte sich am 30. November mit dem Verhältnis der Baptisten zum Sozialismus und Kommunismus in den Umbrüchen des 20. Jahrhunderts.

Wie entwickelte sich das Verhältnis zwischen Marxisten und freikirchlichen Christen? Wie viel Sozialismus steckte im DDR-Bund? Und was bedeutete dies für die Beziehungen zum westdeutschen Bund in der eher antikommunistisch orientierten Bundesrepublik? Und schließlich: Wie haben sich Baptisten 1989/90 zum Ende des Staatssozialismus verhalten, und wie weit sind Gemeinden im Osten bis heute geprägt durch die sozialistische Vergangenheit? Das waren die Fragen, die auf dem Studientag 30 Jahre nach der Friedlichen Revolution und 50 Jahre nach Gründung des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) in der DDR gestellt wurden. Die Tagung wurde vom Historischen Beirat des BEFG sowie vom Verein „Evangelisch-Freikirchliche Zeitgeschichte“ veranstaltet und fand in der EFG Berlin-Friedrichshain statt, in dem einzigen Gebäude der Baptisten in der DDR, das vor allem mit Geldern aus der BRD und des Weltbundes gebaut werden konnte.

Dr. Simone Thiede, Religionswissenschaftlerin aus Hamburg, und die Leiter des Historischen Beirats, Dr. Andreas Liese und Reinhard Assmann, untersuchten, wie die deutschen Baptisten sich mit den Sozialisten auseinander gesetzt haben. Während sich Baptisten besonders in den englischsprachigen Ländern in verschiedenen Fragen bewusst politisch engagierten und das als diakonische Aufgabe ansahen, war das Ideal der deutschen Baptisten eher sich aus der Politik herauszuhalten. Diakonie wurde als Einzelfallhilfe verstanden, nicht als politische Aufgabe. Trotzdem gab es immer wieder Personen wie Carl August Flügge, der feststellte, dass Sozialisten und Baptisten Interesse haben, die soziale Notlage der Arbeiter zu lindern. Beide Gruppen gehörten für Reichskanzler Bismarck zu den Reichsfeinden, fremdelten aber miteinander, weil Baptisten den atheistischen Sozialismus nicht akzeptieren konnten und religiöse Sozialisten Mühe hatten, verstanden zu werden. In der entstehenden DDR kannten sich manche Kommunisten und Kirchenleute aus ihrer Zeit in den Konzentrationslagern und mussten ein neues Miteinander im Alltag finden. Das war je nach politischer Großwetterlage und persönlichem Standort zu manchen Zeiten schwierig und herausfordernd. Der Kalte Krieg forderte die Beschäftigung mit dem Sozialismus und Marxismus heraus. In einem Interview mit Diethard Dahm wurde dabei deutlich, dass die Antworten und Konsequenzen für Baptisten in der DDR und für die Studentenbewegung der 68er in der Bundesrepublik sehr unterschiedlich waren. Beeindruckend waren in diesem Zusammenhang auch die Zeitzeugenberichte von Prof. Dr. Carl-Jürgen Kaltenborn, Ingrid Ebert und Uwe Dammann.

Die rund 70 Teilnehmenden waren überwiegend Menschen mit DDR-Erfahrung. Deutlich wurde dabei, dass Gespräche mit Zeitzeugen notwendig sind. Es gibt zum Beispiel nur wenig Quellen aus baptistischen Gemeinden darüber, wie Einzelne oder Gemeinden sich an der Friedlichen Revolution beteiligt haben. Könnte der Historische Beirat des BEFG zum Beispiel regelmäßig zu Erzähl-Tagen einladen? Vielleicht wird es über diesen Weg auch möglich, Verletzungen und Missverständnisse zwischen Ost und West aufzuarbeiten sowie politische und ethische Verantwortung neu zu reflektieren....

Werner Wolf verstorben

Werner Wolf verstorben

Werner Wolf ist am 19. Dezember 2019 im Alter von 94 Jahren gestorben. Von 1976 bis 1988 gehörte er der Bundesleitung des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) an und war von 1984 bis 1988 dessen Vizepräsident.
Zudem hatte er sechs Jahre lang das Amt des Vorsitzenden der Abteilung Heimatmission inne. Als 1984 der Kongress der Europäischen Baptistischen Föderation (EBF) in Hamburg stattfand, war er der Vorsitzende des Organisationskomitees. Von 1990 bis 2000 war er Datenschutzbeauftragter des Bundes. Auch war er Mitglied der Mandatsprüfungskommission des Bundesrates. In der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Hamburg-Harburg, der er bis zu seinem Tod angehörte, war er 25 Jahre lang Gemeindeleiter. Von Beruf Vermessungsingenieur diente er jahrzehntelang als Laienprediger in vielen Gemeinden Norddeutschlands.
Bescheiden, freundlich, zugewandt, mit einer großen Liebe zur Gemeinde – so beschreiben ihn seine Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter. „Gott schenkte ihm die Gabe der Leitung und er ist vielen Menschen zum Segen geworden“, heißt es in einem Kondolenzschreiben von BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba an die Witwe des Verstorbenen. Pastor i.R. Eckhard Schaefer, der Werner Wolf seit 1950 kannte, sagt über ihn: „Er war ein wahres Organisationstalent: zuverlässig, gewissenhaft und in gutem Sinne prinzipientreu.“
Werner Wolf hinterlässt seine Frau Ilse Wolf, mit der er im April 2018 Gnadenhochzeit (70 Ehejahre) feiern konnte.
Die Beerdigung findet am Montag, dem 13. Januar, um 11:30 Uhr auf dem Neuen Friedhof Harburg, Bremer Straße 236 in 21077 Hamburg statt....

Frischer Wind in den Mühlen

Frischer Wind in den Mühlen

„Wo der Wind des Wandels weht, bauen die einen Windmühlen und die anderen Mauern“ – so sagt es ein chinesisches Sprichwort. Frischen Wind für die Zukunft wünscht sich auch der Landesverband Baden-Württemberg, wie Renate Girlich-Bubeck und Annette Tesch vom Landesverband berichten.

Auch wenn die Windmühlen eher in den nördlichen Bereich der Republik passen, hat sich der Landesverband Baden-Württemberg entschieden, „Windmühlen“ für die Struktur und die Leitung des Landesverbandes zu bauen. Wie in vielen Landesverbänden so hat sich auch in Baden-Württemberg manches geändert. Die Gründe dafür sind vielfältig. Beim letzten Rat stellte sich die Frage, wie die Arbeit konkret weitergehen und was „die Mühlen“ antreiben soll. Schnell war man sich einig, dass diese Frage nach unserem Verständnis nicht nur von der Leitung, sondern von den Gemeinden bedacht werden soll. Eine „Zukunftswerkstatt“ wurde vorgeschlagen.

Der Einladung waren 33 interessierte Engagierte aus 15 Gemeinden des Ländles gefolgt. Gemeinsam mit der Leitung des Landesverbandes wurde über dessen Zukunft nachgedacht und diskutiert. In kontroversen Unterhaltungen und persönlichen Berichten wurde ein breites Bild der aktuellen Situation gezeichnet. Der Landesverband ist durch seine Angebote vielfältig erlebbar und wird doch in seiner Funktion von Gemeinde zu Gemeinde sehr unterschiedlich wahrgenommen. Im intensiven Austausch wurden Erwartungen und Wünsche der Gemeinden an die Arbeit des Landesverbandes zusammengetragen. Vernetzen – austauschen – beraten, das sind und bleiben zentrale Aufgaben! Aber welche Strukturveränderungen sind nötig, um in dieser Weise handlungsfähig zu sein? Diese Frage wird uns im zweiten Teil der Zukunftswerkstatt am 8. Februar 2020 beschäftigen. Dazu sind erneut alle Interessierten eingeladen! Rückmeldungen aus Gemeinden, Resultate der ersten Zukunftswerkstatt, Ergebnisse des Thinktanks des Bundes und die Auswertung der Gemeindeberichte für das Berichtsheft werden Grundlage für weitere Überlegungen sein, um den erforderlichen Wind für die Mühlen nicht zu hindern, sondern ihm Freiraum zu geben. Viele Menschen in Baden-Württemberg beten um Weisheit und gute Entscheidungen, und so haben wir Mut und Zuversicht für den weiteren Weg!...