Neuigkeiten vom Bund - Allgemeines

50 Jahre Martin-Luther-King-Haus

50 Jahre Martin-Luther-King-Haus

Das nach dem US-Bürgerrechtler und Baptistenpastor benannte Martin-Luther-King-Haus in Schmiedeberg im Erzgebirge ist 50 Jahre alt geworden. Das „King’s“, wie es kurz genannt wird, ist eine Einrichtung im Status der Bekenntnisgemeinschaft mit dem BEFG.

Das Jubiläum mit 200 Gästen wurde bereits im Frühjahr begangen, allerdings hatten die neuen Hauseltern, Andreas und Esther Kuhnert, vergessen, die Zeitschrift DIE GEMEINDE darüber zu informieren. Man habe das Jubiläum gefeiert, wie es der christliche Liedermacher Manfred Siebald in einem seiner bekannten Lieder formuliert habe: „Ins Wasser fällt ein Stein, ganz heimlich still und leise.“ Auch das Jubiläum habe man in aller Stille begangen.

Andreas Kuhnert erinnert sich in einem Gespräch mit der GEMEINDE an die Anfänge. In der Friedenskapelle der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Schmiedeberg habe man schon nach dem Zweiten Weltkrieg erste Rüstzeiten angeboten – in Schlafsälen mit Strohsäcken auf engsten Raum. Um auf die steigende Nachfrage reagieren zu können, hätten Gemeindemitglieder beschlossen, in unmittelbarer Nähe des Gemeindehauses ein Freizeithaus zu bauen. Das Baumaterial habe man durch den Abriss von sechs baufälligen Häusern gewonnen. Und so habe man den Bau allen Widrigkeiten in der DDR zum Trotz am 13. Dezember 1969 einweihen können. Die Gründerväter hätten das Haus bewusst nach Martin Luther King benannt, der ein Jahr zuvor in Memphis erschossen worden war. „Die Verantwortlichen damals wollten seinen Namen in Erinnerung behalten“, weiß Kuhnert.

Dass man für den Bau überhaupt eine Baugenehmigung erhalten habe, sei bis heute ein Wunder, so Kuhnert. Denn das Grundstück lag eigentlich viel zu nah an der Weißeritztalbahn, der dienstältesten bis heute öffentlich betriebene Schmalspurbahn Deutschlands. Die Strecke führt seit 1882 von Freital-Hainsberg bei Dresden bis nach Kipsdorf im Osterzgebirge. Die politisch Verantwortlichen seien jedoch davon ausgegangen, dass diese Bahnstrecke ein absehbares Ende haben werde. Kuhnert freut sich: „Das Martin-Luther-King-Haus steht – und die Bahn fährt auch noch.” Viele Gäste seien von der Bahn begeistert und nutzten die Fahrten mit dem Dampfzug. Schon die damalige Baustelle sei ein Ort der Begegnung gewesen. „Helfer aus dem In- und Ausland kamen und brachten sich ein.“

Nach Fertigstellung traf man sich zu Kinder-, Jugend-, Gemeinde- und Familienfreizeiten. 2006 konnte ein weiteres Haus eingeweiht werden – mit zwölf barrierefreien Zimmern und einem hellen Saal mit 150 Sitzplätzen. Insgesamt verfüge das Haus heute über 45 Zimmer mit bis zu 124 Betten. Zur Verfügung stehen vier Gruppenräume, ein Raum der Stille, ein Tischtennis-Raum, ein Clubraum, eine Kaffeestube mit Gästeküche und eine Sauna. Der Tagessatz inklusive Vollpension für Erwachsene im Doppelzimmer beträgt 49 Euro. Mit der Gästeentwicklung ist Kuhnert zufrieden. In den letzten Jahren habe es 8.500 Übernachtungen pro Jahr gegeben, in diesem Jahr werde man rund 12.000 erreichen. ...

Bundesgemeinschaft 2025

Bundesgemeinschaft 2025

Am 28. November hat der Thinktank seine Arbeit nach zweieinhalb Jahren beendet. Die Fortführung geschieht nun durch das Entwicklungsteam unter der Leitung von Stefan ter Haseborg.

Anfang 2017 startete der Thinktank, beauftragt vom Präsidium und mit vielen Grundsatzfragen im Gepäck: Wie kann der Bund sich den Gemeinden dienstbar machen? Wie ist eine Unterstützung möglich? Wie kann der Wunsch nach freikirchlicher und ökumenischer Zusammenarbeit strukturell unterstütz werden? Neben den Fragen wurden einige Probleme deutlich: eine Abnahme der konfessionellen Identität, ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber Bundesverantwortlichen, die strukturelle Finanzknappheit des Bundes und die Feststellung, dass manche der bewährten Strukturen heute nicht mehr tragen.

Zu Beginn wurden unterschiedliche Themenschwerpunkte herausgearbeitet. Diese sollten gestärkt werden und einer neuen Struktur eine Perspektive geben:

Mit Gemeinden vor Ort sollen neue Ideen für eine kreative, missionarische und zugleich ressourcenorientierte Gemeindearbeit entwickelt werden. Außerdem soll der Bund als Bund von Gemeinden auf vielfältige Weise die Liebe Gottes zu den Menschen bringen. Wo es sinnvoll und möglich ist, soll die Zusammenarbeit mit Christen aus Kirchen anderer Konfessionen gefördert werden. Bisher gewachsene Strukturen und Arbeitsweisen in Bund und Landesverbänden müssen überprüft werden und sind gegebenenfalls so zu verändern, dass sie im Rahmen der Möglichkeiten möglichst effektiv den Gemeinden dienen. Es soll hinterfragt werden, welche Angebote und Dienstleistungen des Bundes eine Bedeutung für die Ortsgemeinde haben und welche gegebenenfalls nicht.###3_IMAGES###Im Laufe der Arbeit im Thinktank wurde immer deutlicher, dass die Entwicklung einer grundlegend neuen Struktur für Bund und Landverbände nicht zielführend ist. An unterschiedlichen Stellen wurde die Erfahrung gemacht, dass solche Projekte und Initiativen in der Vergangenheit auf Ablehnung gestoßen sind.

Es wuchs die Idee, vielleicht auch deshalb, weil es dem Bund als einem Bund von Gemeinden am meisten entspricht, flexible und anpassungsfähige Projekte, Initiativen und Programme zu entwickeln, zu fördern und zu unterstützen. Das war nun nicht wirklich Neues, wird doch im Bund immer wieder so gearbeitet. Aber der Thinktank wollte den Fokus mehr darauf richten und weniger auf das Bedienen der vorhandenen Strukturen. Dieser Fokus soll durch eine agile Arbeitsweise verstärkt werden.

Immer im November findet die sogenannte Offene Präsidiumssitzung (OPS) statt. Dazu sind dann alle Referentinnen und Referenten des Bundes, die Bereichsleiter, die an der Hochschule Lehrenden, Verantwortliche aus den Landesverbänden und weitere Menschen mit einer Funktion im Bund eingeladen. Bei den OPS gibt es stets ein Schwerpunktthema. In diesem Jahr stellte der Thinktank seine bisherige Arbeit vor. Es war für manche der Teilnehmenden schon eine Herausforderung, akzeptieren zu müssen, dass es nichts „Handfestes“ gibt, was der Thinktank vorstellen kann. Es ging in erster Linie darum, sich mit einer Vorgehensweise und einer Idee vertraut zu machen. Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass ein Wandel notwendig ist. Der Thinktank hat immer mehr gemerkt, dass der Bund auf manche Veränderung in der Gesellschaft und durch manche sich daraus ergebende Herausforderungen keine Antworten hat. „Wir dürfen aber als christusgläubige Menschen hoffnungsvoll in die Zukunft schauen, dürfen ausprobieren, Ideen entwickeln und so planen, wie es zur jeweiligen Situation vor Ort entspricht“, so BEFG-Präsident Michael Noss.###3_IMAGES###Auf spielerische Weise machten sich alle mit den Chancen eines agilen Handelns vertraut. So bietet diese Arbeitsweise durch ein kontinuierliches Ausprobieren zum Beispiel die Chance, schneller und besser auf Bedürfnisse in Gemeinden zu reagieren. Chancen und Stärken der Methode, aber auch deren Grenzen waren gut zu erkennen. Berichte aus Gemeinden und Landesverbänden rundeten das Bild ab. In einer Diskussionsrunde wurde sehr frei und offen darüber gesprochen, wie eine Umsetzung aussehen könnte, wo auf Vorhandenes und Gutes aufgesetzt werden kann. Wichtig ist dabei ein hoher Grad an Transparenz und Vernetzung auf dem Weg. Die Veränderung wird in vielen kleinen Schritten geschehen. Vorhandene und neue „Leuchtturmprojekte“ sollen direkt für die Gemeinden entwickelt und getestet werden. Was nicht funktioniert, kann dann auch getrost wieder aufgegeben werden. Bundesseitig sollen Projekte initiiert und begleitet werden. Initiativen von Gemeinden werden unterstützt und ebenfalls begleitet. Dabei soll die Bedeutung für andere Gemeinden gestärkt und gefördert werden.

Das Zielbild wird unter dem Arbeitstitel „Bundesgemeinschaft 2025“ angestrebt. Dabei wird der Bund dezentral gedacht. Regional überschaubare Strukturen sollen sich entwickeln. Dabei wäre es dringend notwendig, dass die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf ihre Weise diese Entwicklungen unterstützen.

Das Entwicklungsteam nimmt ab sofort seine Arbeit auf. Zum Team gehören zurzeit Dagmar Wegener, Holger Huhn, Udo Rehmann und Stefan ter Haseborg. Das vorhandene Team soll noch um zwei weitere Personen erweitert werden. Weitere Informationen zu den Aktivitäten und Initiativen werden bereits auf dem Bundesrat 2020 in Kassel vorgestellt.

Zum Thinktank gehörten die ganze Zeit oder phasenweise: Benedikt Elsner, Stefan ter Haseborg, Udo Hermann, Holger Huhn, Jasmin Jäger, Wilma Lükenga-Kruse, Birte McCloy, Michael Noss, Raphael Pionke, Udo Rehmann, Christopher Rinke, Heiner Christian Rust, Udo Schmidt, Friedrich Schneider, Christoph Stiba, Karolin Theiss, Dirk Zimmer....

TischGemeinschaft mit Gott

TischGemeinschaft mit Gott

„Gott ist einer von uns geworden, kam als Mensch zu uns Menschen auf die Erde. Er will Gemeinschaft mit uns haben, lädt uns ein an seinen Tisch. Diese Einladung geben wir weiter“, so Generalsekretär Christoph Stiba. Der BEFG bittet zu Weihnachten um Spenden zur Förderung der Mission in Deutschland.
„Ist an unseren weihnachtlichen Festtagstafeln eigentlich auch Platz für Menschen, die nicht zu unserer Familie gehören? Wer ist willkommen? Mit wem wollen wir Gemeinschaft haben?“, fragt Christoph Stiba. Jesus habe schließlich auch Tischgemeinschaft mit jenen Menschen gesucht, die geächtet und gemieden wurden: „Nicht die Starken bedürfen des Arztes, sondern die Kranken“ (Markus 2,17). „Jesu Beispiel wollen wir in unserer Bundesgemeinschaft folgen.“
Der Dienstbereich Mission unterstützt Gemeinden dabei, auf die Menschen ihrer Umgebung zuzugehen. Das neue Konzept TischGemeinschaft beispielsweise animiert dazu, fremde Menschen wie auch Freunde und Bekannte zu Tisch zu bitten: zu einem Dinner mit evangelistischer Verkündigung in den Gemeinderäumen und zu einem Brunch-Gottesdienst. Eingeladen wird auch in der Fußgängerzone – mit einem großflächigen Bild von Leonardo da Vincis Abendmahl und einem Tisch, der jeden Passanten dazu einlädt, sich dazuzusetzen: um zu verweilen und um ins Gespräch zu kommen.
Die EFG Kamp-Lintfort hat die drei Evangelisationstage durchgeführt, wie Pastor Marcus Bastek berichtet: „Wir hatten Menschen da, die sich nur kurz interessiert zeigten, und Menschen, die anderthalb Stunden vor dem Transparent von TischGemeinschaft saßen und tiefgreifende seelsorgerliche Gespräche geführt haben.“ Eine Begegnung ist ihm dabei besonders in Erinnerung geblieben: „Eine Frau hat sich lange mit uns unterhalten. Und wir haben für sie gebetet. Das war völlig unnormal für sie. An diesem Abend ist sie wirklich berührt worden, was auch ich sehr berührend fand. Das nehme ich mit als Motivation.“
Christoph Stiba lädt in der Spendenbitte des BEFG dazu ein, die vielfältige Arbeit des Dienstbereichs Mission mit einer Weihnachtsspende zu unterstützen: „An Gottes Tafel ist für jeden einzelnen von uns ein Ehrenplatz reserviert. Gemeinsam wollen wir unsere Mitmenschen dazu ermutigen, dieser Einladung zu folgen und Platz zu nehmen.“
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Von Spaltungen zu einer „großartigen Versöhnungsgeschichte“

Von Spaltungen zu einer „großartigen Versöhnungsgeschichte“

„Deutschland ist ein Land, von dem Spaltungen ausgingen, mit einer großartigen Versöhnungsgeschichte.“ Mit diesen Worten führte Dr. Verena Hammes bei der Mitgliederversammlung der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) in das Schwerpunktthema „Ökumene“ ein. Auch die zivile Seenotrettung im Mittelmeer stand bei der Konferenz Ende November im thüringischen Bad Blankenburg auf der Tagesordnung. So beschlossen die Delegierten, dass die VEF Bündnispartner von „United4Rescue“ wird.
In ihrem Vortrag würdigte Hammes, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), die breit angelegte Ökumene in Deutschland und beschrieb diese als „einzigartig“. Wenn man Ökumene ernstnehme, müsse man neben den großen Kirchen die ganze Vielfalt der Kirchenlandschaft in den Blick nehmen, wie es beispielsweise 2021 geplant sei. In diesem „großen Jahr der Ökumene“ findet zunächst im Mai in Frankfurt der 3. Ökumenische Kirchentag (ÖKT) statt und dann, im September in Karlsruhe, erstmals in Deutschland die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK). Die Freikirchen werden auf dem ÖKT mit eigenen Ständen auf dem Veranstaltungsgelände gemeinsam sichtbar sein und wollen zudem die von der ACK geplante „Polis“ unterstützen, durch die Ökumene während des Kirchentags auch im Frankfurter Stadtzentrum sichtbar werden soll. Dr. Lothar Triebel, Freikirchenreferent am Konfessionskundlichen Institut Bensheim, ermutigte die VEF, den Begriff „evangelisch“ aktiv mitzuprägen.
Mit dem 1. Vorsitzenden der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA) Ekkehart Vetter und deren Generalsekretär Dr. Reinhardt Schink waren auch zwei führende Vertreter der DEA zu Gast, in deren Tagungshaus die Mitgliederversammlung stattfand. Beide würdigten in ihrem gemeinsamen Vortrag die gute Zusammenarbeit mit der VEF. Schink berichtete über das Zukunftsforum der Allianz, durch das junge Leute zur verantwortlichen Mitarbeit ermutigt werden sollen. Es sei ein großes Anliegen, die Allianz als Netzwerk zu stärken, an dem sich viele Menschen gemeinsam und ohne starke Hierarchien beteiligen können. Auch die Digitalisierung solle hierbei intensiv genutzt werden, so Schink.###3_IMAGES###VEF-Präsident Christoph Stiba hob ein Thema hervor, das in den Vorträgen von Hammes, Schink und Vetter vorkam und das auch für die VEF von hoher Bedeutung sei: „Es ist wichtig, mit den Migrantenkirchen ins Gespräch zu kommen, die zur Ökumene in Deutschland dazugehören.“
Die VEF wurde auf Beschluss der Mitgliederversammlung offiziell Bündnispartner von „United4Rescue – Gemeinsam Retten“. Das Bündnis hat das Ziel, ein eigenes Rettungsschiff ins Mittelmeer zu schicken, um so Menschenleben zu retten. Der Verein hebt die „Pflicht zur Seenotrettung“ hervor, wendet sich gegen eine Kriminalisierung der zivilen Seenotrettung, setzt sich für faire Asylverfahren und sichere Häfen ein. „Menschen in Lebensgefahr muss geholfen werden“, so VEF-Präsident Christoph Stiba. „Wegschauen ist keine Option. Deshalb wollen wir jetzt gemeinsam ein Zeichen setzen und helfen, wo wir können.“
Die Mitgliederversammlung befasste sich auch mit der Zukunft der freikirchlichen Rundfunkarbeit. Andrea Schneider, seit 1996 Rundfunkbeauftragte der VEF, geht Mitte 2020 in den Ruhestand. Nachdem der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden diese Stelle bisher allein finanziert hat, werden die VEF-Kirchen dies ab 1. Juli 2020 gemeinsam tun. Der ehrenamtliche Vorsitzende der VEF-Arbeitsgruppe „Rundfunk und Fernsehen“, Jürgen Single, zeigte auf, welche großen Chancen es für die Freikirchen mit sich bringe, über Rundfunkgottesdienste und -andachten viele Menschen zur erreichen.
Auch die Leiterin einer anderen VEF-Arbeitsgruppe war in der Mitgliederversammlung zu Gast: Claudia Rohlfing berichtete davon, wie sich Mitarbeitende aus den unterschiedlichen Freikirchen zur Arbeit mit Kindern und Jugendlichen vernetzen und vom Material und den Erfahrungen der Anderen profitieren.
Der Leiter des Runden Tisches „Gebet“ der Koalition für Evangelisation (Lausanner Bewegung) Bernd Oettinghaus stellte den Delegierten die Initiative „3. Oktober – Deutschland singt“ vor. Im kommenden Jahr sind Menschen aller Generationen und Kulturen am Tag der Deutschen Einheit eingeladen, in den Städten zu singen und zu feiern. Damit soll „ein Zeichen der Dankbarkeit und Einheit“ gesetzt werden: „Zur Erinnerung an die Friedensgebete und an das Wunder der Friedlichen Revolution bringen alle Sängerinnen und Sänger Kerzen mit – als Symbol für Frieden und Hoffnung im wiedervereinten Land und darüber hinaus.“###3_IMAGES###Die Vereinigung Evangelischer Freikirchen wurde 1926 gegründet. Ihr gehören zwölf Mitglieds- und drei Gastkirchen an. Verschiedene Arbeitsgruppen der VEF befassen sich mit Themen wie Evangelisation und missionarischem Gemeindeaufbau, gesellschaftlicher Verantwortung, Rundfunkarbeit, Angeboten für Kinder und Jugendliche oder theologischer Aus- und Weiterbildung. Weitere Informationen: www.vef.de....

Kleiner Gemeindebund, großer gesellschaftlicher Einfluss

Kleiner Gemeindebund, großer gesellschaftlicher Einfluss

Mitte November besuchte eine Delegation des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) den ungarischen Baptistenbund. Eine Reportage von Dr. Michael Gruber.
Montagvormittag, Bibelkundeunterricht am Baptistischen Gymnasium im Budapester Stadtteil Országút. Heute geht es um Dankbarkeit. Schulpastor Krisztián Tóth fragt die vier Schülerinnen und zehn Schüler der neunten Klasse, wofür sie dankbar sind. Mit seiner ruhigen und zugewandten Art geht der Mittdreißiger auf alle ein, sorgt dafür, dass neben den besonders Mitteilsamen auch alle ruhigen Schüler zu Wort kommen. So wie das Mädchen in der ersten Reihe, das eine starke geistige Behinderung hat. Fast alle hier haben eine körperliche oder geistige Beeinträchtigung. Der Pastor schreibt ihre Antworten auf das Smartboard, die elektronische Tafel, erarbeitet mit den Jugendlichen Kategorien von Dingen, für die man dankbar sein kann, bringt dies in Bezug zu Glaubensfragen. Dann singt die Klasse gemeinsam christliche Lieder, begleitet vom Schulpastor auf der Gitarre.
Rektorin Gabriella Kékesné Czinder hat den Gästen aus Deutschland zuvor ein Video über die Schularbeit gezeigt. In einer Szene sieht man Schüler im Anzug und Schülerinnen im Abendkleid beim gemeinsamen Tanz. Eines der Mädchen sitzt im Rollstuhl. Der Ball, so berichtet Kékesné Czinder, ist eine alte ungarische Tradition. Doch nur an ihrer Schule können auch gehbehinderte Jugendliche daran teilnehmen. Insgesamt hat die Schule 220 Schüler. 60 von ihnen sind gehbehindert, 40 Autisten, 50 haben andere Behinderungen. Das inklusive Konzept ist für Ungarn außergewöhnlich, wie uns die Rektorin erläutert. Weil es im Land nicht ausreichend Schulplätze für Kinder mit Behinderungen gibt, müssen manche von ihnen zu Hause bleiben – trotz Schulpflicht. Die Schule in Országút möchte ihren Absolventinnen und Absolventen eine Beteiligung am gesellschaftlichen Leben ermöglichen.###3_IMAGES###Es gibt in Ungarn 50 baptistische Schulen mit etwa 17.000 Schülern. Rund zehn davon wurden von Baptistengemeinden mit eigenen Mitteln gegründet, die anderen hat der Baptistenbund vom Staat übernommen, der für die Finanzierung sorgt. Die meisten Schulen konzentrieren sich auf bestimmte Talente der Schülerinnen und Schüler und sind auch bei nicht-baptistischen Eltern beliebt, beispielsweise drei Sportgymnasien oder viele Berufsschulen. Es gibt eigene baptistische Schulbücher, die auch in anderen kirchlichen Schulen gerne genutzt werden.
Der Vormittag hat zwei Dinge eindrücklich gezeigt, die für die Arbeit der ungarischen Baptisten typisch sind. Der kleine Bund wirkt an vielen Stellen in die Gesellschaft hinein. Und er hat dabei sein „wichtigstes Ziel, Mission, stets im Blick“, wie Generalsekretär Kornél Mészáros uns am Nachmittag berichtet.
Wie missionarisch und diakonisch der Baptistenbund und seine Gemeinden sind, erleben wir bereits bei unseren Gottesdienstbesuchen tags zuvor. Prof. Michael Kißkalt, der Rektor der Theologischen Hochschule Elstal, predigt an diesem Sonntag in einer Gehörlosengemeinde am Stadtrand von Budapest. Seit zehn Jahren betreibt der Bund seine „Spezialmission“ für Gehörlose, bietet für sie Gottesdienste, Freizeiten und Jugendarbeit an. Mit dem ungarischen Bibelinstitut arbeiten die Baptisten an einer Bibelübersetzung in Gebärdensprache, für Blinde entwickeln sie christliches Audio-Material.###3_IMAGES###BEFG-Präsidiumsmitglied Frank Fornaçon und ich sind zu Gast in der noch recht jungen Gemeinde in Vecsés, die sich im örtlichen Kulturzentrum trifft. In dem Raum im ersten Stock, der mit zwei verspiegelten Wänden zunächst viel größer wirkt als er ist, spielt eine Band mit Gitarre, Keyboard und Cajón auf Ungarisch mit einem treibenden Beat bekannte Songs à la Hillsong. Eine Frau erzählt im Zeugnisteil, wie im Nähkurs Frauen zum Glauben gefunden haben und wegen der guten Gespräche immer wieder kommen, obwohl sie eigentlich viel besser nähen können als die Gemeindefrauen, die den Kurs anbieten. Ein Student berichtet von seiner Arbeit unter Kommilitonen. Und Pastor Lajos Téglási bittet um Gebet für seine Missionsreise nach Pakistan. Wir erfahren auch, dass die Gemeinde Spenden sammelt, um einen ehemaligen Nachtclub als Gemeindehaus zu kaufen. Und Gemeindeleitungsmitglied Ádám Hegedűs zeigt uns Bilder von einem Freizeitangebot, durch das Kinder biblische Geschichten wie die von Daniel in der Löwengrube mit allen Sinnen und viel Spaß erfahren können – missionarische Erlebnispädagogik.###3_IMAGES###BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba und Präsidiumsmitglied Dorothee Oesemann besuchen einen Festgottesdienst in der Ersten Baptistengemeinde zu Budapest, der von einem professionellen Orchester gestaltet wird. Die Musiker dürfen in den Gemeinderäumen kostenlos proben, müssen dafür aber einmal im Jahr im Gottesdienst spielen, wo sie – auch hier der missionarische Impuls – mit dem Glauben in Berührung kommen.
Die schiere Fülle baptistischer Angebote beeindruckt uns auch am Montagnachmittag. Zusammen mit Dr. Ákos Bukovszky, dem Leiter für auswärtige Angelegenheiten des Baptistenbundes, der die ganze Zeit dabei ist und alle Gespräche übersetzt, fahren wir von der integrativen Schule aus in den schicken VI. Bezirk. Hier, nah am Budapester Zentrum und um die Ecke vom imposanten Hősök tere, dem Heldenplatz, reihen sich größtenteils sanierte Gründerzeitbauten aneinander. Zwischen Wohngebäuden und Botschaften: die Theologische Akademie der Baptisten. Studiendirektor Dr. Gedeon Urbán erzählt uns, dass von den 500 Studenten und Studentinnen gerade mal 25 Männer in der Pastorenausbildung für den Bund sind. Andere Theologiestudenten wollen beispielsweise Pfarrer in der Lutherischen Kirche werden, auch katholische Studenten sind dabei. Priester freilich können sie mit einem Abschluss hier nicht werden. Doch insgesamt sind in der Studierendenschaft zehn Konfessionen vertreten. Die Akademie bildet auch Gemeindekantoren sowie Seelsorger für den sozialen Bereich aus.###3_IMAGES###Danach treffen wir direkt nebenan in der Zentrale des Bundes die Leitung der ungarischen Baptisten. Im hellen Konferenzraum im Obergeschoss steht ein riesiger Besprechungstisch aus dunklem Holz, an allen Wänden hängen großformatige golden umrahmte Ölgemälde ehemaliger Präsidenten. Darunter in Schaukästen baptistische Devotionalien wie Schwarzweiß-Fotografien früherer Bundesleitungen oder die Schreibmaschine des früheren Mönchs und 1922 zum baptistischen Glauben konvertierten Schriftstellers und Dichters Dr. Imri Somogyi. Im Gespräch erfahren wir mehr über die Arbeit. Der Bund möchte 100 Gemeinden in 20 Jahren gründen. Baptisten geben auch Religionsunterricht an 300 nicht-baptistischen Schulen. Es gibt 100 soziale Einrichtungen, etwa in der Kinderpflege oder der Behandlung Suchtkranker. Und der Bund tut viel, um die Gruppe der Roma mit dem Evangelium zu erreichen.
Wie kann der kleine Bund mit seinen 12.000 Mitgliedern all dies stemmen? Präsident János Papp berichtet uns zunächst über eine Besonderheit in der ungarischen Steuergesetzgebung. Wer steuerpflichtig ist, kann 1 Prozent an eine Kirche zahlen und darf frei entscheiden, an welche. 35.000 Menschen und somit weit mehr als die steuerpflichtigen Mitglieder geben ihr Prozent an die Baptisten! Dafür wirbt der Bund auch mit einer Kampagne, die er zudem als „Evangelisationsmöglichkeit“ versteht. Darüber hinaus gibt der Staat viele seiner Aufgaben an verschiedene Kirchen ab und bezahlt diese dafür. Nur dadurch ist die umfassende Schul- und Hochschularbeit der Baptisten möglich. Und auch sonst zeigt sich der Staat großzügig, um die Arbeit der Kirchen zu ermöglichen. So hat der Baptistenbund kürzlich ein mehrstöckiges Gebäude gegenüber seiner Zentrale geschenkt bekommen. Dieses ist zwar renovierungsbedürftig, aber die Hälfte der Kosten für die Sanierung übernimmt: der Staat.###3_IMAGES###Das mehrstündige Gespräch mit der Leitung und unsere Treffen geben uns tiefe Einblicke in die Arbeit. Dass der ungarische Bund vom Staat profitiert, scheint mit einer positiven Haltung der Baptisten der Regierung gegenüber einherzugehen. Das wirkt auf uns, die deutsche Delegation, angesichts der offen fremdenfeindlichen Haltung der Orbán-Regierung erst einmal suspekt. Und in unseren Gesprächen wird auch deutlich, dass wir gerade beim Thema Flüchtlinge an vielen Stellen unterschiedliche Ansichten haben. Und doch tragen die Gespräche zu einem gegenseitigen Verständnis bei. Wir erfahren, dass die ungarische Geschichte im Vergleich zur deutschen zu einer anderen Prägung geführt hat. Während Migration zur deutschen Nachkriegsgeschichte dazugehört, gab es in Ungarn keine ähnlichen Entwicklungen. Stattdessen spielen die Eroberungen durch das Osmanische Reich Mitte des 16. Jahrhunderts und die dann 145 Jahre andauernde türkische Besetzung im kollektiven Geschichtsbewusstsein der Ungarn anscheinend noch eine große Rolle. In jedem Fall weiten die Gespräche den Blick, helfen, die eigene Position nicht absolut zu setzen. Während sich beispielsweise viele deutsche Baptistengemeinden stark für Geflüchtete einsetzen, sind ungarische Baptisten für die Minderheit der Roma aktiv. Und immer wieder stoßen wir in diesen Tagen auch auf offene Ohren, wenn wir von der Gemeindearbeit mit Migranten berichten.
Und so fasst der ungarische Baptistenpräsident János Papp es am Ende so zusammen: „Etliche Fragen verstehen wir natürlich anders, aber wir treffen uns in Brot und Kelch. Und ist es uns ein Anliegen, die Zusammenarbeit mit euch Deutschen enger zu gestalten.“ Gemeinsam etwas zu bewirken, das sei das Ziel, wie auch Christoph Stiba unterstreicht, nachdem er ein Abendmahlsgeschirr als Gastgeschenk überreicht hat: „Wir brauchen den Dialog zwischen Ost und West, zwischen verschiedenen Einstellungen, damit das Evangelium vorangebracht wird.“...

„Rosa bleibt sitzen – aber das Recht steht auf“

„Rosa bleibt sitzen – aber das Recht steht auf“

Weil sie sich geweigert hatte, ihren Sitzplatz im Bus für einen Weißen zu räumen, wurde die Afroamerikanerin Rosa Parks in Montgomery, Alabama, am 1. Dezember 1955 festgenommen. Ihr Gemeindepfarrer Martin Luther King und eine Bürgerinitiative organisierten den ersten Kundenboykott der jüngeren US-Geschichte, den „Busstreik von Montgomery“, den Anfang vom Ende der Apartheid in Amerika. Gleiche Rechte für Frauen und Männer aller Rassen und Religionen werden heute in Deutschland wieder in Frage gestellt. Grund genug, im „Chormusical Martin Luther King - Ein Traum verändert die Welt“ das Leben, die Wirkung und die Aktualität des Bürgerrechtlers und Friedensnobelpreisträgers zu thematisieren.

Das Chormusical startet im Januar 2020 seine Tournee durch dreizehn Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Rund 15.000 Chorsängerinnen und -sänger proben zurzeit die Gospel- und Popsongs, die sie zusammen mit professionellen Musicalsolisten und Big-Band in großen Multifunktionsarenen aufgeführt werden. Am 18. Januar 2020 wird das Werk von Andreas Malessa, Hanjo Gäbler und Christoph Terbuyken in der Alsterdorfer Sporthalle in Hamburg mit mehr als 1.300 Sängerinnen und Sänger aus der Region aufgeführt.

Rosa Parks hätte sterben können an diesem Tag

„Es ist für mich eine große Ehre, die Rolle dieser Frau verkörpern zu dürfen“, sagt Sängerin und Schauspielerin Bonita Niesen, „sie hätte sterben können an diesem Tag, aber sie wusste, was getan werden muss. Das macht mir täglich Mut, mich gegen Ungerechtigkeit zu wehren.“

381 Tage lang gingen mehr als 50.000 Afro-Amerikaner zu Fuß zur Arbeit. Engagierte Weiße richteten private Mitfahrerzentralen ein. Bis 1959 war in immer mehr Bereichen des öffentlichen Lebens die Rassentrennung aufgehoben. Martin Luther King selbst bezahlte seinen gewaltlosen Einsatz für Gleichberechtigung und Menschenrechte 1968 mit dem Leben.

„Es gibt Gerechtigkeit, für die es sich zu kämpfen lohnt“

„Ich bin in den 70ern in Südafrika geboren“, erzählt Bonita Niessen, „mitten im Apartheidsystem. Die Bürgerrechtsbewegung von Nelson Mandela war noch in vollem Gange. Wir hatten die gleichen Themen! Eigentlich müsste heute so viel anders sein. Doch noch immer ist der Traum von Rosa Parks und Martin Luther King nicht überall auf der Welt Wahrheit geworden.“

15.000 Stimmen tragen Kings Traum weiter

Herzstück jeder Inszenierung ist der riesige Chor mit Sängerinnen und Sängern aus der jeweiligen Region – zwischen 300 bis 1.500 Mitwirkende je Aufführung. Vom Schulkind bis zur Oma, quer durch alle Berufe und Konfessionen. „Wir halten fest, trotz Spott und Hohn, dass bald schon, irgendwann, nicht Rasse und nicht Religion den Hass begründen kann“ singen sie zum wuchtigen Sound einer Big-Band und den Solisten.

Über 70.000 Besucher werden durch das Musical mit Kings Traum in Berührung kommen und seine Ideen in unsere heutige Situation tragen, die besonnene Stimmen ebenso nötig hat wie kluge Visionen.

Das komplette Interview mit Bonita Niessen finden Sie online unter www.king-musical.de/rosableibtsitzen.

Veranstalter der Aufführung in Hamburg ist die Stiftung Creative Kirche in Kooperation mit dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland (Baptisten- und Brüdergemeinden), der Johann-Gerhard-Oncken-Kirche und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Schirmherr der Veranstaltung ist Christoph Stiba, Generalsekretär des Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland.

Projektpartner des Chormusicals ist Brot für die Welt. Im Rahmen der Aktion Gospel für eine gerechtere Welt unterstützt das Chormusical Martin Luther King ein Projekt von Brot für die Welt im Norden Kenias, das den Zugang zu sauberem Trinkwasser sichert. Weitere Aktionspartner sind der Versicherer im Raum der Kirchen und die Bank im Bistum Essen. Das Chormusical wird unterstützt durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Curacon....