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Bericht vom Auftakt in Hamburg: 500 Jahre Täuferbewegung

Bericht vom Auftakt in Hamburg: 500 Jahre Täuferbewegung

Ein ökumenischer Gottesdienst am 10. Oktober in Hamburg bildete den Auftakt zum Gedenken an 500 Jahre Täuferbewegung. Fünf Themenjahre stehen bis 2025, dem Gedenken an die erste täuferische Glaubenstaufe 1525, unter der Überschrift „gewagt!“. Die Zeremonie, eine Podiumsdiskussion und die Grußworte von Vertreterinnen und Vertretern aus Kirche und Politik machten deutlich: Dieser dritte Flügel der Reformation setzte sich von Anfang an gegen teils heftige Widerstände für Ideale wie Religionsfreiheit und Gewaltlosigkeit ein, die noch heute von ungebrochener Aktualität sind.

Im Mittelpunkt der Eröffnungszeremonie stand die symbolhafte Weitergabe eines Wanderstabs, der ein Zeichen der Täuferbewegung war, wie die 1. Vorsitzende des Vereins „500 Jahre Täuferbewegung 2025“, die Mennonitin PD Dr. Astrid von Schlachta, hervorhob: „Täufer waren häufig auf Reisen: Oft freiwillig, um die christliche Botschaft weiterzugeben, oft aber auch erzwungen, weil sie wegen ihrer Überzeugungen stets mit Verfolgung und Landesverweis rechnen mussten.“ Zudem stehe der Wanderstab für die Entscheidung der Täufer, diesen nicht – wie damals auf Reisen üblich – zur Verteidigung zu nutzen, sondern sich stattdessen für Gewaltlosigkeit einzusetzen. ###3_IMAGES### Dr. Andreas Liese, Baptist und 2. Vereinsvorsitzender, beschrieb die Täufer bei der Zeremonie als „kleine Herde, die auf der Gewissens- und Glaubensentscheidung des Einzelnen beruhte, nicht auf der Untertanenpflicht“ – ein Aspekt, den auch die Historikerin Prof. Dr. Andrea Strübind hervorhob. So habe für die Täuferbewegung der Grundsatz gegolten: „Christus als alleiniger Hirte und Herr – machtkritisch, anstrengend, basisdemokratisch. Eine Provokation, ein Ideal, ein Erbe, das wie ein Stachel im zufriedenen, frommen Fleisch steckt.“ Deshalb hätten Täufer lange unter schwerer Verfolgung leiden müssen: „Bis zu 2.500 Hinrichtungen von Täufern und Täuferinnen lassen sich allein für das 16. Jahrhundert nachweisen.“ Dies habe zu Glaubensmigration geführt, wie Johannes Dyck, Leiter des Instituts für Theologie und Geschichte am Bibelseminar Bonn, aufzeigte: „Wieder unterwegs sein – auf der Flucht – auf der Suche nach einer Zuflucht – wo Täufer und Täuferinnen geduldet und nicht verfolgt werden. Aufbruch ins Ungewisse, alles loslassen, voller Angst und Trauer, aber auch voller Vertrauen in Gottes Führung.“ ###3_IMAGES### Am Ende des Eröffnungsrituals reichten einander zwei Vertreterinnen und ein Vertreter aus Kirche und Ökumene den Wanderstab weiter und verbanden dies mit einem Segenswort: die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden (AMG) Doris Hege, die Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland Dr. Verena Hammes und der Präsident der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) und Generalsekretär des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) Christoph Stiba.
In seiner per Video übertragenen Predigt zu Matthäus 7,24-29 stellte der amerikanische Historiker Prof. John D. Roth Charakteristika des Wirkens Jesu Christi heraus, die Teil von dessen „Vollmacht“ gewesen seien und die Täuferbewegung inspiriert hätten. Jesus habe Gastfreundschaft praktiziert, die „über die ethnischen Grenzen“ hinausreichte bis zu den Samaritern. „Er wandte sich Leprakranken und Krüppeln und Bettlern genauso zu wie römischen Hauptleuten oder den religiösen Eliten des Judentums.“ Jesus habe in großer Ehrlichkeit Dinge offen angesprochen. Auch ein Kennzeichen der frühen täuferischen Bewegung sei die wahrheitsgetreue Rede gewesen: „Die Täufer weigerten sich, Eide zu schwören, einfach, weil sie davon ausgingen, dass die Nachfolger Jesu immer die Wahrheit sagen.“ Jesu Heilungen hätten auf eine Wiederherstellung des ganzen Menschen abgezielt, was auch Menno Simons, den Namensgeber der Mennoniten, inspiriert habe, den Roth mit den Worten zitierte: „Wahrer evangelischer Glaube kann nicht schlummern. Er kleidet die Nackten, er nährt die Hungrigen, er tröstet die Trauernden, er beherbergt die Mittellosen, er dient denen, die ihm schaden, er verbindet das Verwundete, er ist allen Geschöpfen alles geworden.“ Schließlich sei Jesus Christus ein Vorbild an Demut gewesen, jedoch nicht in einer angstvollen, sondern einer kühnen Form: „Dies ist das Herzstück des täuferischen Verständnisses von Gelassenheit − nicht Selbsterniedrigung, sondern ein ‚Nachgeben‘ gegenüber dem Heiligen Geist und dem Beispiel Christi.“ ###3_IMAGES### Eine Vertreterin aus der Politik und drei kirchliche Vertreter hielten Grußworte: Petra Lotzkat, Staatsrätin der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration der Freien und Hansestadt Hamburg, Erzpriester Radu Constantin Miron, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland, Weihbischof Horst Eberlein vom Erzbistum Hamburg sowie VEF-Präsident und BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba.
Petra Lotzkat hob die geschichtliche Bedeutung der Täuferbewegung hervor und würdigte das große gesellschaftliche und soziale Engagement von Kirchen, die in dieser Tradition stehen. Gerade in der Stadt Hamburg hätten die Mennoniten mit ihrem wirtschaftlichen Erfolg stets zum gesellschaftlichen Miteinander beigetragen. Hamburg beziehungsweise Altona, so hob die Staatsrätin hervor, hätten den Täufern in den vergangenen Jahrhunderten stets Offenheit und Toleranz entgegengebracht, wovon bis heute die Straße „Große Freiheit“ zeuge. Dort siedelten sich nicht nur Täufer an, sondern auch andere Religionsgemeinschaften, die anderswo verfolgt wurden. ###3_IMAGES### Radu Constantin Miron hob das große Interesse der ACK am Täufergedenken hervor: „Gerade nach dem großen Reformationsjubiläum 2017 ist es wichtig, auch jene Kirchen in den Blick zu nehmen, die damals womöglich etwas zu kurz gekommen sind; der sogenannte linke Flügel der Reformation.“ Denn hier gehe es „um Themen wie Mündigkeit und Religionsfreiheit. Oder – wieder einmal hochaktuell – die ungemein wichtige Tradition der Friedenskirchen, die bis heute für die Herausforderung eines konsequenten Lebens von Gewaltlosigkeit steht.“ Die ACK begleite das Täufergedenken, und dieses Begleiten umfasse auch den Austausch „über das so zentrale Thema Taufe; er ist nicht abgeschlossen; ich behaupte aber, dass unser ökumenisches Gespräch darüber in den letzten Jahren und Jahrzehnten gegenseitiges Verständnis und Vertrauen füreinander bewirkt hat.“
Christoph Stiba zeigte sich dankbar, dass das Täufergedenken ökumenisch begangen werde und „von Anfang an nicht nur Mennoniten und Baptisten zusammensaßen, sondern die ACK sich hinter dieses Projekt gestellt hat.“ Wie andere würdigte Stiba auch Bernd Densky: „Als Freikirchlicher Referent in der ACK war er von Anfang an treibende Kraft im Täufergedenken. Natürlich auch als Baptist, aber er hat dieses Anliegen in die ACK getragen und als Geschäftsführer des Vereins ‚500 Jahre Täuferbewegung 2025‘ vernetzt und gesteuert. Dass er heute wegen seiner Erkrankung nicht hier sein kann, bedauere ich sehr! Wir haben ihm viel zu verdanken und wollen ihn in unserem Tun und in unseren Gebeten nicht vergessen.“###3_IMAGES### Im Blick auf gegenseitige Verletzungen zwischen Landes- und Freikirchen sprach Christoph Stiba den Wunsch aus, dass die fünf Jahre des Gedenkens zu einer „Heilung der Erinnerung“ beitragen mögen: „Wir sollten gemeinsam darauf hinarbeiten, dass im Jahr 2025 die Heilung manch unseliger Erinnerungen und die Versöhnung im Mittelpunkt stehen und Ausdruck finden.“ Die Geschichte der Konfessionen sei „keine einseitige Verletzungsgeschichte: Die schmerzhafte Selbsterkenntnis der Freikirchen liegt darin, dass uns in den Freikirchen immer deutlicher bewusst wird, wo wir selbstgerecht und überheblich, also nicht dem Geist Gottes gemäß in Vergangenheit und Gegenwart über den Glauben und die Frömmigkeit unserer landeskirchlichen Geschwister geurteilt haben und urteilen.“ Am Ziel der Versöhnung wolle „die VEF gerne weiter mitwirken.“

Horst Eberlein verlas das Grußwort des Hamburger Erzbischofs Dr. Stefan Heße, das das Motto des Täufergedenkens „gewagt!“ in Bezug stellte zu aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen wie Klimawandel, Arbeitslosigkeit, wirtschaftliche Probleme oder Corona-Pandemie. „Vertrauen wagen – Nachfolge wagen! In all diesen ungewissen Zeiten, die es auch schon vor Corona gab, können wir Christen auf Jesus Christus vertrauen.“ Es sei schön, dass „wir Kirchen uns über unser ‚Wagnis der Nachfolge‘ heute zur Eröffnung des Täufergedenkens austauschen und wir zusammen das Wagnis der Täuferbewegung feiern. Denn das haben wir gemeinsam: Die Nachfolge Christi ist ganz schön gewagt!“ ###3_IMAGES### Vor der Zeremonie hatten Radu Constantin Miron und Christoph Stiba auf einem Podium mit der AMG-Vorsitzenden Doris Hege und dem mennonitischen Theologen und Friedensforscher Prof. Dr. Fernando Enns über die Frage diskutiert, was Religionsfreiheit für die Kirchen heute bedeutet. Enns beschrieb in diesem Zusammenhang Evangelisation als ein herausforderndes Thema in der Ökumene. Im Zentrum stehe hier die Frage: „Wie haltet ihr es mit dem Anders- und Nichtglaubenden?“ Gute Antworten auf die Frage nach einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Mission und dem Respekt vor den Überzeugungen Andersdenkender gebe das ökumenische Papier „Das christliche Zeugnis in einer multireligiösen Welt“. Doris Hege wies auf das Beispiel Jesu Christi hin: „Er hat die Menschen geachtet und sie entscheiden lassen, was sie wollen. Bekennen wir unseren Glauben aus innerer Erfüllung oder mit einem angstmachenden Element?“ Radu Constantin Miron berichtete, dass das politische Umfeld der orthodoxen Kirche, wie der Kommunismus oder das Osmanische Reich, lange Zeit keine Mission zugelassen hätte. Mission sei daher undenkbar gewesen. Durch die ökumenischen Begegnungen hätten sich in letzter Zeit hier vermehrt vielfältige Lern- und Erfahrungsorte für die Orthodoxie eröffnet. Christoph Stiba berichtete über ein aktuelles Beispiel für den Einsatz von Christen für die Religionsfreiheit einer anderen Gemeinschaft. So hätten sich jüngst Baptisten in Russland angesichts der neuen diskriminierenden Religionsgesetzgebung für die Zeugen Jehovas eingesetzt. Am Ende der Diskussion forderte Fernando Enns, Kirche müsse sich stets fragen, wo sie Privilegien habe, durch die sie anderen Kirchen oder Religionsgemeinschaften möglicherweise ihre Religionsfreiheit nehme: „Inwieweit sind wir als Kirchen bereit, auf Privilegien gegenüber anderen Religionen zu verzichten?“...

Auf Augenhöhe – trotz Corona – von 14 bis 90 Jahren

Auf Augenhöhe – trotz Corona – von 14 bis 90 Jahren

Lange hatte die EFG Essen-Borbeck (Am Weidkamp) ihre Gemeindefreizeit geplant, und dann kam Corona. Nach Überlegen, Umplanen und unter Berücksichtigung der notwendigen Schutzmaßnahmen trafen sich am Wochenende über den 3. Oktober dann aber doch ca. 45 Menschen in Eversberg bei Meschede. Sie erlebten in einem Freizeitheim, das mitten im Wald liegt, drei frohe Tage als Mehrgenerationengemeinde.

Das Anliegen war, das Miteinander als Generationen zu stärken und zu fördern. Dazu hatten sie Jutta Teubert vom Fachbereich Familie und Generationen eingeladen. Sie hat das Programm „Auf Augenhöhe“ mit konzipiert und schon oft durchgeführt. Offen und interessiert ließen sich alle Generationen auf die Inhalte und auch auf die kreativen Angebote ein. Dabei ging es um die Vielfalt der Generationen, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten, in einer Kreativaktion um das „Traumhaus der Gemeinde“ und um die Frage, wie Plattformen für Begegnungen geschaffen werden können. Dabei wurden Projekte, die es in der Gemeinde schon gibt, in den Blick genommen, und es entstand Offenheit, auch Neues auszuprobieren. Besonders Spaß machte eine Interaktion, die bei gutem Wetter im Freien stattfinden konnte. Dabei wurde auch wahrgenommen: Sich in andere Lebenssituationen hineinzuversetzen, schafft Verständnis füreinander, gemeinsames Tun und auch, einfach miteinander zu lachen, verbindet. Interessant war der Austausch über Bilder mit verschiedenartigen Brücken – von stabil bis brüchig, große und kleine Distanzen überwindend. Viele wählten Brücken, die nur einen geringen Abstand überspannten. Das zeigt, dass die Generationengemeinschaft innerhalb der Gemeinde weitgehend als positiv wahrgenommen wird – aber auch die Notwendigkeit, Brücken zu bauen, wofür es manchmal Mut braucht.

Am Sonntag wurde unter Mitgestaltung aller Generationen ein Gottesdienst gestaltet zum Thema „Einander etwas zutrauen, fördern, ermutigen“ (2. Tim. 1,7) und zur Beziehung von Paulus und Timotheus. Dabei wurde auch die Collage vom Vortag zum Thema „Mein Traum von Gemeinde“ einbezogen. Es gab anschauliche und handlungsorientierte Elemente, zum Beispiel einen Gebetsteil mit Stationen zum Danken und Bitten.

Vieles wurde auf Flipchart festgehalten und soll vor Ort weiter wirken – wie Samenkörner, die gesät wurden und nun gehegt und gepflegt werden müssen....

Gemeindearbeit mit älteren Menschen

Gemeindearbeit mit älteren Menschen

Am 2. Oktober fand ein Onlinewerkstattgespräch zu den Bedürfnissen, Potenzialen und Ressourcen älterer Menschen in der Gemeinde statt. Dagmar Lohan, Referentin im Fachbereich Familie und Generationen, berichtet.

Welchen Bedarf haben ältere Menschen innerhalb der Gemeinde? Welche Ressourcen und Potenziale bringen sie mit? Und wie kann beides miteinander vereinbart werden?

Zu diesen Fragen initiierte das Forum Älterwerden im BEFG ein Online-Werkstattgespräch. 13 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren am 2. Oktober dabei und brachten ihre eigenen Erfahrungen und Wahrnehmungen ein. Grundlage für das Gespräch waren zwei Impulsfilme von Prof. Dr. Ralf Dziewas, Professor für Diakoniewissenschaft und Sozialtheologie der Theologischen Hochschule Elstal. Darin stellte er die verschiedenen Altersphasen dar und erläuterte die Milieuvielfalt im Alter ausführlich dar.

Der Austausch in kleineren Gruppen und in der großen Runde war rege und zeigte deutlich auf, dass die älteren Erwachsenen in einer Gemeinde nicht über einen Kamm zu scheren sind und dass manch gutes Angebot nicht alle erreicht und alle Bedürfnisse abdeckt. In einer Umfrage unter den Teilnehmenden wurde deutlich, dass ein Bewusstsein für die Vielfalt und die unterschiedlichen Milieus vorhanden ist oder sich entwickelt. Dass sich diese Erkenntnisse aber in der Realität der Gemeindearbeit nicht unbedingt wiederfinden.

In ihrem Impuls hob Dagmar Lohan, Referentin im Fachbereich Familie und Generationen, hervor, dass Individualisierung und Vielfalt in den Gemeinden längst gelebt wird. Sie machte deutlich: „Die Herausforderung besteht darin, dass ein hohes Maß an Toleranz und Kreativität gefragt ist, um hier neue Wege zu finden und sie mutig zu gehen. Altern ist ein Prozess, der jeden Menschen begleitet und sich sehr unterschiedlich ausdrückt. So werden in der Gemeindearbeit heute und zukünftig eher Interessen, Lebensentwürfe und persönliche Glaubensentwicklungen eine Rolle spielen. Der Versuch, definierte Altersgruppen dauerhaft für ein Gruppenangebot zu gewinnen, wird schon heute weniger angenommen.“

In ihrem Schlusswort wies Jutta Teubert, Moderatorin und Leiterin des Forum Älterwerden, darauf hin, dass es heute und zukünftig um Gemeindearbeit MIT Älteren und nicht für sie gehen sollte. Selbstbestimmtheit und Teilhabe haben dabei große Bedeutung. Sie machte Mut, Neues auszuprobieren, denn: „Es gibt noch viel zu tun!“  So ging eine motivierende Veranstaltung zu Ende, die Lust darauf macht, ältere Menschen in und um die Gemeinde herum neu zu entdecken und sich auf den Weg zu machen....

Jeder ist ein wenig wie alle

Jeder ist ein wenig wie alle

Bei der Jahrestagung der Evangelisch-Freikirchlichen Kindertagesstätten (AGEF KITA) ging es um Vielfalt und wie man dieser Vielfalt wertschätzend begegnen kann. Darüber berichtet Gabriele Löding, BEFG-Referentin für Diakonie und Vorstandsmitglied der AGEF KITA.

„Jeder ist ein wenig wie alle, ein bisschen wie manche, einzigartig wie niemand sonst“ (Quelle unbekannt). Mit diesem Zitat könnte man das Thema der diesjährigen Jahrestagung der Evangelisch-Freikirchlichen Kindertagesstätten am 18. September zusammenfassen.

Es ging um die Vielfalt der Kinder und Eltern, die unsere Einrichtungen besuchen und wie man dieser Vielfalt so begegnen kann, dass jede und jeder sich wertgeschätzt fühlt. Eigentlich wollten wir unsere Jahrestagung bunt und vielfältig gestalten, live in Elstal und Berlin. Es sollte einen interkulturellen Spaziergang im bunten Stadtbezirk Wedding geben, mit Begegnungen und Falafel-Abendessen und viel Raum zur persönlichen Begegnung.

Doch dieses Programm ließ sich unter den Coronabedingungen nicht durchführen. Da die Lage auch für die Kitas nach den Sommerferien nicht einzuschätzen war, entschied sich der Vorstand, die Jahrestagung eintägig digital durchzuführen.

Den 30 Teilnehmenden wurde zu Beginn erstmal die Möglichkeit zum Austausch in Kleingruppen gegeben, der freudig und rege wahrgenommen wurde.

Mirjam Ekelmann von „Wir gestalten e.V.“ der Baptistenkirche Wedding, die dort für das Patenprogramm zuständig ist und viel mit Menschen anderer Kulturen zusammenarbeitet, hielt das erste Kurzreferat und klärte zunächst einmal den Kulturbegriff. Beim Auflisten der Kulturdimensionen wurden die Unterschiede zum Beispiel im Umgang mit Zeit, Macht und Risiko deutlich. Zudem wurde ersichtlich, dass interkulturelles Lernen heißt, in den Dialog zu treten und Kompromisse sowie gemeinsame Lösungen zu finden.

Ich ergänzte das Thema um den interreligiösen Bereich. Wie geht eine Kita mit der religiösen Vielfalt um, wenn sie eine christliche Kita ist? Sie verdeutlichte, dass es dazu nötig ist, dass die Erzieherinnen und Erzieher zunächst ihre eigenen Einstellungen ihrer Religion und anderen Religionen gegenüber reflektieren. In einer Atmosphäre der Wertschätzung, Offenheit und Toleranz sind dann in der Kita Gespräche und Fragen über verschiedene Aspekte der Religionen möglich.

Andrea Pauly, Einrichtungsleiterin im Familienzentrum in Siegen, ergänzte das Thema durch ihren Beitrag, wie im konkreten Kitaalltag das Thema Interkulturalität zum Tragen kommt. Sie erzählte, dass in ihrem Familienzentrum die verschiedenen Nationen, aus denen die Kinder kommen, schon im Eingangsbereich sichtbar werden, indem die Orte in Deutsch und der jeweiligen Heimatsprache aufgeführt sind und Uhren hängen, an denen die Uhrzeiten in den jeweiligen Ländern abzulesen sind. Es wird in der Einrichtung deutsch gesprochen, doch gibt es auch Bilderbücher in unterschiedlichen Sprachen und Puppen mit unterschiedlicher Hautfarbe. Ein interreligiöser Kalender zeigt die Vielfalt und durch interkulturelle Feste wird die Vielfalt erlebt.

Iman Andrea Reimann vom deutsch-muslimischen Zentrum in Berlin stellte in ihrem Referat das Konzept ihrer interkulturellen Kita vor, die aus einer Elterninitiative entstand. Dabei wurde deutlich, dass sich ihrer Einrichtung die gleiche Frage stellt: Wie geht eine Kita mit der religiösen Vielfalt um, wenn sie eine muslimische Kita ist?

Weiterführend und sehr spannend ist, dass Frau Reimann seit fünf Jahren zusammen mit einer evangelischen und einer jüdischen Kollegin in Berlin das Projekt „Drei Religionen Kita Haus“. Es richtet sich an Familien, denen sowohl die Praxis und Pflege der eigenen Religion, Tradition und Kultur, als auch das friedliche Miteinander und der Austausch mit anderen Religionen wichtig ist. Dabei ist jede Kita eigenständig und es gibt Gemeinschaftsräume für gemeinsame Feste und Begegnungen. Der Bau soll 2022 beantragt werden.

Über die inhaltlichen Impulse hinaus gab es die Mitgliederversammlung und in Kleingruppen immer wieder die Möglichkeit zum Austausch über das Gehörte.

Am Ende stellten die Teilnehmenden fest: Es gab gute Anregungen für die Arbeit, doch die „leibhaftige“ Begegnung und die kleinen Gespräche am Rand fehlten. So hoffen alle, dass wir uns vom 24. bis 26. September 2021 wieder live in Bad Hersfeld zu unserer nächsten Jahrestagung treffen können....

„Gewagt! 500 Jahre Täuferbewegung 1525-2025“

„Gewagt! 500 Jahre Täuferbewegung 1525-2025“

Die Täuferbewegung bildete neben der Wittenberger und der Schweizer Reformation die dritte reformatorische Strömung – ihr Einsatz für Ideale wie Religionsfreiheit und Gewaltlosigkeit hat bis heute Einfluss auf Kirche und Gesellschaft. Die Initiative „Gewagt! 500 Jahre Täuferbewegung 1525-2025“ möchte in fünf Themenjahren mit einem Blick auf täuferische Werte und Tradition das „Heute und Morgen gestalten und ökumenische Impulse setzen“. Den Auftakt bildet ein Gottesdienst am 10. Oktober in Hamburg.
In seinem Grußwort zur Initiative hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Relevanz täuferischer Ideale beschrieben: „Jeder soll hier nach seinem Glauben leben können und dürfen – ohne Angst, aber auch ohne Machtanspruch. Dass dieses Verständnis von Religionsfreiheit heute Grundlage unseres Zusammenlebens ist, dazu hat auch die täuferische Tradition beigetragen mit ihrem Beharren auf der Freiheit des Einzelnen, der Begrenzung staatlicher Macht in Glaubensfragen und der Ablehnung von Gewalt.“
Der Initiative gehe es darum, aus der Geschichte für den Glauben und das gesellschaftliche Engagement heute zu lernen, wie die 1. Vorsitzende des Vereins „500 Jahre Täuferbewegung“, die Mennonitin PD Dr. Astrid von Schlachta, betont: „500 Jahre Täuferbewegung lehren uns: Um authentisch Glauben zu leben, muss Altes hinterfragt und Neues gewagt werden – mündig, frei und souverän, in der Verantwortung vor Gott und den Menschen, immer wieder aufs Neue.“ Weil die Täufer in ihrem Einsatz sehr mutig gewesen seien, habe man über alle fünf Themenjahre die Überschrift „gewagt!“ gesetzt, erklärt der 2. Vereinsvorsitzende, der Baptist Dr. Andreas Liese: „Die Täufer und Täuferinnen haben es gewagt, gegen große Widerstände nach ihrem Gewissen und entsprechend ihrer biblischen Erkenntnis zu handeln.“ Unter der Überschrift „gewagt!“ geht es in den Themenjahren um „mündig leben“ (2020), „gemeinsam leben“ (2021), „konsequent leben“ (2022), „gewaltlos leben“ (2023) und „Hoffnung leben“ (2024). Für das Jahr 2025 sind mehrere Gedenkveranstaltungen geplant, die an die erste täuferische Glaubenstaufe 1525 in Zürich erinnern.
Das Spektrum täuferischer Kirchen ist weit. Zwei von ihnen laden gemeinsam mit dem Verein sowie der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) zum Auftakt in Hamburg ein: Die Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden in Deutschland (AMG) und der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland (BEFG), zu dem Baptisten- und Brüdergemeinden gehören. Während die Mennoniten geschichtlich unmittelbar zur Täuferbewegung gehörten, sind die Baptisten im Zusammenhang mit der englischen Reformation zu Beginn des 17. Jahrhunderts entstanden, zählen aber zu den täuferischen Kirchen.
Für die AMG-Vorsitzende Doris Hege sind 500 Jahre Täuferbewegung „ein guter Grund, sich mit den Anliegen der Bewegung zu befassen. Es geht nicht darum, im Rückblick manches zu verklären, sondern erneut diese Themen – wie den Einsatz für Frieden – zu unseren zu machen.“ Sie freue sich, so Hege, dass „dieses Gedenken auf so breite ökumenische Basis gestellt werden konnte.“ Auch für BEFG-Präsident Michael Noss geht es darum, „die Gegenwart zu begreifen und zu überlegen, was die Grundwerte unserer Überzeugung für die Zukunft bedeuten.“ Dies gelte „besonders für die Glaubens- und Religionsfreiheit, die immer wieder, durch Aus- und Abgrenzung, auf dem Prüfstand steht.“ Für die Themenjahre wünscht er sich, dass sie „ein friedliches Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionen und Glaubensüberzeugungen stärken und in eine ökumenische Weite führen.“ ###3_IMAGES###Diese ökumenische Weite ist auch für den ACK-Vorsitzenden, Erzpriester Radu Constantin Miron, unerlässlich. Das „nicht von ungefähr mit Ausrufungszeichen versehene ‚gewagt!‘“ unterstreicht für ihn das Anliegen der multilateralen Ökumene: „Offensichtlich brauchen wir in der Kirche – und in der Ökumene! – diesen unbefangenen Wagemut, weiter Schritte auf dem Weg zu unserer Einheit zu tun!“
„Gewagt! 500 Jahre Täuferbewegung“ lädt zu einem fünfjährigen gemeinsamen Weg ein, über Geschichte, Erinnerung, Tradition und Erbe nachzudenken, um das Heute und Morgen zu gestalten und ökumenische Impulse zu setzen. Begleitet wird das Nachdenken durch jährlich erscheinende Broschüren, die in Gesprächs- und Hauskreisen, Gemeinden, ökumenischen Gremien und Bildungseinrichtungen zu Diskussionen über das jeweilige Jahresthema anregen sollen. Ausstellungen, Materialien für Schule und Bildungsinstitutionen sowie Tagungen werden die Auseinandersetzung mit den zurückliegenden 500 Jahren täuferischer Geschichte illustrieren und vertiefen. Weitere Informationen: www.taeuferbewegung2025.de.
Die Eröffnung des Täufergedenkens findet am 10. Oktober in der Mennonitengemeinde, Mennonitenstraße 20, 22769 Hamburg statt. Los geht es um 17:00 Uhr mit einer Podiumsdiskussion, bei der Vertreterinnen und Vertreter von Freikirchen mit dem Beauftragten der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit, MdB Markus Grübel, diskutieren. Nach einem Empfang um 18:30 Uhr folgt um 19:30 Uhr der Ökumenische Eröffnungsgottesdienst. Vertreterinnen und Vertreter der Presse werden gebeten, sich bei BEFG-Pressesprecher Dr. Michael Gruber (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!" target="_parent">mgruber@befg.de) zu akkreditieren. Die Eröffnung wird auch per Livestream übertragen (Gottesdienst: www.baptisten.de/livestream-auftakt-500 | Podiumsdiskussion per Zoom: tinyurl.com/y6d6ocrg).

Diese Pressemittelung wird herausgegeben von:
•    500 Jahre Täuferbewegung 2025 e.V.
•    Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK)
•    Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden in Deutschland (AMG)
•    Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland (BEFG)...

Fortbildung im Anfangsdienst

Fortbildung im Anfangsdienst

Die Fortbildung im Anfangsdienst (FiA) in der vergangenen Woche beschäftigte sich mit der Frage, wie die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der Gemeinde gestaltet und verändert werden kann.

Vom 14. bis zum 18. September führte die Akademie Elstal wieder eine Fortbildung im Anfangsdienst durch, an der elf Pastorinnen und Pastoren und eine Diakonin teilnahmen. Sie stand unter der Überschrift  „Gemeinde mit Kindern und Jugendlichen gestalten“ und hat sich unter anderem um die Themen „Entwicklung und Leitung von ansprechender Jugendarbeit“ und  „Veränderungen von Gemeinde in Richtung (sozialer) online Medien“ gedreht.

Dank des guten Wetters konnten die morgendlichen Andachten draußen stattfinden. So konnten alle mit gemeinsamem Lobpreis in den Tag starten, was zu Zeiten von COVID-19 nicht selbstverständlich ist.

Jonas Schilke, Jugendpastor in Hannover, präsentierte seine Erfahrungen und Erkenntnisse: Was bedeutet es, eine Jugendarbeit von Null auf zu starten? Wie können ehrenamtliche Mitarbeitende der Generationen Y und Z gewonnen und gefördert werden? Außerdem wurden praktische Wege und Tipps zur Leitung von Jugendarbeit und -events vorgestellt und potenzielle Spannungsfelder behandelt.

Dr. Karsten Kopjar, Social Media-Koordinator der Evangelischen Kirche aus Erfurt, hat über den Umgang der Kirche mit sozialen Medien referiert. Es wurde die gegenwärtige mediale Realität von Kirche im Allgemeinen und auch die von Jugendlichen im Speziellen beleuchtet. Kopjar hat durch mehrere Umfragen unter den Teilnehmenden die Erfahrungen der Gruppe erschlossen und hinterfragt sowie dazu ermutigt, dasselbe auch mit dem Umgang von sozialen Medien in der eigenen Gemeinde zu tun. Besonders bei denen durch COVID-19 größtenteils schlagartig erzwungenen Veränderungen gab es hier konstruktive Tipps zur Etablierung eines hybriden Formates zwischen Online- und Offline-Kirche.

Dr. Anika Loose, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Bochum, hat Theorien und Methoden der Kindertheologie vorgestellt und Beispiele gegeben, wie mit Kindern zusammen theologisiert werden kann. Zusammen mit den Teilnehmenden wurden verschiede Arten der Erzählung von Bibelgeschichten in Verbindung mit der adressierten Altersgruppe ausprobiert. Von Erzählkarten mit Einzelsymbolen, über Plakate mit einzelnen Szenen von Bibelgeschichten, bis hin zu Kinderbibeln mit verschiedenen Schwerpunkten auf Bildern, Erzählungen oder Darstellungen gab es eine Vielzahl von verschiedenen Methoden, bei denen alle Teilnehmenden ihren persönlichen Zugang finden konnten.

Am Freitag wurde die Gruppe von Jason Querner, GJW-Referent für die Arbeit mit Kindern, in die „Kirche kunterbunt“ „entführt“: Der Ablauf dieses kreativen Angebots für Familien wurde beim Basteln, Malen und Miteinanderreden ganz handfest erlebbar. „Die Kirche kunterbunt will ich möglichst bald ausprobieren, damit Familien gerade in dieser Zeit wieder in die Gemeinde kommen können“, sagte ein Teilnehmer.

Abgeschlossen wurde diese Fortbildung im Anfangsdienst mit einem gemeinsamen Gottesdienst, bei dem Oliver Pilnei die Kolleginnen und Kollegen in seiner Predigt ermutigte, an die Grenzen zu gehen und den Menschen Gottes heilsame Liebe nahe zu bringen....